Wo die Mieten besonders stark steigen

Sie sind hier:

Nicht nur in den Metropolen - Wo die Mieten besonders stark steigen

Datum:

Die Wohnungsnot in Großstädten hält an. Die Preise steigen weiter. Experten erklären, wie man der Entwicklung entgegentreten kann - und warum die Mietpreisbremse dabei kaum hilft.

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes hat sich die Wohnsituation für Mieter trotz der Mietpreisbremse deutlich verschärft. Insbesondere in Großstädten sind die Mieten stark gestiegen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Mieten in den größten Metropolen weiter gestiegen sind. Wer 2015 einen neuen Mietvertrag unterschrieben hat, zahlt demnach ein Fünftel mehr als Mieter mit einem Vertrag, der vor 2015 abgeschlossen wurde.

Im Schnitt mussten private Haushalte in Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf 10,80 Euro pro Quadratmeter für eine Wohnung hinlegen, die ab 2015 gemietet wurde. Bei einer 60-Quadratmeter-Wohnung wären das 648 Euro - kalt, versteht sich. Doch wer glaubt, dass sich dieses Phänomen nur auf Großstädte beschränkt, irrt.

Infografik: Mietpreisteigerung für Neumieter am 01.10.2019
*ab Einzugsjahr 2015 und später.
Quelle: ZDF/Statistisches Bundesamt/iStock.com/bernie_photo

Bayern, Hamburg und Berlin besonders teuer

Deutschlandweit liegt die Nettokaltmiete für Verträge ab 2015 bei 7,70 Euro pro Quadratmeter. Das sind zwar über drei Euro weniger als in den Metropolen, doch im Vergleich zur durchschnittlichen Kaltmiete (die auch ältere Mietverträge mit einbezieht) bedeutet das einen Aufschlag von zwölf Prozent.

Wir haben eine Schere, die da aufgeht: Neuvertragsmieten legen deutlich zu, Bestandsmieten nicht.
Ralph Henger, Wohnungsmarktexperte vom Institut der Deutschen Wirtschaft

Ein neues Mietverhältnis ab 2015 war besonders in Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg deutlich teurer als der jeweilige Landesdurchschnitt. In Berlin stiegen die Mieten sogar fast um ein Viertel. Ein immenser Anstieg - aber: "Die Ergebnisse sind absolut erwartbar. Für uns ist das die Kehrseite dieses unheimlich starken wirtschaftlichen Booms, den wir in Deutschland seit zehn Jahren sehen", sagt Ralph Henger, Wohnungsmarktexperte vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Wer schon lange in seiner Wohnung lebt, zahle in der Regel eine sehr niedrige Miete. "Wir haben eine Schere, die da aufgeht: Neuvertragsmieten legen deutlich zu, Bestandsmieten nicht."

Ein weiterer Grund für den Mietanstieg: Das Angebot ist knapp. Jeder, der in Berlin, München oder Köln schon mal an einem Besichtigungstermin gemeinsam mit 20 anderen Interessenten teilgenommen hat, kann das bestätigen. Menschen aus dem In- und Ausland zieht es in die wachsenden Regionen, das belegt auch der Wohngeld- und Mietbericht der Bundesregierung von Anfang Juli. "Natürlich sind die Mietpreise ein Ergebnis davon, dass Angebot und Nachfrage nicht in der Waage sind", erklärt Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes.

Durchschnittliche Mietbelastung bei 27,2 Prozent

Die Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen auch, wie hoch die durchschnittliche Mietbelastung 2018 war. Der Anteil des Nettoeinkommens, den ein Haushalt insgesamt für die Bruttokaltmiete aufwendete, lag bundesweit bei 27,2 Prozent, in Metropolen teilweise über 30 Prozent.

Bei diesen Werten handelt es sich allerdings nur um Durchschnittswerte. Für Ropertz ein Alarmzeichen. "Ich finde auch 30 Prozent ist eine ganze Menge." Aus dem Wohngeld- und Mietbericht gehen teilweise noch drastischere Zahlen hervor: Die Mietbelastungen bei kleineren Haushalten lag demnach höher als bei größeren Haushalten. "Ein-Personen-Haushalte hatten 2017 eine Mietbelastung von 34 Prozent des Einkommens", heißt es da. Ab vier Personen betrug die Belastung 24 Prozent. In Haushalten mit geringen Einkommen frisst die Miete fast die Hälfte des monatlichen Geldes auf: Bei einem Nettoeinkommen unter 1.300 Euro kam die Miete auf einen Anteil von 46 Prozent.

Auffällig: Die Belastung fiel in den neuen Bundesländern geringer aus als im Westen. Hegner erklärt, dass sich die östlichen Regionen relativ moderat entwickeln. "Leipzig ist zwar prozentual die am stärksten wachsende Stadt in Deutschland." Aber die Großstädte seien nur kleine Hotspots in Ostdeutschland. Die Mieten fielen im Vergleich zum Westen noch niedriger aus als die Einkommen (→ hier steht, wie genau sich die Ostgehälter von denen im Westen unterscheiden).

Welche Maßnahmen könnten den Mietsteigerungen entgegenwirken?

Die vielleicht offensichtlichste Antwort darauf wäre, mehr Wohnraum zu schaffen. Dieser Meinung ist auch Ralph Hegner. Tatsächlich werde zurzeit viel gebaut. "Aber man kommt fast nicht mit dem Bauen hinterher." Jetzt müsse vor allem auf kommunaler Ebene der Rahmen gesetzt werden, damit diese Prozesse beschleunigt werden. Die Bundesregierung teilt diese Ansicht und setzt sich das Ziel, 1,5 Millionen neue Wohnungen in der laufenden Legislaturperiode zu schaffen.

Ulrich Ropertz hat Bedenken. Natürlich brauche man mehr Wohnungsneubau. "Aber bis das Angebot in etwa der Nachfrage gerecht wird, werden viele Jahre vergehen. Bis dahin brauchen wir mietrechtliche Regelungen, die den Mietenanstieg reduzieren."

Und was ist mit der Mietpreisbremse?

Die Mietpreisbremse wurde 2015 eingeführt, damit die Preise nicht zu stark steigen. Sie besagt, dass eine wieder vermietete Wohnung höchstens zehn Prozent über der Vergleichsmiete liegen darf.

Jedoch umfasst die Regelung viele Ausnahmen, sodass sie nach Ansicht des Deutschen Mieterbundes nicht effektiv genug ist. "Eine der klassischen Ausnahmen ist die sogenannte Vormiete. Wenn der Vermieter im früheren Mietverhältnis schon eine Miete gefordert hat, die mehr als zehn Prozent über der Vergleichsmiete liegt, darf er diese Miete auch weiterhin fordern", erklärt Ropertz. Die zweite Ausnahmeregel betreffe die Fälle von umfassenden energetischen Modernisierungen. "Auch die erlauben es dem Vermieter, höhere Mieten zu fordern."

Deutscher Mieterbund: Ausnahmen für Mietpreisbremse abschaffen

Ropertz plädiert dafür, diese Ausnahmen abzuschaffen und die Mietpreisbremse bundesweit einzuführen und "nicht nur an Standorten, die von den Landesregierungen festgelegt werden". Damit wäre die Regelung deutlich effektiver. "Wenn es dann noch eine Sanktion für Vermieter gäbe, die sich nicht an das Gesetz halten, dann wäre sie noch wirkungsvoller."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.