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Indien investiert in Nachbarland - Nepal bekommt seine erste moderne Zugstrecke

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Nepal, das Dach der Welt, ist naturgemäß schwer zu erreichen. Doch das Land mit den höchsten Bergen profitiert nun vom Wettstreit seiner beiden großen Nachbarn.

Einheimische Arbeiter bei Gleisarbeiten in Nepal am 29.11.2018.
Einheimische Arbeiter bei Gleisarbeiten in Nepal.
Quelle: ap

Die glänzenden neuen Bahngleise führen über eine Strecke von 34 Kilometern von Janakpur im Südosten von Nepal bis nach Jay Nagar im indischen Unionsstaat Bihar. Es ist die erste moderne Schienenstrecke in dem kleinen Himalaya-Staat. Und sie ruft Indien und China auf den Plan, die um den Einfluss in Nepal konkurrieren: Die beiden asiatischen Giganten wittern in der neuen Eisenbahn lukrative Geschäftschancen.

Hinter dem Bau verbirgt sich der jüngste Versuch Indiens, seinen Einfluss in Südasien zu wahren. China investiert unterdessen Milliarden im Rahmen seines oft als neue Seidenstraße bezeichneten Mega-Infrastrukturprojekts, mit dem der Handel über einen riesigen Bogen aus 65 Ländern vom Südpazifik bis nach Afrika und Europa ausgeweitet werden soll.

Hunderte Nepalesen besuchen täglich die Baustelle des neuen Bahnhofs in Janakpur, um die Fortschritte zu bestaunen. Arbeiter polieren die Marmorböden, legen Fliesen am Bahnsteig und bemalen die Wände des Warteraums. Einer der Besucher ist der 62-jährige Bauer Biswombar Sah. "Diese Bahnschienen sind das Beste, was uns seit langem passiert ist", schwärmt er. "Wir sind total begeistert darüber, dass wir einen modernen Zug bekommen, der das Reisen so viel einfacher und billiger machen wird."

Sobald die 80 Millionen Dollar (ca. 70 Millionen Euro) teure Bahnlinie in Betrieb geht, ist auch schon eine Verlängerung weiter nach Nepal hinein geplant. Bisher sind Jay Nagar und Janakpur nur über eine staubige Piste miteinander verbunden, die durch die Dörfer dazwischen führt. Der Weg wird vor allem für den Transport von Gütern des täglichen Bedarfs auf Motorrädern oder Kleinlastwagen benutzt.

Historische Bahn stellte 2014 Betrieb ein

Die Briten bauten während ihrer Kolonialherrschaft in Indien 1937 eine Schmalspurbahn, um Holz aus Nepal abzutransportieren. Doch die Bahn mit ihren drei rostigen Waggons, Fenstern ohne Scheiben, fehlenden Türen und unzuverlässigem Service - die Lok fiel oft tagelang aus - stellte 2014 den Betrieb ein.

Der Restaurantbesitzer Naresh Chandra Jha gehört zu den vielen Bewohnern Janakpurs, die in der neuen Eisenbahn ein Geschenk des Himmels sehen. Er spekuliert darauf, künftig mehr Pilger begrüßen zu können und durch niedrigere Transportkosten für seine Lieferungen Geld zu sparen. "Das ist das größte Ereignis für Janakpur", sagt er. "Es wird ein großer Beitrag zur Entwicklung sein und die Zahl der Pilger erhöhen."

Wichtige Verbindung für Passagiere und Güter

Karte von Nepal und Kathmandu
Nepal - eingekeilt zwischen Indien und China
Quelle: ZDF

Binod Ojha, der das Projekt von einem provisorischen Büro am neuen Bahnhof aus beaufsichtigt, erklärt, dass auf der neuen Gleisstrecke größere Züge mit mehr Passagieren werden fahren können als die alten Bahnen. Neben Zehntausenden Hindu-Pilgern können die Züge auch wichtiges Frachtgut transportieren. Das Binnenland Nepal importiert sein gesamtes Öl, Nahrungsmittel und andere Güter aus Indien, das zwei Drittel des Außenhandels ausmacht. "Sobald die Züge den Betrieb aufnehmen, werden die Menschen von hier bis nach Neu-Delhi oder sogar Südindien reisen können. Wir werden gut angebunden sein", sagt Ojha. "Sobald die Züge anfangen, all diese Dinge aus Indien zu bringen, werden die Kosten natürlich sinken. Unsere täglichen Ausgaben werden viel geringer sein."

Als Heimat des Mount Everest und weiterer Gipfel auf dem Dach der Welt verfügt Nepal nur über ein sehr begrenztes Straßennetz. Politiker versprechen seit Jahren, neue Bahnlinien in dem gebirgigen Land zu bauen. China und Indien wetteifern um die Baurechte, was die Arbeiten an der indisch-finanzierten Verbindung Janakpur-Jay Nagar beschleunigte.

Trotz großer Hoffnungen und Erwartungen ist unklar, wann genau der Personenverkehr starten wird. Eigentlich sollte der indische Ministerpräsident Narendra Modi die Strecke während eines Hindu-Festivals im Dezember mit einer Zugfahrt nach Janakpur einweihen. Der Termin wurde aber abgesagt.

Indien will Chinas Einfluß eindämmen

Indien hat wirtschaftlich, sozial und kulturell traditionell großen Einfluss auf Nepal. Es umgibt das Nachbarland an drei Seiten und hat offene Grenzen. Doch in jüngster Zeit beobachtet die Führung des größten demokratischen Lands der Welt mit Unbehagen eine Neigung Nepals in Richtung Chinas. Indien ist entschlossen, dem etwas entgegenzusetzen.

Indien hatte 1950 maßgeblich zum Aufbau der Demokratie in Nepal und 1990 zur Rückkehr beigetragen. Damals zwang ein Volksaufstand den König, seine autokratische Macht aufzugeben und ein Mehrparteiensystem einzuführen. Doch bei den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr gewannen die Kommunisten die Mehrheit. Während eines Besuchs in Peking unterzeichnete der nepalesische Ministerpräsident Khadka Prasad Oli kürzlich ein Abkommen zur Prüfung möglicher Zugverbindungen von der Hauptstadt Kathmandu an die chinesische Grenze im Norden und in anderen Teilen des Landes. China baut in dem Nachbarland zudem gerade zwei Flughäfen, Autobahnen, Stadtstraßen, Wasserkraftwerke und eine Zementfabrik. Auch Indien hat in Wasserkraftanlagen und Infrastruktur investiert, eine Schienenverbindung von Kathmandu an die indische Grenze soll ebenfalls geprüft werden.

China will acht Milliarden Dollar in Nepal investieren

China greift allerdings deutlich tiefer in die Tasche: Die Volksrepublik versprach Nepal auf einer Investorenkonferenz im vergangenen Jahr acht Milliarden Dollar, im Vergleich zu 317 Millionen Dollar von der indischen Seite. Nepal profitiere in jedem Fall von der Rivalität, bilanziert der Sprecher der nepalesischen Investitionsbehörde, Uttam Wagle.

Die schon gebaute Bahnlinie ab Janakpur dürfte im Konkurrenzkampf zunächst Indien stärken. Was Züge angehe, sei das Land gegenüber China sowieso im Vorteil, erklärt der unabhängige Analyst Dhruba Hari Adhikary aus Kathmandu: Denn die nepalesische Grenze zu China sei gebirgig, wohingegen die zu Indien in einer Ebene liege.

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