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Daumenschrauben für Spritschlucker

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Neue Abgasvorschriften - Daumenschrauben für Spritschlucker

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Mit dem Jahreswechsel müssen Neuwagen strengere Abgasnormen erfüllen. Die Hersteller scheinen gut vorbereitet, doch es gibt Fallstricke. Ein Blick auf die wichtigsten Änderungen.

Abgase kommen aus dem Auspuff eines Autos am 27.02.2018 in Gelsenkirchen
Stetig strengere Abgasvorschriften sollen Autohersteller zu mehr Umweltschutz verpflichten.
Quelle: AP

Das Bild ging um die Welt. VW musste Tausende seiner Neuwagen parken und mietete ausgerechnet Fläche auf dem nicht fertiggestellten Skandalflughafen Berlin-Brandenburg an. Der Grund für die überraschende Kooperation war das im September 2018 eingeführte Abgasprüfsystem WLTP, das von diesem Zeitpunkt an alle Neuwagen durchlaufen mussten. Die meisten Hersteller konnten mit vielen Modellen diese Vorschriften nicht erfüllen und produzierten monatelang auf Halde.

Erlaubt sind jetzt nur noch 95 Gramm CO2 je Kilometer

Inzwischen ist die Scharte ausgewetzt. Die Zahl der Neuzulassungen steigt kontinuierlich. Seit September 2019 ist WLTP II in Kraft, eine verschärfte Form von WLTP. Die Umstellung lief viel geräuschloser ab als die vorherige. Doch schon mit dem Jahreswechsel kommen ein neuer Prüfstandard und neue Abgasgrenzwerte. Beim Prüfverfahren "Real Drive Emissions" (RDE) werden die Abgaswerte während der Fahrt und nicht im Labor gemessen. Neuwagen dürfen nicht mehr als 95 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen. Das entspricht einem Verbrauch von 3,6 Litern Diesel oder 4,1 Liter Super auf 100 Kilometer.

Die Unternehmen sind auf die neuen Prüfstandards besser vorbereitet.
Peter Fuß, EY-Autoexperte

"Die Unternehmen sind auf die neuen Prüfstandards besser vorbereitet" sagt Peter Fuß, Autoexperte bei der Beratungsgesellschaft EY. "Dennoch ist der Umstellungsprozess der Testverfahren für die Hersteller sehr aufwändig, gilt es doch, unterschiedliche Motor- und Getriebekombinationen umzustellen und auch zu testen." Das RDE-Verfahren wird nicht im Labor, sondern auf der Straße durchgeführt. Nach Expertenmeinung ist eine Manipulation der Abgaswerte kaum möglich.

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Manche Automodelle "stehen auf der Kippe"

Berichten zufolge können die auf der Straße gemessenen Abgase deutlich höher ausfallen als die Laborergebnisse. Das könne dazu führen, "dass bestimmte Modelle nicht mehr angeboten werden", erläutert Fuß. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler ist sich sicher: "Der VW-Beetle, der Audi TT und etliche Cabrios stehen auf der Kippe." Denn bei den neuen Verbrauchsgrenzen geht es um den Flottenverbrauch. Das heißt, der Grenzwert markiert den durchschnittlichen Schadstoffausstoß aller von einem Hersteller gebauten Autos. Einige Fahrzeugtypen liegen deutlich über den Grenzwerten, treiben also den Flottenverbrauch nach oben.

Wer diese Grenze überschreitet, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Die EU-Kommission hat pauschal eine Summe von 95 Euro je Gramm CO2-Überschreitung festgelegt. Bei den Millionen-Stückzahlen der Autohersteller können so schnell Milliardenstrafen zusammenkommen. Jürgen Pieper ist der Überzeugung, dass vor allem deutsche und US-amerikanische Hersteller Nachholbedarf haben, während Toyota und der PSA-Konzern ihre Hausaufgaben gut erledigt hätten. Peter Fuß will sich nicht auf einzelne Hersteller festlegen: "Jeder Hersteller hat Modelle, die schnell umgestellt werden konnten, während andere noch auf die Umstellung warten."

Ziele sind nur mit E-Autos erreichbar

Die Kundenwünsche laufen den Vorgaben für die Hersteller entgegen. Die umstrittenen SUVs sind beliebter denn je. Doch auch vermeintlich umweltbewusste Fahrer können eine Überraschung erleben. "Für Plug-in-Hybride wird der tatsächliche Verbrauch im Vergleich zu Testverbräuchen insbesondere dann deutlich höher ausfallen, wenn der Kunde das Fahrzeug nicht an der Steckdose auflädt, sondern es wie einen reinen Verbrenner nutzt", sagt Peter Fuß.

Bis 2030 muss die Branche den Schadstoffausstoß von Neuwagen noch einmal um weitere 37 Prozent senken. "Das ist eine enorme Herausforderung, die mit Optimierung der herkömmlichen Motoren nicht erreichbar ist", so Fuß. Jürgen Pieper rechnet vor, dass der Anteil an E-Autos an den Neuzulassungen auf deutlich über 20 Prozent steigen müsste. Das entscheiden am Ende die Verbraucher.

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