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Deutscher Suchtkongress - Wenn Likes zur Droge werden

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Chatten, Posten, schnell mal den Nachrichten-Feed scannen: Soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram und Co. begleiten uns jeden Tag. Doch ihre Nutzung kann Suchtpotenzial haben.

Eine Gruppe Teenager mit ihren Smartphones
Teenager mit Smartphones: Social-Media-Sucht betrifft vor allem Jüngere.
Quelle: imago

Warum sind soziale Netzwerke so attraktiv?

Für viele Menschen, vor allem für Jüngere, ist die Nutzung von sozialen Netzwerken ganz selbstverständlich. Netzwerke wie Facebook, Instagram oder WhatsApp sind oft die Hauptkommunikationskanäle. "Das Smartphone und soziale Medien gewährleisten in großen Teilen unser soziales Miteinander. Ohne fühlt man sich schnell ausgeschlossen", sagt die Psychologin Lisa Mader von der Grüsser Sinopoli-Ambulanz für Spielsucht an der Universitätsmedizin Mainz.

Die eigene Selbstdarstellung in den sozialen Netzen ist auch immer eine Suche nach Bestätigung durch andere. "Durch die Likes bekommt man eine positive Rückmeldung und das ist für einen immer sehr attraktiv. Das Belohnungssystem springt sofort an, wenn da mehrere Likes sind", sagt Soziologin und Psychologin Lara Scherer, ebenfalls Spielsucht-Expertin in Mainz. Wer viel Bestätigung bekommt, fühlt sich besser.

Wann werden soziale Medien zur Sucht?

Weil diese positiven Rückmeldungen einen verstärkenden Effekt haben, nutzt man Facebook und Instagram immer mehr - und kann so ein Suchtverhalten entwickeln. Kritisch wird es, wenn der Betroffene die Nutzung über einen Zeitraum von rund zwölf Monaten nicht mehr kontrollieren kann. "Man scrollt stundenlang durch die sozialen Netzwerke und nutzt sie unter anderem, um negative Gefühle zu regulieren", erläutert Mader. "Eine Social-Media-Abhängigkeit kommt selten allein, oft ist das gesamte Internet-Verhalten extremer", ergänzt Scherer. Das ist eines der Themen auf dem Deutschen Suchtkongress, der heute in Mainz beginnt.

Wer sind die Betroffenen?

Experten gehen davon aus, dass eine Social-Network-Sucht eher junge Menschen betrifft. Zwar sind auch Ältere in den sozialen Netzwerken aktiv, aber bei weitem nicht so intensiv. Und: Zur Risikogruppe gehören vor allem Frauen. Männer dagegen sind eher anfällig für andere Formen der Internet-Abhängigkeit wie zum Beispiel Online-Spielsucht. Als weitere Risikofaktoren gelten: fehlende emotionale Stabilität und geringes Selbstwertgefühl.

Auch bei der Suche nach Hilfsangeboten gibt es große Unterschiede zwischen Männern und Frauen. "Es kommen wesentlich mehr Männer in die Ambulanz oder in die psychosozialen Beratungsstellen wegen Internetabhängigkeit als Frauen. Das Verhältnis liegt bei 91 zu 9 Prozent", sagt Lara Scherer.

Was sind Auswirkungen einer Social-Media-Sucht?

Betroffene können sich nicht mehr konzentrieren, ihre Leistungsfähigkeit fällt ab - das sind die ersten Anzeichen einer Social-Media-Sucht. "Dazu kommen ein erhöhtes Stresserleben, Schlafstörungen, eine Verschiebung des Tag- und Nachtrhythmus. Man geht also nicht ins Bett, weil man online nichts verpassen möchte", so Lara Scherer von der Ambulanz für Spielsucht. Aber auch das Essverhalten kann gestört sein. Oft leidet das Familienleben und die soziale Kontakte werden vernachlässigt - was wiederum zur sozialen Isolation führen kann.

Wie der Sucht vorbeugen?

Lisa Mader empfiehlt einen bewussten Umgang mit den sozialen Netzwerken. "Man sollte sich Social-Media-freie Zeiträume einbauen und diese auch einhalten", so Mader. Die Nutzung von sozialen Netzwerken automatisch zu verteufeln sei nicht der richtige Weg, glaubt Psychologin Lara Scherer. Aber: "Wenn man merkt, dass es zu viel wird, sollte man mit Familie oder mit Freunden unbedingt darüber sprechen." Und: Schon bei Kindern sollten Eltern die Smartphone-Nutzung im Auge behalten, so Lisa Mader. "Früher hat man ja auch das Fernsehschauen reguliert, genauso kann man heutzutage die Smartphone- oder Social-Media-Nutzung regulieren." Ein Verbot sein nicht sinnvoll, zeitliche Limits dagegen schon.

Anna Duda ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Rheinland-Pfalz.

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