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NATO-Manöver zu WM-Beginn - Mit "Säbelhieb" die "Suwalki-Lücke" schließen

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Mit dem seit Wochen andauernden Manöver übt die NATO an seiner größten Schwachstelle: der Lücke zwischen Litauen und Polen.

Schüsse sind zu hören auf der anderen Seite der Memel. Immer wieder Artilleriefeuer, sekundenlang. Qualm steigt auf, Panzer rollen davon. Der Feind ist zurückgedrängt, jetzt sollen Truppen und Panzer nachrücken und die Memel überqueren. Keine halbe Stunde dauert es, bis die mobile Amphibien-Brücke errichtet ist und tonnenschwere Panzer den Fluss überqueren.

Trotz der Feierstimmung bei der Fußball-WM: die Spannungen zwischen Russland und der NATO-Staaten bleiben. Das Verteidigungsbündnis setzt dabei auf militärische Abschreckung und führt derzeit Manöver im Baltikum durch.

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Es ist die Szenerie eines plötzlichen Angriffs, den abzuwehren die NATO in Litauen probt. Der Gegner ist ein fiktiver, aber wer gemeint ist, ist klar: knapp 50 Kilometer sind es vom Memelufer nahe Kaunas bis zur hochgerüsteten russischen Exklave Kaliningrad.

Strategische Schwachstelle: "Suwalki-Lücke"

Mit der seit Wochen andauernden Großübung "Saber Strike", übersetzt "Säbelhieb", übt das Bündnis an seiner größten Schwachstelle: der sogenannten "Suwalki-Lücke": ein Korridor im litauisch-polnischen Grenzgebiet von gerade einmal 65 Kilometer Breite. Im Westen Kaliningrad, im Osten Russlands Verbündeter Weißrussland. Im Ernstfall, so sagen Experten, wäre das Baltikum leicht vom Rest des NATO-Gebiets abzuschneiden, die russische Armee den NATO-Truppen haushoch überlegen. "Ein möglicher Gegner, nennen wir ihn Russland, hätte hier strategische Vorteile", sagt der deutsche Divisionskommandeur Jürgen-Joachim von Sandrart.

Während sich Putins Russland im Glanz der Fußball-WM sonnt, macht die NATO mit ihrer Großübung deutlich, wen sie für die Bedrohung hält. 18.000 Soldaten umfasst das Manöver, 19 Nationen sind beteiligt, über vier Länder erstreckt sich die Übung.

Fast 600 Bundeswehr-Soldaten

Die Bundeswehr ist mit fast 600 Soldaten an "Saber Strike" beteiligt und führt in Litauen die NATO-Truppen an, die unter dem Eindruck von Putins Krim-Annexion und Ukraine-Krise zur Verstärkung der NATO-Ostflanke ins Baltikum und nach Polen geschickt wurden. "Ich kann das Bedrohungsgefühl durchaus nachvollziehen", sagt Manfred Hofmann, Kommandierender General des Multinationalen Korps Nord-Ost in Stettin. Immer wieder hat Putin angekündigt, die Rechte der russischen Minderheit in den baltischen Ländern zu verteidigen. Viele fühlen sich damit an den Beginn der Destabilisierung der Ostukraine erinnert.

Die hybride Kriegsführung Russlands von "grünen Männchen", die sich als russische Soldaten entpuppten, bis zu bewusst verbreiteten Falschmeldungen in sozialen Netzwerken und Propagandaseiten des Kremels stellt die Armeen des Baltikums und der dort zur Verstärkung angesiedelten NATO-Truppen vor völlig neue Herausforderungen. "Auch wir erleben das hier immer wieder", erzählt General Manfred Hofmann.

Europas Grenzen als Problem fürs Militär

Vier Batallione hat die NATO an ihre Ostflanke geschickt, um Abschreckung und Verteidigung sicherzustellen, eins davon geführt von der deutschen Bundeswehr. Nach Jahren der "out-of-area-Einsätze" in Ländern wie Afghanistan ein rasanter Strategiewechsel zurück zur klassischen Bündnisverteidigung. Bei der Bundeswehr in Litauen ist zu besichtigen, was das bedeutet. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem Gastgeberland ist Ziel der Übungen. Auch die schnelle Verlegung von Truppen innerhalb Europas: immer wieder scheitern Konvois an kautten Straßen, maroden Brücken oder zu viel Bürokratie. Ein "Schengen-System" fürs Militär ist noch in weiter Ferne.

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Auf den Übungsplätzen der NATO im Baltikum mischen sich die Sprachen wild durcheinander. Deutsche, Franzosen, Niederländer, Portugiesen, sogar Isländer sind gekommen, um mit Bündnispartnern wie Litauen und Polen zu üben. Am Abend ist das Thema der Soldaten gesetzt: gemeinsames Schauen des WM-Eröffnungsspiels - in dem Land, das morgens noch der fiktive Gegner der Übung war.

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