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Überfischung der Meere - Fisch bewusst kaufen - informiert genießen

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Der Hunger nach  Fisch bricht neue Rekorde. Doch die Überfischung dezimiert Bestände dramatisch. Was kann noch bedenkenlos eingekauft werden?    

gefangener Fisch
Quelle: zdf

55 Prozent der weltweiten Ozeanoberfläche werden inzwischen von Trawlern mit integrierter Fischfabrik in Beschlag genommen. Die befischte Fläche ist damit vier Mal größer als die landwirtschaftlich genutzte Erdoberfläche. Das belegt eine Studie vom Februar 2018. Wissenschaftler der University of California, der Universität Stanford and Dalhousie in Canada sowie von National Geographic haben die Funkdaten ausgewertet, welche die großen Schiffe im Abstand von wenigen Sekunden regelmäßig aussenden und von Satelliten empfangen werden. Vor allem der Nordatlantik, Nordwest-Pazifik sowie das Mittelmeer sind von einer Überfischung akut bedroht.

Weite Reisen für Fangflotten

China, Spanien, Taiwan, Japan und Südkorea – diese fünf Länder sind die Hauptakteure im kommerziellen Fischfang. Ihre Fangflotten sind gezwungen, immer weitere Reisen zu unternehmen, um die enorme Nachfrage zu bedienen. Die Routen reichen bis nach Südamerika und Westafrika.

Durch die modernen Fangmethoden sind die globalen Fischbestände inzwischen um bis zu 80 Prozent dezimiert. Alarmierend die Situation im Mittelmeer: Dort sind die Fischbestände zu 93 Prozent überfischt.

Die XXL-Trawler orten die großen Schwärme per Echolot, Radar oder Hubschrauber. Makrele, Sprotte und Hering werden meist mit Schleppnetzen gefangen. Die Netze, so groß wie fünf nebeneinanderliegende Fußballfelder, liefern pro Fang bis zu 500 Tonnen Fisch. Kabeljau, Seehecht, Garnele und Scholle werden mit Grundschleppnetzen gefangen. Dabei streift das Netz über den Meeresboden, durchwühlt ihn, hinterlässt große Furchen und zerstört Korallenriffe. Die Seezunge wird mit Stellnetzen gefischt, Thunfisch und Heilbutt mit Langleinen.

Viel Beifang - billiges Futter

Allen gemein ist eines: der enorm große Beifang. Bis zu 30 Millionen Tonnen sind es pro Jahr, darunter finden sich Jungfische, Schildkröten, Wale und Haie. In den prallen Netzen zu Tode gequetscht oder erstickt, wird der Beifang ins Meer gekippt oder als billiges Futter für Hühner, Schweine sowie in Fischfarmen genutzt.

"Innerhalb der EU wird seit 2015 ein sogenanntes Anlandegebot eingeführt. Es soll die verschwenderische Praxis der Rückwürfe beenden und verhindern, dass unerwünscht gefangener Fisch tot oder sterbend wieder über Bord geht. Doch es hat den Anschein, dass sich die wenigsten Fischer an das Gesetz halten" – so Stella Nemecky, Fischereiexpertin vom WWF Deutschland.

Umweltverbände und Meereswissenschaftler sprechen von einer verfehlten Fischereipolitik. "Machen die EU- Fischereiminister weiter wie bisher, werden sie das selbstgesteckte Ziel, bis 2020 für erholte, gesunde Fischbestände in EU-Gewässern zu sorgen, krachend verfehlen. Allein in der Nordsee wird derzeit fast die Hälfte der mit Fangquoten bewirtschafteten Bestände überfischt", meint Stelle Nemecky.

Aquakulturen keine Alternative

Obwohl die Aquakultur einen Beitrag gegen die Überfischung leistet, bringt sie dennoch Nachteile für Umwelt, Mensch und die Tiere mit sich. So werden die Zuchtfische in einem großen Netz oder Becken gehalten. Die Exkremente der Tiere führen häufig zu Krankheiten. Damit diese sich nicht ausbreiten, wird dem Fischfutter ein Antibiotikum in hoher Dosis beigemengt. Oftmals sind die Krankheitserreger aber resistent gegen das Medikament, so dass der Verbraucher kranke Fische isst und mit ihnen auch das Antibiotikum.

Bedenklich zudem ist die Verfütterung von Wildfischen – so bekommen Aquakulturfische Fische aus freier Wildbahn als Futter. "Das Geschäft mit Zuchtanlagen profitiert von sinkenden Wildfischbeständen und steigender Nachfrage. Aquakultur hat aber bei keiner Fischart dazu geführt, dass sich wilde Bestände erholt hätten. Die Zucht von Raubfischen die viel Wildfisch als Futter benötigen, löst natürlich keine Probleme im Meer", kritisiert der WWF.

Zwar gibt es jährlich festgelegte Fangquoten, doch sie liegen stets weit über den Empfehlungen der Meereswissenschaftler. Weltweit ist der Fang der Flotten zweimal größer als die Fischbestände vertragen können. Fischereikontrollen auf hoher See finden statt, allerdings nicht flächendeckend. Die Strafen bei Vergehen sind kein Hinderungsgrund, so weiter zu machen wie bisher.

Bewusster Fischkauf

Der Verbraucher übernimmt eine wichtige Funktion in Sachen Meeresschutz.  Er hat die Möglichkeit, die Plünderung der Ozeane zu stoppen. Denn die Nachfrage regelt das Angebot. Für den Einkauf von Speisefischen gibt es mehrere Entscheidungshilfen:

  • Aus welchen Fanggebieten kommt der Fisch?
  • Wie gefährdet ist der Bestand?
  • Welche Fangmethode wurde angewandt?
  • Trägt das Fischprodukt ein Bio- und Umweltsiegel?

Für Fisch aus Zuchten sind dies die Siegel von Bioland und Naturland sowie vom ASC (Aquaculture Stewardship Council).  Bei Wildfisch gibt Ihnen das MSC-Siegel einen Hinweis auf nachhaltige Fischerei.

Umweltschutzorganisationen wie WWF und Greenpeace bieten aktualisierte Fischratgeber an. Darin werden die einzelnen Speisefische in Kategorien eingeteilt. Diese reichen von  "Gute Wahl" über  "Zweite Wahl" und "Lieber nicht". Für den Karfreitag-Fisch gilt die aktuelle Empfehlung: Hering aus Nord- und Ostsee, sowie dem Nordatlantik, Karpfen und Scholle aus der Nordsee.    

  

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