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Online-Shopping ohne Grenzen - Neue EU-Verordnung schränkt Geoblocking ein

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Die EU will mit einer neuen Verordnung grenzüberschreitendes Online-Shopping EU-weit einfacher und fairer machen. Worum es geht - und was sich für Kunden und Händler ändert.

Frau kauft Schuhe online
In Zukunft soll jeder Kunde innerhalb der EU in jedem Shop zu denselben Bedingungen einkaufen und bezahlen können.
Quelle: dpa

Was ist Geoblocking?

Niemand bekommt ein Problem, wenn er im Italien-Urlaub vor Ort ein Paar Schuhe kaufen will. Der Kunde aus dem Ausland wird bedient wie alle anderen Kunden auch und zahlt dieselben Preise. Ganz anders sieht es beim Einkaufen im Internet aus. Viele Online-Shops verweigern Kunden aus einem anderen EU-Land den Zugang zu ihrem Shop. Aus welchem Land ein Kunde kommt, lässt sich anhand seiner IP-Adresse ermitteln.

Experten sprechen von Geoblocking, wenn Kunden aufgrund ihrer IP-Adresse automatisch vom Zugang zu einer Webseite ausgeschlossen werden. In vielen Fällen werden ausländische Besucher eines Online-Shops zudem ungefragt auf spezielle Shop-Versionen für ihr Land umgeleitet. In diesen Shops werden für dieselben Produkte oft höhere Preise als auf der Original-Webseite verlangt.

Welche Ziele verfolgt die neue Verordnung?

Die Verordnung zur Einschränkung des Geoblockings im Online-Handel wurde am 28. Februar 2018 erlassen und tritt am 3. Dezember in Kraft. Sie verfolgt das Ziel, den digitalen EU-Binnenmarkt zu vereinheitlichen. Das bedeutet: In Zukunft soll jeder Kunde innerhalb der EU in jedem Shop zu denselben Bedingungen einkaufen und bezahlen können. Die Händler sollen animiert werden, ihre Waren nicht nur in ihrem eigenen Land, sondern auch EU-weit anzubieten.

Was ändert sich für Online-Händler?

Die Verordnung schreibt vor, dass kein EU-Bürger beim Online-Shopping aufgrund seiner Staatsangehörigkeit oder seines Wohnortes diskriminiert werden darf. Geoblocking und die automatische Umleitung auf länderspezifische Shop-Versionen sind nicht mehr erlaubt.

Der Händler muss alle Verbraucher behandeln, als wären sie einheimische Kunden. Das gilt auch für Hotels, Autovermieter sowie Ticket-Shops, die online Karten für Konzerte und andere Veranstaltungen verkaufen.

Gilt die Verordnung auch für Privatverkäufe?

Die EU-Verordnung betrifft nur kommerzielle Online-Händler. Sie gilt nicht für Personen, die auf Auktionsplattformen wie Ebay oder über Kleinanzeigenportale gelegentlich gebrauchte Waren verkaufen. Die neuen Regeln gelten allerdings auch für die Marktplätze von Ebay oder Amazon. Wer hier einen Shop betreibt, muss die Regelungen der EU-Verordnung genauso einhalten wie jeder andere Online-Shop-Betreiber auch.

Was haben Kunden von den neuen Regeln?

Kunden können künftig dort kaufen, wo es für sie am günstigsten ist. Wenn ein dänischer Händler unterschiedliche Versionen seines Shops für dänische Kunden und EU-Ausländer betreibt, darf er Kunden aus dem Ausland nicht mehr automatisch auf eine Webseite speziell für ausländische Käufer weiterleiten. Der Kunde muss vorher gefragt werden. Auch wenn der Kunde einer Weiterleitung zustimmt, muss ihm die dänische Shop-Version jederzeit zugänglich bleiben. Unterschiedliche Preise sollen dem Kunden so auffallen.

Muss jeder Händler in jedes EU-Land liefern?

Der Pferdefuß für den Verbraucher ist die Warenlieferung. Denn auch künftig wird kein Händler gezwungen werden, seine Ware in jedes EU-Mitgliedsland zu liefern. Der Händler muss es allen EU-Bürgern lediglich ermöglichen, bei ihm Waren zu bestellen. Wie die Ware dann zum Kunden kommt, ist das Problem des Kunden. Es besteht für den Händler also keine allgemeine Lieferpflicht, sondern nur eine Bereitstellungspflicht.

Ein Beispiel: Ein deutscher Kunde findet das günstigste Angebot für einen Fernseher bei einem französischen Händler. Er kann in diesem Shop auch dann bestellen, wenn der Händler nur in Frankreich ausliefert. In diesem Fall hat der Kunde dem Händler gegenüber allerdings keinen Anspruch, sich das Gerät nach Hause liefern zu lassen. Er hat lediglich ein Anrecht darauf, den Fernseher persönlich abzuholen oder die Lieferung zum Beispiel über einen Liefer- oder Abholdienst selbst zu organisieren.

Wie regelt die Verordnung das Bezahlen im Netz?

Online-Händler dürfen auch künftig frei entscheiden, welche Zahlungsmittel sie in ihren Shops akzeptieren. Bietet der Händler eine bestimmte Bezahlmethode an, so muss er diese Methode allen Kunden gleichermaßen anbieten. Lässt der Händler zum Beispiel die Zahlung per Rechnung und Überweisung zu, muss er dieses Bezahlverfahren unabhängig von Nationalität oder Wohnort allen Kunden erlauben.

Für welche Waren ist Geoblocking weiterhin erlaubt?

Die EU-Verordnung gilt nicht für alle Waren und Dienstleistungen. Online-Shops, die das Streaming oder den Download urheberrechtlich geschützter E-Books, Computerspiele, Filme oder Musik anbieten, können Nutzer aus anderen Ländern auch weiterhin durch Geoblocking ausschließen. Auch Finanz- und Verkehrsdienstleistungen wie etwa der Verkauf von Flugtickets sind von der neuen Verordnung ausgenommen.

Ist mit der Verordnung das letzte Wort gesprochen?

Die EU-Kommission will die Umsetzung der Verordnung in den nächsten beiden Jahren beobachten. 2020 soll entschieden werden, ob das Verbot des Geoblockings auch auf diejenigen Waren und Dienstleistungen ausgedehnt werden soll, die bislang noch nicht unter die Verordnung fallen.

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