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Neue Naturbewusstseinsstudie - Mehrheit fordert mehr Schutz für die Meere

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Immer weniger Fische, immer mehr Müll: Die Mehrheit der Deutschen will einen besseren Schutz der Meere, wie eine neue Studie zeigt. Sie ist ein Weckruf an die Politik.

Archiv: Plastikmüll am Strand
Plastikmüll am Strand
Quelle: ZDF

Die Studie umfasst 70 Seiten und zeichnet ein umfangreiches Meinungsbild der Bevölkerung: die neue Naturbewusstseinsstudie. Durchgeführt vom Bundesumweltministerium (BMU) und dem Bundesamt für Nachturschutz (BfN) spiegelt sie eine eher skeptische Position der deutschen Bevölkerung wider – sowohl was den Naturschutz als auch die biologische Vielfalt betrifft. Die Befragung wurde bundesweit durchgeführt. Insgesamt 2.065 zufällig ausgewählte Personen aus der deutschsprachigen Wohnbevölkerung im Alter ab 18 Jahren nahmen an der Studie teil. Alle zwei Jahre wird die Umfrage wiederholt. Erstmalig abgefragt: Die Einstellung der Deutschen zum Meeresschutz.

Hohe Relevanz Meeresnatur

Bei der Frage nach den Umweltbeeinträchtigungen wurde der Plastikmüll in den Meeren von allen Befragten an erster Stelle genannt. 96 Prozent sehen darin ein großes bis sehr großes Problem. Zudem sprechen sich 83 Prozent für eine strengere Fischereipolitik aus. Es sollte mehr für den Schutz der Fischbestände getan werden, selbst wenn dadurch die Fischpreise steigen würden.

Der Staat sollte die Fischerei finanziell unterstützen, um so mehr Meeresschutz zu ermöglichen - auch wenn dies Steuergelder kostet. Und schließlich befürworten 90 Prozent die Kennzeichnung von Fischprodukten aus naturschonender Fischerei. "Die Bevölkerung in Deutschland gibt uns starke Signale, dass wir uns für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Meere einsetzen sollen. Sie weiß auch um die Gefährdung dieser Lebensräume durch Abfälle und Schadstoffeinträge", erklärt Beate Jessel, Präsidentin des BfN, bei der Veröffentlichung der neuen Naturbewusstseinsstudie.

Kritische Einschätzung: Gentechnik

Die aktuelle sowie die Befragungen der letzten Jahre zeigen, dass in der Bevölkerung die hohe Ablehnung von Gentechnik in der Landwirtschaft ungebrochen ist. 93 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass mögliche Auswirkungen auf die Natur immer untersucht werden sollten, wenn Pflanzen gezielt gentechnisch verändert werden. Aktuell kommt in der Landwirtschaft noch ein relativ neues Verfahren hinzu: CRISPR/Cas. Damit lässt sich das Erbgut von Organismen gezielt biotechnisch verändert. Fremd-Gene ganz anderer Organismen werden dafür nicht mehr benötigt. Ob das Verfahren und die Anwendung künftig einer Umweltprüfung unterliegen, wird politisch noch diskutiert.

Die Frage nach der gesellschaftlichen Akzeptanz der Agrotechnik ist daher hochaktuell. 79 Prozent der Befragten sprechen sich für ein komplettes Verbot von Gentechnik in der Landwirtschaft aus. Nur zwei Prozent halten das für überhaupt nicht wichtig. Interessant hierbei ist das Ergebnis der soziodemographischen Analyse im Hinblick auf ein Gentechnikverbot in der Landwirtschaft: Je älter die Befragten, desto wichtiger erachten sie ein Gentechnikverbot. Darüber hinaus fällt auf, dass die Befragten, die für ein Verbot votieren, einem finanziell besser situierten Personenkreis angehören. "Die Bedenken der Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Gentechnik nehme ich sehr ernst. Wir brauchen endlich bundesweit einheitliche Regelungen, um den Anbau von Genpflanzen zu verbieten", so Bundesumweltministerin Svenja Schulze.

Breite Zustimmung: Energiewende

Beim politischen Großprojekt "Energiewende" sind die Messwerte gegenüber der letzten Befragung (im Jahr 2015) konstant geblieben. 61 Prozent halten die Energiewende für richtig, 30 Prozent sind unentschieden, sieben Prozent positionieren sich dagegen.

Große Besorgnis: Biodiversitätsverlust

Dass die biologische Vielfalt auf unserer Erde abnimmt - davon sind 77 Prozent überzeugt. Auffällig ist, dass der Anteil derjenigen, die vom Rückgang der biologischen Vielfalt fest überzeugt sind, gegenüber der letzten Befragung im Jahr 2015 um zehn Prozentpunkte zugelegt hat. Vor allem Personen mit hohen Bildungsabschlüssen sind für die Gefährdung der Biodiversität sensibilisiert.

Große Sorgen machen sich die Befragten im Zusammenhang Biodiversitätsverlust und persönliche Beeinträchtigung. Zunehmender Flächenverbrauch durch Siedlungen, Gewerbe und Verkehrswege reduziert die biologische Vielfalt und führt häufig zu "weniger Grün". Doch obwohl die meisten Befragten der biologischen Vielfalt eine hohe persönliche Bedeutung zusprechen, erkennen viele nicht an, dass sie für deren Schutz auch selbst Verantwortung tragen: Lediglich 53 Prozent geben an, sich für die Erhaltung der Biodiversität verantwortlich zu fühlen. 45 Prozent sehen sich selbst nicht in der Pflicht. Dabei fühlen sich mehr Frauen als Männer selbst in der Verantwortung.

Die Bundesumweltministerin sieht in der Bewusstseinsschaffung im Hinblick auf Biodiversität Handlungsbedarf: "Mir ist wichtig, die Bürgerinnen und Bürger weiter für den Schutz der biologischen Vielfalt zu sensibilisieren. Die Naturbewusstseinsstudie ist hierfür eine wichtige Unterstützung." Und die Präsidentin des BfN zieht das Fazit: "Die vorliegende Studie fördert zu Tage: Um die jüngere Generation als zukünftige Verantwortliche für Naturschutzbelange stärker zu aktivieren, müssen wir vermehrt mit jungen Erwachsenen in den Dialog treten."

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