Sie sind hier:

Studie zum Vorgehen der Länder - Essen in der Tonne: Kein einheitlicher Plan

Datum:

In Deutschland gehen pro Jahr 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel verloren. Mitverantwortlich: die Länder. Ihre Abfallwirtschaftspläne lassen laut einer Studie zu wünschen übrig.

Lebensmittel in der Mülltonne
Lebensmittel in der Mülltonne
Quelle: dpa

Von der Landwirtschaft über die Nahrungsmittelindustrie, den Handel, die Gastronomie und Betriebsküchen bis hin zu den privaten Haushalten - während der Produktions- und Lieferkette landen viel zu viele Nahrungsmittel in der Mülltonne. Jährlich werden 2,6 Millionen Hektar Ackerflächen bewirtschaftet, nur um die darauf angebauten Produkte wieder wegzuwerfen.

Der WWF Deutschland und das Institut für nachhaltige Ernährung der Fachhochschule Münster haben gemeinsam eine Analyse durchgeführt, und sie stellen fest: In den  Bundesländern wird das Thema Lebensmittelverschwendung ganz unterschiedlich angegangen.

"Deutschland hat sich verpflichtet bis 2030 die Lebensmittelverschwendung zu halbieren. Bisher ist es bei dieser vollmundigen Ankündigung geblieben. Wir brauchen ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen, um den Bundesländern einen Handlungsrahmen zu geben", kritisiert Jörg-Andreas Krüger vom WWF Deutschland. Die Analyse stuft die Bundesländer hinsichtlich ihres Engagements und ihre Umsetzung von Müllvermeidungsstrategien in drei Kategorien:   

Die Pioniere

Auf dem richtigen Müllvermeidungsweg sind fünf Bundesländer. Das sind Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Diese Länder haben schon vor vielen Jahren damit begonnen, Strategien zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung in ihren Abfallwirtschaftsplänen zu verankern. Zwei Beispiele aus Nordrhein-Westfalen: Das Bundesland hat einen "Runden Tisch" eingerichtet. An diesem sitzen Vertreter aus der Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Gastwirtschaft, den Betriebsküchen sowie Bildungseinrichtungen. Sie alle sprechen sich ab, damit während der Produktkette so wenig wie möglich Ausschussware entsteht.

Damit etwa Molkereiprodukte rechtzeitig vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) verbraucht werden, bietet sie der Handel zu reduzierten Preisen an. Zudem haben einige Discounter ihre Bestellverfahren umgestellt. Mit Hilfe moderner Prognosesysteme inklusive Wettervorhersage sorgen die Discounter nun dafür, dass sie bedarfsgerecht beliefert werden. Folge: Die Lebensmittelmüllberge schrumpfen. 

Mittelfeld und Nachzügler

Berlin, Brandenburg, Hessen, Saarland und Schleswig-Holstein setzen sich mit der Thematik Lebensmittelverschwendung noch nicht sehr lange auseinander. Ihre Maßnahmen basieren meist nur auf Öffentlichkeitsarbeit - was aber nicht ausreicht, um das Problem wirklich zu lösen.

Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hinken weit hinterher. Die Bundesländer haben sich erst seit Kurzem auf den Müllvermeidungsweg gemacht, ihre bisherigen Aktivitäten sind nicht nennenswert.

Verankerung in Gesetzen notwendig

Tanja Dräger de Teran vom WWF ist Co-Autorin der neuen Studie. Sie leitet aus den Ergebnissen eine politische Forderung ab: "Hier braucht es ein stärkeres Engagement als bisher." Heißt also, dass alle Bundeländer in ihren Abfallwirtschaftsplänen verbindliche Maßnahmen und Reduktionsziele verankern müssen.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft rückt das Problem seit dem Jahr 2016 mit dem jährlichen Bundespreis "Zu gut für die Tonne!" in den Focus. Damit wird vorbildliches Engagement gegen Lebensmittelverschwendung in den Kategorien Landwirtschaft und Produktion, Handel, Gastronomie sowie Gesellschaft und Bildung ausgezeichnet. "Die Preisträger tragen mit ihren beeindruckenden Ideen und zukunftsweisenden Innovationen zu unserem Ziel bei, Lebensmittelabfälle deutlich zu reduzieren. Alle eingereichten Projekte, die der Preisträger und Nominierten, zeigen viel Kreativität und Engagement. Das zeigt mir, dass das Thema Lebensmittelverschwendung längst in der Gesellschaft angekommen ist", sagte Bundesministerin Julia Klöckner anlässlich der Preisverleihung vor ein paar Tagen in Berlin. Doch das reicht nicht aus, um die Lebensmittelverluste effektiv zu reduzieren.   

Großbritannien und Irland setzen ein Signal: Durch ein straff organisiertes Müllkonzept wurde die Lebensmittelverschwendung innerhalb von drei Jahren um elf Prozent reduziert. Dadurch ließen sich auch Kosten in Höhe von rund 70 Millionen Euro einsparen. Und die Niederlande wollen nachziehen. Mit ihrem ambitionierten nationalen Abfallprogramm wollen sie die Lebensmittelverschwendung bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent reduzieren.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.