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Großes Nato-Manöver - Nerventest in Norwegens Fjorden

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"Ein Signal der Abschreckung" nennt Nato-Generalsekretär Stoltenberg das laufende Großmanöver in Norwegen. Die Allianz will Russland gegenüber Stärke demonstrieren.

Nato-Manöver am 31.10.2018 in Trondheim (Norwegen) Norwegen
Nato-Manöver in Norwegen
Quelle: Reuters

Um 12.45 Uhr ist der Trondheimfjord erobert. Aus der Luft beginnt das Landungsmanöver, um den Küstenstreifen zu sichern. Marinekräfte rücken nach, schließlich brechen Bodentruppen den letzten Widerstand. Kräfte des "Nordens" gegen Kräfte des "Südens" – so schlicht lautet das Szenario, das sich die Nato-Planer für die große Live-Übung in Norwegen ausgedacht haben. Im Rahmen des Manövers "Trident Juncture" demonstrieren 3.000 Nato-Soldaten vor Prominenz und Kameras aus aller Welt ihr militärisches Können. Auch die Bundeswehr ist beteiligt.

Größtes Manöver seit Ende des Kalten Krieges

Wir erleben ein offensiveres Russland, das massiv in moderne Ausrüstung investiert hat.
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg

Über viele Wochen geht das Manöver der Nato, das das größte des Bündnisses seit Ende des Kalten Kriegs ist. Mag das Planspiel auch mit fiktiven Fronten arbeiten, seit der Krim-Annexion 2014 macht die Nato keinen Hehl daraus, auf welchen Aggressor sie sich mit Übungen wie "Trident Juncture" einstellt. "Wir erleben ein offensiveres Russland, das massiv in moderne Ausrüstung investiert hat: in die ganze Breite von konventionell bis nuklear", sagt Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg im ZDF-Interview. "Zudem hat Russland militärische Gewalt gegen seine Nachbarn eingesetzt."

Es ist das größte aller Szenarien, das die Nato in Norwegen probt: der Bündnisfall. Wird ein Nato-Mitglied angegriffen, springen ihm alle Bündnispartner bei, so die Idee. Mit der Krim-Annexion und Russlands Gebaren in der Ost-Ukraine ist in den baltischen Staaten und in Polen die Angst vor russischer Aggression gewachsen. Mit ihrer neuen Mischung aus Abschreckung und Dialog versucht die Nato dem gerecht zu werden. Vor allem die neue Elite-Truppe des Bündnisses, die schnelle Eingreiftruppe, soll eine Antwort auf das neue Sicherheitsumfeld der Nato geben.

8.000 Bundeswehr-Soldaten dabei

Wir haben hier nachgewiesen, dass wir innerhalb von sieben Tagen einsatzbereit sind.
Heeresinspekteur Jörg Vollmer

Weil die Bundeswehr im nächsten Jahr die Führung der Speerspitze übernimmt, ist Norwegen der letzte Test dafür. Mit über 8.000 Soldaten ist Deutschland bei "Trident Juncture" vertreten und nach den USA zweitgrößter Truppensteller der Übung. Generalleutnant Jörg Vollmer, Inspekteur des Heeres, sieht die Bundeswehr für die prominente Aufgabe im nächsten Jahr gerüstet: "Wir haben hier nachgewiesen, dass wir innerhalb von sieben Tagen einsatzbereit sind. Ab Januar stehen wir dann in ständiger Bereitschaft und können jederzeit verlegen."

Mit ihrer großen Präsenz in Norwegen will die Bundeswehr auch Nato-internen Kritikern wie Donald Trump Wind aus den Segeln nehmen. Der US-Präsident überzieht die Bundesregierung seit Jahren mit der Kritik, zu wenig für die kollektive Verteidigung zu leisten. In Berlin findet man das ungerecht angesichts der vielen Einsätze, an denen sich die Bundeswehr beteiligt.

Kreml sieht in Manöver eine Provokation

Was für die einen notwendiges Training ist, ist für die anderen überflüssige Provokation: Russland kritisiert die Nato für ihr Großmanöver im Nachbarland Norwegen. Mitten in die Übung platzt die Nachricht der russischen Marine, diese Woche Raketentests genau in der Gegend vor Norwegens Westküste abhalten zu wollen, wo auch die Nato gerade probt. Russland hält sich dort in internationalen Gewässern auf, rückt der Nato aber hier auf den Leib. Keine echte Gefahr, aber als kleine Provokation gedacht. "Wir zählen auf Russlands Professionalität", sagt Jens Stoltenberg lakonisch. Solche Volten gehören zum Ritual, seit Jahren sind Übungen und Gegen-Übungen die Art, wie Russland und Nato miteinander kommunizieren.

Damit senden wir ein Signal der Abschreckung.
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg

Vor allem die Wucht der Zahlen ist die Botschaft der Nato. 50.000 Nato-Soldaten sind zwischen Oslo und Trondheim im Einsatz, 250 Kampfflugzeuge, 65 Kriegsschiffe, 10.000 Panzer und Fahrzeuge. Über 30 Nationen sind in Norwegen versammelt. "Damit senden wir ein Signal der Abschreckung", sagt der Nato-Generalsekretär. "Wir tun das, nicht um einen Konflikt zu provozieren, sondern um ihn zu verhindern."

Russische Militärbeobachter eingeladen

Zuletzt hatte Russland mit angeblich über 300.000 Soldaten im September seine Großübung "Wostok" abgehalten. Nato-Beobachter waren nicht eingeladen. Das ist bei "Trident Juncture" anders: Zwei russische Militärbeobachter sind vor Ort und werden von Nato-Offizieren über jeden Teil des Manövers informiert. Mit Hubschraubern kreisen sie über dem Fjord und können sich ein Bild aus der Luft machen. Dass sich Russland und Nato hier nun ganz nahe kommen, gehört zum Spiel beider Seiten. So ist "Trident Juncture" nicht nur ein Leistungs-, sondern auch ein Test der Nerven – auf beiden Seiten.

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