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Neue Erkenntnis zum Extremwetter - Risiko von Starkregen wird unterschätzt

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Besonders im Norden Deutschlands wird das Risiko von Starkregen unterschätzt. Gleichzeitig werden Dürresommer immer wahrscheinlicher.

Passanten im Starkregen
Quelle: dpa

Starkregen und die damit einhergehenden Risiken sind nach der Ansicht von Meteorologen bislang deutlich unterschätzt worden. Andreas Becker und Tanja Winterrath vom Deutschen Wetterdienst (DWD) berichten: "Die Auswertung von Radardaten zeigt, dass wir bei der Bewertung der Naturgefahr Starkregen in einigen Regionen von einer neuen Gefährdungslage ausgehen müssen."

Den Erkenntnissen zufolge spielt die Gegebenheit der Landschaft bei Starkregenereignissen mit einer Dauer von bis zu einer Stunde nämlich keine große Rolle. Anders ausgedrückt: unabhängig davon, ob die Landschaft hügelig, bergig oder flach ist, muss mit Starkregen zu rechnen sein. Insbesondere im Norden Deutschlands existiert deshalb eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit von Starkregen als bisher angenommen.

Die Atmosphäre verändert sich

Die Großwetterlagen verändern sich und das bekommen wir zu spüren. Grund dafür sind laut Inge Niedek, Vorsitzende der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG), die Veränderungen in der Atmosphäre, die der Klimawandel mit sich bringt: Die Hochs werden stärker und stabiler. Das Starkwindband, der Jetstream, windet sich immer stärker und so kommt es zu stationären Wetterlagen. Das konnten wir schon 2018 beobachten.

Im Januar 2019 war die Wetterlage mit einem sehr stabilen Hoch über dem Ostatlantik für den Rekordschnee in den Nordalpen verantwortlich. Und im Februar führte starker Hochdruck zu hohen Temperaturen mit Werten um 15 Grad. Normalerweise gilt der Februar als kältester Monat des Jahres. Ein solches Phänomen gab es auch schon in der Vergangenheit. Neu ist, dass die hohen Temperaturen so beständig sind.

Das bestätigt auch Lisa Küchelbacher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR): "Wir beobachten eine Abnahme der Kältewellen und eine Zunahme der Hitzeperioden auf der gesamten Nordhalbkugel in den mittleren Breiten, aber auch speziell bei uns in Europa." Diese Systematik sei eine Folge der globalen Erwärmung. Neben der Temperatur bestimme die großräumige atmosphärische Bewegung die Wetterlage. Die habe sich oberhalb unserer Wetterschicht bereits deutlich geändert, mit Folgen für das dortige Wetter. "Derzeit gehen wir vorläufig davon aus, dass sich diese Änderungen in den unteren Höhenschichten der Atmosphäre in der Zukunft zeigen werden", so Küchelbacher.

Dürresommer werden immer wahrscheinlicher

Für unser Kima in Mitteleuropa bedeutet das: Hitze- und Dürresommer werden immer wahrscheinlicher. Stephanie Hänsel vom DWD erklärt: "Wir sehen einen starken Anstieg trockenheißer Bedingungen." Durch trockene Vorbedingungen im April und Mai und andauernd hohe Temperaturen während der Sommermonate können laut Expertin Dürrephänomene intensiver werden.

Die Experten sehen nur zwei Möglichkeiten, diese Entwicklung einzudämmen: Die von Menschen verursachte Erderwärmung zu dämpfen, indem Treibhausgase reduziert werden. Gleichzeitig ist die Anpassung an die möglichen Gefahren voranzutreiben, denn die Klimakrise kommt nicht - sie ist schon längst da und beschleunigt sich sogar. Das Wetter wird lokal wie global zunehmend extremer werden.

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