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"Fridays For Future" - Neubauer: "Die Leute eiern rum"

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"Unterm Strich passiert kaum was", kritisiert die "Fridays For Future"-Aktivistin Luisa Neubauer im ZDF-Morgenmagazin. "Die Leute eiern rum." Der Protest werde daher fortgesetzt.

"Es geht darum, die Klimaziele 2030 einzuhalten und da ist Deutschland momentan einer der großen Blockierer", sagt die "Fridays for Future"-Aktivistin Luisa Neubauer.

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ZDF: Frau Neubauer, die EU kann sich immer noch nicht auf ein Klimaziel einigen. Ist das für Sie eigentlich ein Zeichen, dass das Thema noch immer nicht ernst genug genommen wird?

Neubauer: Ob das bedeutet, dass es nicht ernst genug genommen wird, weiß ich nicht. Ich glaube vor allem, dass die Dringlichkeit nicht da ist. Das ist das entscheidende Problem. Leute eiern rum und haben das Gefühl, 2050/2055 was sind die Möglichkeiten? Wo doch klar ist, wir brauchen natürlich ein neues Ziel. Aber wir brauchen vor allem einen Anfang - und der muss jetzt gemacht werden.

ZDF: Machen Sie es doch konkret, wie müssen sich Deutschland und die EU anders aufstellen, um schneller diese Ziele zu erreichen?

Neubauer: Zunächst geht es darum, dass die Ziele für 2030 eingehalten werden, da ist Deutschland gerade einer der großen Blockierer, wenn es darum geht. Das heißt, in Deutschland ist die Sache relativ klar: Wir müssen Kohlekraftwerke abschalten, wir müssen Emissionen in Landwirtschaft und Verkehr reduzieren. Dafür gibt es Konzepte, dafür gibt es Vorschläge, wie das gemacht werden kann. Was fehlt, ist der politische Wille, um Maßnahmen durchzusetzen und Gesetze zu verabschieden.

ZDF: Dieses Wochenende gibt es Demonstrationen im Großraum Aachen. Sie solidarisieren sich auch mit der Initiative von "Ende Gelände", deren Proteste liefen in der Vergangenheit nicht immer friedlich ab. Viele befürchten, dass Linksextreme auch Ihre Demos unterwandern könnten, Sie auch?

Luisa Neubauer
FFF-Aktivistin und Grünen-Mitglied Luisa Neubauer.
Quelle: ZDF

Neubauer: Wenn Sie damit implizieren wollen, dass "Ende Gelände" linksextrem wäre, würde ich da widersprechen wollen. Wir sehen "Ende Gelände" als Partner in einem großen Kampf gegen die Klimakrise und gegen Regierungen, die nicht bereit sind zu handeln. "Ende Gelände" wählt andere Aktionsformen und das ist absolut legitim. Wir sehen das aber als ein breites Spektrum an Akteuren, die aktiv sind, die verschiedene Aktionsformen nutzen, um gemeinsam etwas zu bewegen. "Ende Gelände" nutzt ihre Form, wir nutzen unsere Form. Übrigens ist es auch spannend, weil natürlich ja auch wir im Zweifel zivilen Ungehorsam begehen. Wir gehen nicht zur Schule oder nicht zur Uni, das heißt: Auch da sind vielleicht die Unterschiede gar nicht so groß. Wir sind uns übrigens bewusst, dass "Ende Gelände" sich alle Mühe gibt und ganz ganz viel Ehrgeiz und mit großartigen Konzepten daran arbeitet, dass die Proteste auch in den Gruben friedlich verlaufen.

ZDF: Zu Ihren Forderungen gehört auch der schnellere Ausstieg aus der Kohle. Was sagen Sie eigentlich den Bergleuten, den Menschen, die von der Kohle leben?

Neubauer: Das ist doch klar: Deren Jobs, deren Zukunft muss in irgendeiner Art und Weise aufgefangen werden. Und dafür gibt es Milliardensummen, die der Bund bereit ist zu zahlen. Dabei sind auch die Industrien gefragt, die Menschen entsprechend zu entschädigen und Perspektiven einzurichten. Klar ist aber auch, dass die Menschen, die heute in dieser Industrie arbeiten, nicht ein Gegenspruch zu Klimaschutz sind, sondern ein weiteres To-do auf der Liste. Da sind aber auch Väter, Mütter, Großeltern dabei, die auch Kinder und Enkel haben, deren Zukunft beschützt werden muss.

ZDF: Sie sind ja auch Mitglied der Grünen. Auf welchem Weg konnten Sie denn bisher mehr erreichen, auf der Straße oder durch die Mitarbeit in einer politischen Partei?

Neubauer: Ich arbeite nicht bei den Grünen mit, daher kann ich den Vergleich nicht herstellen. Was wir aber sehen ist, dass wir mit ganz vielen Politikerinnen und Politikern sprechen, die uns jetzt sagen, dass sie Jahre auf das gewartet haben, was wir jetzt auf der Straße machen. Ich finde es ist ziemlich krass, wenn man sich überlegt, was das für den politischen Betrieb bedeutet. Im Zweifel spricht das aber auch für uns und unsere Wirkmächtigkeit.

ZDF: Wie soll es mit "Fridays For Future" weitergehen? Wollen Sie weiter jeden Freitag auf die Straße gehen, aber gleichzeitig haben Sie das Gefühl, dass sich nicht genug tut?

Neubauer: Wir sehen, dass seit sechs Monaten Klimaschutz ein Thema ist. Es wird darüber gesprochen. Wir sehen auch, dass die Kanzlerin mittlerweile zu Schritten bereit ist, die vorher nicht so denkbar gewesen wären. Wir waren auch vor zwei Monaten beim letzten EU-Ratsgipfel und haben dafür gekämpft und protestiert, dass sich zum 2050-Ziel bekannt wird. Damals war Deutschland noch nicht dabei. Das heißt, es bewegt sich schon was. Wir sehen aber auch, dass 'on the ground' kaum was passiert ist - wenn nicht sogar gar nichts. Das ist tragisch nach sechs Monaten und bedeutet für uns natürlich, dass wir weiter protestieren werden und weiter für Klimaschutz einstehen werden.

Das Interview führte Harriet von Waldenfels im ZDF morgenmagazin.

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