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Plastische Chirurgie - Nepal: Ein deutscher Arzt hilft

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Nepal - traumhaftes Himalaja-Panorama und katastrophale Zustände: unwegsames Gelände, keine Krankenversicherungen, Menschen in Not. Ein deutscher Arzt hilft vor Ort.

In Nepal befindet sich nur eine einzige Spezialklinik für plastische Chirurgie. Fast alle Patienten sind arm und werden kostenlos behandelt. Eine Hilfsorganisation aus Deutschland hat die Klinik gegründet und betreibt sie mit Spenden.

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Seit zehn Monaten liegt die 18-jährige Amita nun schon im Krankenhaus. Ein explodierender Kerosinkocher hat all ihre Zukunftspläne zerstört. Unter ihrer Kleidung verbergen sich schwerste Verbrennungen, nur ihr Gesicht blieb unversehrt. Zahlreiche Operationen hat sie schon hinter sich. André Borsche, plastischer Chirurg aus Bad Kreuznach ist betroffen, als er die Fotos sieht, und fragt nach ihren Angehörigen.

Amita hat kurz vor dem Unglück geheiratet, berichtet sein nepalesischer Kollege, ihr Mann habe sie aber in all der Zeit noch kein einziges Mal besucht. "Er muss viel arbeiten", sagt die junge Frau, und lächelt entschuldigend. Die ungeheure Duldsamkeit dieser freundlichen Menschen, ihre Bescheidenheit und ihre stille Dankbarkeit - das fällt dem deutschen Arzt bei dieser ersten Visite besonders auf. Niemand weint, niemand beklagt sich, sogar die Kinder sind mucksmäuschenstill. "Das sind so schöne Menschen, und die sind immer fröhlich, und wenn man dann die Verbände aufmacht, dann kriegt man einen furchtbaren Schreck", sagt André Borsche.

Wissen einbringen

Zusammen mit Kollegen von der Hilfsorganisation Interplast ist er für einige Tage nach Nepal gereist, um sich hier mit seinem Wissen einzubringen und zu operieren. Ein ehrenamtlicher Einsatz in einem der ärmsten Länder der Welt. Krankenversicherungen gibt es in Nepal nicht. Die staatlichen Bemühungen konzentrieren sich auf eine Basisversorgung. Fast alle Patienten in diesem Krankenhaus brauchen Therapien, die weit darüber hinausgehen. Niemand hier könnte sich das leisten, deshalb ist die Behandlung kostenlos.

Das Sushma Koirala Memorial Hospital in Nepal
Das Sushma Koirala Memorial Hospital in Nepal Quelle: ZDF

Das Sushma Koirala Memorial Hospital in Nepal liegt 20 Kilometer von Kathmandu entfernt und ist die einzige Klinik für Rekonstruktive Plastische Chirurgie im Land. Den Grundstein hat vor ziemlich genau 20 Jahren Interplast Gründer Gottfried Lemperle gelegt. Noch immer wird die Klinik von deutscher Seite gesteuert und mit Spenden finanziert, werden einheimische Ärzte und Schwestern von Interplast zur Ausbildung nach China, Russland oder Indien geschickt, reisen mehrfach im Jahr deutsche Spezialisten wie André Borsche an, um ihr Fachwissen an die einheimischen Kollegen weiter zu geben.

Hilfe zur Selbsthilfe

Das Ziel war von Anfang an Hilfe zur Selbsthilfe. Seit 2008 leitet ein nepalesischer Arzt den medizinischen Betrieb, und irgendwann, so hoffen die Deutschen, können sie sich ganz zurückziehen. Anders als bei ihren Hilfseinsätzen in Afrika oder Südamerika finden die Plastischen Chirurgen hier eine Klinik vor, deren Standard es mit deutschen Krankenhäusern aufnehmen kann. Hightech in den beiden Operationssälen, dem Aufwachraum und der kleinen Intensivstation für Verbrennungsopfer.

Stück für Stück wurde die Ausstattung im Laufe der Jahre perfektioniert. Nicht nur was das Hospital anbelangt - auch die eigene Wasserversorgung, das biologische Klärwerk, die Müllverbrennungslage, die Sonnenkollektoren oder das Blockheizkraftwerk setzen Maßstäbe.

Wertvolle Ausrüstung im Gepäck

Auch bei diesem Besuch hat André Borsche wertvolle Ausrüstung im Gepäck - zwei Vakuum-Pumpen, mit denen die vielen Wundheilungsstörungen behandelt werden können. Vor allem Patienten aus den entlegenen Bergdörfern suchen oft dann erst Hilfe, wenn sich ihre Verletzungen schon infiziert haben. Um ins Krankenhaus zu gelangen nehmen sie dann tagelange Fußmärsche auf sich oder werden von ihren Verwandten getragen.  

Dr. André Borsche mit Patienten
Dr. André Borsche vor dem Krankenhaus mit seinen Patienten Quelle: Dr. André Borsche

Eine der beiden Vakuum-Pumpen kommt gleich am zweiten Tag bei einer 24-jährigen jungen Frau zum Einsatz. Sarita Chaudhary hat Schreckliches erlebt. Mit ihren langen Haaren geriet sie in eine Erntemaschine und wurde praktisch skalpiert. Operationen in einer anderen Klinik misslangen, erst hier können ihr die Ärzte helfen.

Mehrstündige Operation

Die Vakuum Pumpe erzeugt einen Unterdruck. Durch den Sog wird die Bildung von neuem Gewebe auf dem Schädelknochen gefördert. Später kann darauf dann Haut transplantiert werden. Der Eingriff gelingt, und Sarita darf hoffen, dass sie in ein paar Wochen in ihr kleines Dorf an der indischen Grenze zurückkehren kann.

In vier Tagen führen die deutschen Ärzte über 30 zum Teil mehrstündige Operationen durch. Komplikation gibt es keine. Bei der letzten Visite hat André Borsche eine besondere Überraschung für Sarita: "Wir werden ihr eine wundervolle Perücke schenken", sagt er. "Sie darf sich die Beste und Teuerste und Schönste aussuchen, die es gibt." Der nepalesische Kollege übersetzt und Sarita strahlt über ihr ganzes Gesicht.

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