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Signale für Friedensgespräche - Neue Hoffnung im Jemen

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Nach dreieinhalb Jahren Bürgerkrieg mit Tausenden Toten signalisieren Rebellen und Regierung Verhandlungswillen. Aber es wäre nicht der erste Anlauf.

Die UN nennen den Krieg im Jemen die größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart. Nun deuten sich neue Verhandlungen zwischen den Huthi-Rebellen und den Regierungstruppen an. Hoffnung auf eine Waffenruhe?

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In die Friedensbemühungen für den Jemen kommt Bewegung: Die Regierung des Bürgerkriegslandes und die Huthi-Rebellen haben am Montag ihre Unterstützung für neue Friedensgespräche unter UN-Vermittlung signalisiert. Während das jemenitische Außenministerium ankündigte, eine Delegation zu den geplanten Verhandlungen nach Stockholm zu schicken, stellten die Rebellen einen Waffenstillstand in Aussicht.

Die Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi sagte zu, eine Delegation zu den Friedensgesprächen zu entsenden, um "eine politische Lösung" für ein Ende des blutigen Konflikts zu erreichen. Das jemenitische Außenministerium rief die UNO auf, Druck auf die Rebellen auszuüben, damit sich diese "ohne Bedingungen" an den Verhandlungen in Schweden beteiligten.

Treffen "in Kürze"

UN-Vermittler Martin Griffiths hatte vor wenigen Tagen vor dem UN-Sicherheitsrat in New York neue Friedensgespräche zwischen den Konfliktparteien angekündigt. Das Treffen, bei dem ein Fahrplan zu einer Übergangsregierung diskutiert werden soll, werde "in Kürze" stattfinden, sagte Griffiths, ohne ein Datum zu nennen. Außerdem hätten sich Regierung und Rebellen auf den Austausch von Gefangenen geeinigt. Erst im September waren politische Gespräche zwischen den Kontrahenten mangels Teilnahme der Rebellen gescheitert.

Die Voraussetzungen für Friedensgespräche scheinen nun deutlich besser als noch im September. So hatten die regierungstreuen Truppen zuletzt ihre Angriffe auf die strategisch zentrale Hafenstadt Hudaida weitgehend eingestellt. Dort hatten zuvor schwere Kämpfe gewütet. Über den Küstenort am Roten Meer läuft ein Großteil des Nachschubs für die Gebiete unter Huthi-Kontrolle im Norden des bitterarmen Landes. Eine Eroberung durch die arabische Koalition würde für die Huthis eine möglicherweise entscheidende Niederlage bedeuten.

Rückhalt für Rebellen bröckelt

Die Vereinten Nationen bezeichnen den Krieg im Jemen als schwerste humanitäre Krise der Gegenwart. Dort kämpfen Truppen aufseiten des ins Exil geflohenen, aber international anerkannten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen, die weite Teile des Nordens inklusive der Hauptstadt Sanaa kontrollieren. Seit 2015 bombardiert ein von Saudi-Arabien geführtes Bündnis Stellungen der Huthis aus der Luft, wobei bereits Tausende Zivilisten getötet wurden. Die Aufständischen hatten vor allem das benachbarte Saudi-Arabien immer wieder mit Raketen angegriffen.

Zuletzt bröckelte zudem der Rückhalt der Rebellen unter ihren Anhängern. Vor gut einer Woche lief ihr ehemaliger Informationsminister Abdel-Salam Dschabir zum Feind über und gab eine Pressekonferenz in Riad. Dort ließ er kein gutes Haar an den Aufständischen: "Die Milizen schicken im Namen der Religion Kinder in den Krieg", sagte Dschabir. "Ihre letzten Tage" seien angebrochen.

Doch auch die saudisch geführte Militärkoalition geriet zuletzt stärker in Bedrängnis. Unter dem Eindruck der Affäre um den in Istanbul getöteten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi verlangten die USA als wichtiger Verbündeter Riads neue Friedensgespräche in dem festgefahrenen Konflikt. "Es ist Zeit für ein Ende der Kampfhandlungen", forderte US-Außenminister Mike Pompeo in einer Stellungnahme Anfang des Monats. Als Voraussetzung für neue Gespräche nannte er ein Ende der nun von den Huthis eingestellten Raketen- und Drohnenangriffe.

"Es ist genug mit Töten, Zerstörung und Vertreibung"

Der Jemen ist nach Jahren des Krieges ausgezehrt: Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen sind vielerorts zerstört. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO hat mehr als die Hälfte der 28 Millionen Jemeniten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Mehr als 22 Millionen Menschen sind nach UN-Angaben auf humanitäre Hilfe angewiesen. Mehr als 28.000 Menschen sind seit Beginn des Bürgerkriegs nach UN-Schätzungen umgekommen, davon rund 10.000 Zivilisten.

Die Menschen in dem bitterarmen Land auf der arabischen Halbinsel sind angesichts der Entwicklungen vorsichtig hoffnungsvoll. "Es ist genug mit Töten, Zerstörung und Vertreibung", sagt Imad Hassan, der selbst vor der Gewalt aus Hudaida nach Sanaa fliehen musste. Seine Familie lebt von Hilfsgütern, eines seiner Kinder ist unterernährt. Unter diesen Umständen könne niemand überleben, meint er.

Auch Haditha Kaid sehnt sich nach einem normalen Leben ohne astronomische Kosten für Lebensmittel und Treibstoff. "Wir träumen vom Frieden, dass die Preise wieder sinken und die nationale Währung an Wert gewinnt." Der Jemen könne sich nicht noch mehr Angst und Trauer leisten. Doch trotz der Entspannungssignale der Konfliktparteien bleiben viele Jemeniten skeptisch - dafür sind schon zu viele Anläufe für einen Frieden gescheitert.

Auch weil es schwer ist, von dort zu berichten, wird der Krieg im Jemen "der vergessene Krieg" genannt. Viele Kriege haben in dem Land getobt, doch der gegenwärtige gilt als besonders mörderisch. Jedem dritten Jemeniten droht Tod durch Hunger.

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