ZDFheute

Von Öko bis BWL: Umweltstudiengänge boomen

Sie sind hier:

Klimawandel an der Uni - Von Öko bis BWL: Umweltstudiengänge boomen

Datum:

Mehr Umwelt- und Klimaschutz: Dieser Wunsch treibt junge Leute massenhaft auf die Straße - und an die Unis. Umweltstudiengänge boomen. Die Berufschancen sind dabei bestens.

Immer mehr Studienanfänger belegen auf Universitäten Studiengänge, die sich mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit auseinandersetzen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Ein Suchergebnis, das Bände spricht: 312 Ergebnisse tauchen auf, wenn man im offiziellen Studienführer für Deutschland nach dem Stichwort "Umwelt" sucht. Das sind so viele wie noch nie. Darunter sind Studiengänge wie "Umwelttechnik und Ressourcenmanagement", "Agrarökologie" oder "Umweltethik". Und tatsächlich ist auch die Nachfrage groß. Allein an der Technischen Universität Berlin sind die Bewerberzahlen für Umweltstudiengänge seit vergangenem Jahr um bis zu 30 Prozent gestiegen.

Ein Indiz dafür, dass es den Studienbewerbern nicht nur um die Aussicht auf gute Jobs mit viel Einkommen geht. Sie wollen offenbar auch etwas bewirken - für den Klima- und Umweltschutz. So jedenfalls sieht das Hannah Sachße. Sie studiert technischen Umweltschutz im Masterstudiengang an der TU Berlin. Gerade beschäftigt sie sich mit einem Projekt, bei dem Brachflächen mitten in der Stadt wieder fruchtbar gemacht werden sollen.

Kompost aus der Toilette

Studentin Hannah Sachße beim Auswerten ihrer Bodenproben.
Studentin Hannah Sachße wertet Bodenproben aus.
Quelle: ZDF

"Böden hier in Berlin und in anderen großen Städten sind oft sehr verdichtet und von Schutt und Müll durchzogen", erklärt Hannah Sachße. Ihre Aufgabe ist es, diese nach und nach mit Humus anzureichern. "Der Kompost, den wir verwenden, ist ein ganz besonderer Kompost." Er kommt aus Toiletten, die auf Berliner Festivals aufgestellt waren, und wird nun speziell aufbereitet. Das Projekt, "soll eine Möglichkeit aufzeigen, wie man Stoffkreisläufe in der Stadt schließen kann".

Solche Projekte werden immer wichtiger, glaubt Hannah Sachße. Und deshalb macht sie sich um die Zeit nach dem Studium keine Sorgen. "Generell gibt es viele Perspektiven, als technische Umweltschützerin Fuß zu fassen", sagt sie. Neben Forschungseinrichtungen würden unter anderem Unternehmen, Behörden und Ingenieurbüros Jobs anbieten.

Altes Denken umkrempeln

Keine Sorgen macht sich auch Elisa Adams. Sie studiert im dritten Semester "Nachhaltiges Management" und hat ebenfalls große Pläne. Ihr Studiengang ist der Betriebswirtschaftslehre im Grunde sehr ähnlich - mit dem Unterschied, dass für Elisa Adams nachhaltiges, also vor allem umwelt- und klimafreundliches Wirtschaften, im Fokus steht. Ihr Ziel: Sie will helfen, in der Wirtschaft altes Denken umzukrempeln. "Es muss insgesamt einen Wandel geben", sagt Elisa. "Und da ist definitiv noch viel Potenzial."

Studentin Elisa Adams in der Bibliothek.
Elisa Adams studiert "Nachhaltiges Management"
Quelle: ZDF

"Nachhaltiges Management" gehört - so wie auch "Umweltingenieur-Wissenschaften" - zu den Studiengängen, die einen klassischen Kern haben, in der neuen Variante aber einen deutlichen Bezug zu Nachhaltigkeit herstellen. Anders ist es bei Studiengängen wie "Geoökologie" oder "Umweltwissenschaften". Da steht die Umwelt im Mittelpunkt, und es sind Spezialisierungen in bestimmte Bereiche möglich. Darüber hinaus bieten manche Universitäten ein so genanntes "Studium Oecologicum" oder "Nachhaltigkeitszertifikate" an - also eine Art Zusatzqualifikation, mit der man andere Studiengänge ergänzen kann.

Immer mehr Umweltberufe

Dass sich das für die Studierenden lohnt, kann Arbeitsforscher Markus Janser vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bestätigen. "Die Anzahl der Berufe mit mindestens einem grünen Tätigkeitsinhalt ist von 2012 bis 2016 um rund 14 Prozent gestiegen." Auf der einen Seite kommen völlig neue Berufe hinzu, auf der anderen beobachtet er "auch ein Greening of Jobs. Das heißt, es gibt immer mehr klassische Berufe, die umweltschutzrelevante Tätigkeiten beinhalten", sagt Janser. Der Druck auf Unternehmen, nachhaltiger zu werden, sei gestiegen, "und entsprechend ist auch das Know-how gefordert".

Und deshalb steigt auch die Zahl der Beschäftigten stetig. Das Statistische Bundesamt hat Berufe, die mit Waren, Bau- und Dienstleistungen für den Umweltschutz zu tun haben, erfasst. Seit 2006 hat sich die Zahl der Beschäftigten in diesen Berufen fast verdreifacht. 2017 waren es rund 264.000.

Beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt also für Studierende wie Hannah Sachße und Elisa Adams. Jedenfalls solange die Rahmenbedingungen stimmen, die Zeichen also weiter auf mehr Klimaschutz stehen. Janser bleibt da aber optimistisch. "Wenn man den politischen Diskurs beobachtet und die Notwendigkeit, den Klimaschutz noch zu verstärken, ist absehbar, dass auch die entsprechenden Berufe und Fähigkeiten mehr nachgefragt werden."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.