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Datenschutz-Grundverordnung - Neue Regeln fürs bessere Internet

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Was passiert mit meinen Daten bei Unternehmen, Behörden und Vereinen? Das soll die neue Datenschutz-Grundverordnung regeln. Aber taugt sie?

Ein Mann ändert die Einstellungen in seinem Facebook-Account
Was passiert mit den Daten? Neue Richtlinie ab Ende Mai.
Quelle: ap

Es klingt wie eine Zukunftsvision: Das Surfen im Internet ist sicher. Der Nutzer hinterlässt keine Spuren. Der Online-Shop sammelt keine Daten, und im Postfach landet keine von Algorithmen genauestens abgestimmte Werbung. Keine Hacker würden mehr Millionen Passwörter knacken und jedes Unternehmen zahlt in dem Land steuern, in dem es Gewinne erwirtschaftet.

Alles nur Wunschdenken? Nicht ganz. Denn all das will die "Datenschutz-Grundverordnung". Ein sperriger Begriff, hinter dem sich so viele Nebenwirkungen wie Chancen verbergen. Und ein riesiger Sprung in die Richtung, die sich alle Nutzer gewünscht haben: die eigenen Daten nicht nur sicherer, sondern jedem die eigenen Daten wieder zu seinen eigenen zu machen. Diese europaweite Richtlinie - so haben es die deutschen Datenschutzbeauftragten beschlossen - gilt in Deutschland ab dem 25. Mai.

Viel Bürokratie - aber ist es das nicht wert?

Allerdings ist der Weg zum Paradies für Datenschützer noch lang und steinig. Die Richtlinie enthält strenge Vorgaben, wenn Unternehmen, Behörden oder Vereine persönliche Daten abfragen und speichern. Das einfache Eintragen in einen Newsletter etwa setzt mit Inkrafttreten der Richtlinie voraus, dass Datum, Uhrzeit und IP-Adresse des Eintragenden hinterlegt sind. So soll sichergestellt sein, dass keine automatisierten Systeme am Werk sind.

Das führt allerdings auch zu unbequemen Ergebnissen: alle Newsletter müssen neu bestätigt werden. Selbst beim Arztbesuch muss jeder die Erklärung zur Speicherung der eigenen Daten neu bestätigen. "Verarbeitungstätigkeiten" heißt diese Regel im Amtsdeutsch. Meint: Jedes Unternehmen, jeder Freiberufler, jeder Verein muss lückenlos dokumentieren können, was er wann mit welchen Daten gemacht hat. Viel bürokratischer Aufwand. Aber ist es das nicht wert? Muss nicht jeder immer wieder vor Augen geführt bekommen, wo die eigenen Daten liegen? Was damit passiert?

Offengelegte Datenkraken

Für Datenschutzexperten Christian Bennefeld ist die neue Verordnung nichts weniger als die Revolution im Internet. "Jeder Internetnutzer wird jetzt sehen können, wie er permanent ausspioniert wird", erklärt der Erfinder eines Gerätes, das Spionage im eigenen Netzwerk verhindert. "Vor jeder Internetseite muss ab dem 25. Mai eine vorgelagerte Page kommen, die mir genau erklärt, welche Tracker im Folgenden mein Nutzungsverhalten analysieren. Da bekommen die Menschen vielleicht zum ersten Mal vor Augen geführt, wem sie alles ihre Daten schenken: Unternehmen, die damit Geld verdienen, ihre Werbung optimieren und Meinungen beeinflussen."

Tatsächlich schreibt die Richtlinie eine Art Aufklärung und das Einholen eines Einverständnisses vor, wenn die eigenen Daten gesammelt werden. Das müsste in der Praxis also bedeuten, dass vor jeder Internetseite, die Analysesysteme - sogenannte Tracker - verwendet, eine Seite kommt, auf der genau aufgelistet wird, welche Programme gleich aktiv werden. Das kann man als lästig empfinden, aber ist es nicht das, wonach alle immer verlangt haben? Ist das nicht wie beim Videobeweis im Fußball? Es kostet Zeit, aber bringt die schon immer geforderte Sicherheit?

Ein Schwert, das wirklich scharf ist

Sicher wird es Firmen geben, die nicht freiwillig den unbequemen Weg gehen. Und es wird Unternehmen geben, die gar nicht wollen, dass man ihre Dienste im Hintergrund bemerkt. Datensammler arbeiten gerne verdeckt. Wer will schon offen sagen: "Hey, ich spioniere Dich aus." Das Beispiel Cambridge Analytica hat gerade erst gezeigt: Wer als digitaler Spion geoutet wird, den holt die Löschtaste ein.

Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar ist einer der schärfsten Verfolger der großen Datensammler. Er legt sich regelmäßig mit Facebook an und hat schon hohe Strafen verhängt. "Mit der neuen Datenschutzverordnung haben die Behörden jetzt ein Schwert in der Hand, das wirklich scharf ist", erläutert er. "Die Strafen können in begründeten Fällen bis zu vier Prozent des Konzernumsatzes betragen. Und zwar des weltweiten Umsatzes. Errechnet anhand des vorangegangenen Geschäftsjahres." Facebook etwa hatte 2017 einen Umsatz von 40,65 Milliarden US-Dollar. Eine mögliche Höchststrafe bei permanenten Verstößen gegen die neue Richtlinie könnte also die abenteuerliche Summe von 1,6 Milliarden US-Dollar Strafe bedeuten.

Jeden einzelnen Tracker bestätigen

Das soll abschrecken. Und das klappt anscheinend auch. In den kommenden Wochen werden alle Nutzer überall dazu aufgefordert, ihre Datenzustimmung neu zu geben. Die Erlaubnis, welche Daten wofür verwendet werden. Eine Chance für jeden, vielleicht bereute Online-Fehler zu korrigieren. Dass das für viele lästig ist, wissen die Datenschützer.

Die nächste Datenschutzrichtlinie ist daher auch schon in Arbeit. Ab dem kommenden Jahr muss jeder im Netz nicht nur bestätigen, dass er auf die nächste Seite möchte und damit alle Tracker dort akzeptiert. Ab kommendem Jahr muss per "opt in" - also per Zustimmung - jeder einzelne Tracker bestätigt werden. Und diese Liste kann lang sein. Christian Bennefeld hat schon Seiten gefunden, auf denen 67 Tracker arbeiten. Na dann: happy clicking ...

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