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Langer Namensstreit - Griechisch-mazedonisches Tauwetter

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Seit über 25 Jahren streiten Athen und Skopje um den Namen Mazedonien. Heute bittet ein UN-Vermittler zum Gespräch. Bei einem Erfolg wäre Mazedoniens Weg in NATO und EU frei.

Alexander der Große auf dem Brunnen in Skopje - ist er nun ein mazedonischer und/oder ein griechischer Nationalheld?
Alexander der Große auf dem Brunnen in Skopje - ist er nun ein mazedonischer und/oder ein griechischer Nationalheld? Quelle: dpa

Es könnte ein historischer Moment werden: Heute treffen sich griechische und mazedonische Vertreter vor den Vereinten Nationen, um endlich den jahrzehntelangen Namensstreit zwischen den Nachbarstaaten beizulegen. Der Konflikt begann 1991 mit der Unabhängigkeit der jugoslawischen Teilrepublik unter dem Namen Republik Mazedonien. Dieser Name löste in Griechenland erheblichen Widerspruch aus. Athen fürchtete Gebietsansprüche des neuen Staates auf die nordgriechische Region Makedonien.

Hoffnung durch neue mazedonische Regierung

Nationalistische Gruppen auf beiden Seiten verhinderten seitdem eine Lösung. So ließen mazedonische Nationalisten Karten drucken, auf denen die griechische Region rund um Thessaloniki Teil eines neuen "Groß-Mazedoniens" ist. Nachdem die Verhandlungen seit 2014 stillstanden, gibt es nun wieder Hoffnung auf einen Kompromiss. Als neuer Name für den Balkanstaat steht "Nord-Mazedonien" im Raum. Doch wieso scheint gerade jetzt eine Lösung möglich?

"Der wichtigste Wandel ist die neue mazedonische Regierung", erklärt Florian Bieber, Professor für südeuropäische Geschichte und Politik an der Universität Graz. Während die vorherige national-konservative Regierung vor allem an einer Eskalation des Konflikts interessiert war, setzt sich der neue sozialdemokratische Ministerpräsident Zoran Zaev für eine Lösung ein. "Die Sozialdemokraten erkennen, dass eine Lösung notwendig für den EU- und NATO-Beitritt ist", sagt Bieber. Gegen den Beitritt Mazedoniens zu diesen Organisationen hatte Griechenland bisher immer ein Veto eingelegt. 

Tsipras braucht einen Erfolg

Und auch die griechische Seite muss sich bewegen. Nach dem erneuten Scheitern der Zypern-Gespräche benötigt die griechische Regierung dringend einen außenpolitischen Erfolg. "Ministerpräsident Alexis Tsipras will seinen westlichen Partnern zeigen, dass er zur Stabilität in der Region beiträgt", erklärt Dušan Reljić, Experte für Südosteuropa bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).

Die europäischen Staaten haben großes Interesse daran, Mazedonien nach der letztjährigen Regierungskrise weiter zu stabilisieren. Das will man vor allem durch einen NATO-Beitritt in diesem Jahr erreichen. Nicht zuletzt spielen auch wirtschaftliche Vorteile eine wichtige Rolle. Griechenland bekäme einen besseren Zugang zum Balkan, Mazedonien würde der Handel über den Hafen in Thessaloniki erleichtert werden.

Stolpersteine auf dem Weg zur Lösung

Trotz des günstigen Moments für eine Einigung warnt Bieber: "Es wird sicherlich nicht einfach werden." Es gebe auf beiden Seiten Gruppen, die eine Lösung verhindern wollen. In Griechenland könnte vor allem der kleinere Koalitionspartner, die rechtspopulistische Partei "Unabhängige Griechen", zum Problem werden. Dieser hatte bisher immer abgelehnt, einen Namen mit dem Wort Mazedonien zu akzeptieren. Und auch die griechisch-orthodoxe Kirche äußerte sich in dieser Woche skeptisch gegenüber einem solchen Kompromiss.

Karte
Quelle: ZDF

Auf mazedonischer Seite könnte Ministerpräsident Zaev ein Versprechen aus dem Wahlkampf zum Verhängnis werden. Zaev hatte seiner Bevölkerung ein Referendum über einen neuen Namen in Aussicht gestellt. Die national-konservative Opposition würde vor einer solchen Abstimmung massiv gegen eine Namensänderung mobilisieren.

EU muss Beitrittsverhandlungen aufnehmen

Bieber zufolge müsse die Änderung eng mit dem NATO- und EU-Beitritt verknüpft werden: "Die mazedonische Bevölkerung muss sehen, dass ein Ja belohnt wird", sagt der Grazer Professor und fordert die EU auf, im Falle einer Einigung zügig Beitrittsverhandlungen mit Mazedonien aufzunehmen.

Die Büroleiterin der Böll-Stiftung in Thessaloniki, Olga Drossou, hofft sehr auf eine Lösung - und ist damit nicht allein: "Menschen auf beiden Seiten wünschen sich endlich eine Normalisierung der Beziehungen", sagt Drossou. Sie will sich nicht auf eine Prognose festlegen, "aber es sieht im Moment ganz gut aus".

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