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Neue Berechnungen - Millionen Fachkräfte könnten fehlen

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Fachkräftemangel in Deutschland - dazu geben Experten eine düstere Prognose ab. Neuen Berechnungen zufolge könnten bis 2040 mehr als 3 Millionen qualifizierte Arbeitnehmer fehlen. Mit dem Thema beschäftigt sich am Vormittag auch das Kabinett in Berlin.  

Trotz zunehmender Beschäftigung geht die Zahl der Auszubildenden seit Jahren zurück. Arbeits- und Ausbildungsmarkt entwickeln sich auseinander, heißt es in einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. Viele Unternehmen versuchen daher, Anreize zu schaffen.

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Ohne schnelles Umsteuern droht der deutschen Wirtschaft nach Einschätzung von Arbeitsmarkt- und Bevölkerungsforschern langfristig eine große Fachkräftelücke. Allein bis 2030 könnte sich die Zahl der fehlenden Facharbeiter, Techniker, Forscher und medizinischen Fachkräfte auf bis zu 3,0 Millionen belaufen und bis 2040 gar auf 3,3 Millionen, geht aus neuen Berechnungen des Basler Forschungsinstitut Prognos hervor. Politik und Wirtschaft verfügten aber über die "passenden Maßnahmen", um dies rechtzeitig zu verhindern, heißt es.

Mangel bei Gesundheits- und technischen Berufen

Das Bundeskabinett befasst sich an diesem Mittwoch mit der Sicherung der Fachkräfte in Deutschland. Dazu legt das Bundesarbeitsministerium einen Fortschrittsbericht 2017 vor. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sagte der "Nordwest-Zeitung": "Stillstand und Nichtstun sind in Anbetracht des Wandels der Arbeit der Zukunft grob fahrlässig." Unter Berufung auf den Bericht des Ministeriums schreibt das Blatt, es seien hauptsächlich Gesundheits- und Pflegeberufe sowie technische Berufe, in denen akademische und nichtakademische Fachkräfte knapp seien.

Als Hauptgrund für den drohenden Mangel führt Prognos die zunehmende Überalterung der deutschen Gesellschaft an: "Im Zuge des demografischen Wandels wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den nächsten 10 bis 20 Jahren erheblich verschärfen", betont Oliver Ehrentraut von Prognos. Auch wenn man inzwischen nicht mehr mit einem so starken Schrumpfen der Bevölkerung rechne, die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter werde dennoch weiter kräftig sinken - um gut 10 Prozent bis zum Jahr 2040.

Hinzu komme, dass mit dem wachsenden internationalen Wettbewerb, anderem Konsumverhalten und der Digitalisierung in fast allen Wirtschaftsbereichen manche Berufe nach und nach an Bedeutung verlieren würden. Umgekehrt werde es an Menschen mit dem künftig dringend gefragten Fachwissen fehlen, so die Prognos-Wissenschaftler.

Forscher fordern Bildungsoffensive

Nach der Vorhersage der Baseler Forscher werden etwa viele Sicherungs- und Überwachungstätigkeiten wegfallen. Auch Lastwagenfahrer und Packer müssten damit rechnen, dass ihre Arbeit künftig von Robotern und Automaten erledigt werde. Gleiches gelte für Buchhalter, Kreditsachbearbeiter und Immobilienmakler - elektronische Systeme dürften solche Berufe langfristig ersetzen. Dagegen werde es schon 2020, stärker aber bis 2030 einen Mangel an Managern, Forschern, Ingenieuren, Ärzten, Pflegern und medizinischen Assistenten geben, in geringem Umfang auch an Kreativen und Journalisten.

Um die Fachkräftelücke zu verkleinern oder zu schließen, sprechen sich die Baseler Bevölkerungsforscher auch für eine "Bildungsoffensive" aus: Vor allem die berufliche Ausbildung müsse gezielt gefördert werden, um mehr jungen Menschen zu einem Berufsabschluss zu verhelfen. Bei der akademischen Ausbildung habe sich dagegen viel getan. Für Menschen im Berufsleben sei eine "effektivere Weiterbildung" erforderlich, die sie auf neue Jobs vorbereiten, die mit dem Einzug des Internets in den Fabrikhallen entstünden.

Rückkehr nach Familienpause ermöglichen

Zudem sollte Frauen und Männern nach einer Familienpause die Rückkehr in das Erwerbsleben erleichtert werden. Ältere sollten dazu motiviert werden, länger zu arbeiten. Mit beiden Maßnahmen könnte der drohende Arbeitskräftemangel langfristig um rund zwei Millionen Beschäftigte verringert werden. Schließlich sollten Teilzeitkräfte dafür gewonnen werden, ihre wöchentliche Arbeitszeit zu verlängern. In allen Szenarien ist bereits eine durchschnittliche jährliche Zuwanderung von 200.000 Migranten unterstellt. Angaben dazu, wie stark die zuletzt zugewanderten Asylbewerber gegen den Fachkräftemangel helfen können, ist in den Prognos-Szenarien nicht enthalten.

Die Bundesagentur für Arbeit hat sich noch nicht so dramatisch zum Fachkräftemangel geäußert. Ihre Denkfabrik, das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), sieht derzeit noch keine eklatante Lücke, sondern spricht lediglich von Engpässen in einigen Branchen, etwa im Maschinen- und Autobau und der Informatik.

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