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Manöver "Saber Strike" - Militärische Machtdemonstration in Osteuropa

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Die Dimension ist beachtlich, der Hintergrund ernst: 18.000 Soldaten aus 19 Ländern üben die militärische Verteidigung des Baltikums. Denn dort hat man Angst vor Russlands Militär.

US-Militärkonvoi überquert Grenze nach Tschechien
US-Militärkonvoi überquert am 29.05.2018 Grenze nach Tschechien um an der Großübung "Saber Strike" in Polen und dem Baltikum teilzunehmen.
Quelle: dpa

Litauens Regierung bereitet die eigene Bevölkerung schon seit 2016 auf eine mögliche Invasion Russlands vor: Die Bürger sollen Widerstand leisten, heißt es in einem 75-seitigen Handbuch, das vor zwei Jahren veröffentlich worden ist und die Bevölkerung auf den Kriegsfall vorbereiten soll.

2015 führte das NATO-Mitglied Litauen bereits die Wehrpflicht wieder ein. Litauen liegt in unmittelbarer Grenznähe zur höchstmilitarisierten russischen Exklave Kaliningrad. Russland stationiert dort ballistische Raketen des Typs Iskander.

NATO stark involviert

Seit der Annexion der Krim und Kämpfen in der Ostukraine ist das Sicherheitsgefüge in Mittelosteuropa durcheinander geraten. So rüsten auch die übrigen NATO-Staaten an der Ostflanke auf: Polen lässt Reservisten wieder trainieren und rekrutiert Freiwillige zum Wehrdienst, in Lettland sollen Studenten an der Waffe ausgebildet werden und in Estland organisieren sich 20.000 Bürger in freiwilligen Verteidigungsverbänden. Zu frisch ist die Erinnerung im Baltikum, Teil der Sowjetunion gewesen zu sein, und in Polen, unter dem Druck der Sowjetunion gelebt zu haben.

Auch die NATO unterstützt die Verbündeten Polen, Litauen, Lettland und Estland. Seit gut einem Jahr stationiert das Bündnis Truppen in der Region. Je 1.000 Soldaten in den vier Ländern. Offiziell ist es keine dauerhafte Militärpräsenz, denn die entsendeten Verbände werden im Halbjahres-Turnus ausgetauscht.

Bundeswehr führt in Litauen

In Litauen übernahm die Bundeswehr die Führung der Ostflankenverstärkung. Bundesaußenminister Heiko Maas sicherte seinen baltischen Kollegen erst vor drei Wochen bei einem gemeinsamen Treffen zu, dass sich Deutschland weiterhin am NATO-Einsatz im Baltikum beteiligen wird. Dem Wunsch der baltischen Außenminister, die Truppen aufzustocken, lehnte er jedoch ab.

Seit einigen Tagen rollen schwere Militärtransporte durch Deutschland. Es ist eine temporäre Verlegung von Soldaten und militärischen Gerät nach Polen und in die baltischen Staaten. An diesem Sonntag beginnt dort die Großübung "Saber Strike" mit 18.000 Soldaten. Auch die in Litauen stationierte Bundeswehr nimmt an dem Training teil. In der Luft, zu Land und zu Wasser werden sich die Verbündeten auf einen möglichen Ernstfall vorbereiten. "Saber Strike" ist Teil einer ganzen Reihe von Übungen, die regelmäßig in der Region abgehalten werden. Sie tragen Namen wie "Noble Jump", "Iron Wolf" oder "Swift Response".

Auch Russland zeigt militärische Stärke

Auch die andere Seite demonstriert ihre Kraft: Russland hielt im vergangenen Herbst das Großmanöver "Sapad" in Russland und Weißrussland ab. Offiziell nahmen knapp 13.000 russische und weißrussische Soldaten an dieser Übung teil.

Bundesverteidigungsministerin von der Leyen schätzte jedoch, dass 100.000 Mann aktiv an "Sapad" beteiligt waren. Russland kämpfte im Rahmen dieser Übung gegen die fiktiven Länder Wejsznoria, Wesbaria und Lubenia. Die fiktiven Länder befanden sich teilweise auf dem Territorium Polens, Litauens und Lettlands.

Putin wünscht sich Sowjetunion zurück

In einem Punkt sind sich Russland und die NATO einig: Die eigenen Übungen haben jeweils defensiven Charakter. Unruhe an der NATO-Ostflanke stiften aber Aussagen wie jene vom Jahresbeginn: Präsident Wladimir Putin beantwortete während eines Wahlkampfauftrittes in Kaliningrad eine Frage aus dem Publikum, welches Ereignis er in der russischen Geschichte am liebsten rückgängig machen würde, kurz und knapp: "Den Zerfall der Sowjetunion." Ein Ende der beidseitigen Machtdemonstrationen in Mittelosteuropa ist somit noch lange nicht in Sicht.

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