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Neues Sanierungskonzept - Aufatmen bei Opel

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Die Opel-Mitarbeiter atmen auf. Nach der Einigung zwischen Unternehmen und Betriebsrat und der Bekanntgabe des neuen Konzepts ist klar, dass vorerst keiner entlassen wird.

Archiv: Männer gehen am 06.04.2017 vor dem Werkstor des Automobilherstellers Opel
Die Angestellte vor dem Werkstor des Automobilherstellers Opel Quelle: dpa

Auch die Politik zeigte sich erleichtert, dass bei dem Autobauern bis Mitte 2023 niemand mehr fürchten muss, betriebsbedingt entlassen zu werden. Der vom neuen Opel-Mutterkonzern PSA angeschobene Personalabbau in den deutschen Standorten soll auf 3700 Menschen begrenzt bleiben, die das Unternehmen ausschließlich freiwillig über verschiedene Programme verlassen.

Diese Zahl ist bereits nahezu erreicht, wie beide Seiten versicherten. Opel-Chef Michael Lohscheller sowie die Vertreter von Betriebsrat und IG Metall erhielten bei einer Mitarbeiterveranstaltung am Stammsitz Rüsselsheim kräftigen Applaus für den in zwei Tagen gefundenen Kompromiss. "Wir sind schon erleichtert. Hoffentlich ist jetzt wirklich mal Ruhe", sagte ein Mitarbeiter beim Rausgehen.

Opel-Chef will in Zukunft investieren

Chef Michael Lohscheller begrüßte die Ergebnisse. "Ich habe mein Wort gehalten", sagte Lohscheller der "Bild"-Zeitung. "Es gibt bei Opel keine betriebsbedingten Kündigungen, keine Standortschließungen." Stattdessen werde "massiv in die deutschen Standorte" investiert, um diese fit für die Zukunft zu machen. Lohscheller hob besonders den "wichtigen Standort" im thüringischen Eisenach hervor. Dort soll künftig exklusiv das SUV-Modell Grandland X gebaut werden, das bisher in Frankreich vom Band läuft. "Außerdem werden wir in Eisenach unseren ersten Plug-in-Hybrid produzieren", sagte Lohscheller.

Lohscheller lobte auch die Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern und kündigte an: Wir haben alle unsere Werke wettbewerbsfähig gemacht und können nun die Investitionsentscheidungen auslösen. "Besonders dringend ist das im Werk Eisenach. Dort wird der Personalabbau auf 450 Leute begrenzt, rund 300 weniger als zunächst geplant. "Wie der Arbeitgeber die Beschäftigung letztendlich sichert, ob mit ein, zwei oder drei Fahrzeugen, das ist uns egal", erklärt dazu Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug." Aus diesem Eckpunkte-Papier kommt keiner mehr raus."

Opel-Logo an einer Aussenfassade
Opel steht vor Herausforderungen Quelle: dpa

Für das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim wurden weitere Projekte benannt wie die Entwicklung der nächsten Generation der 1,6-Liter-Benzinmotoren, die in der gesamten PSA-Flotte eingebaut werden. Doch ebenso wie für Kaiserslautern müsse der Arbeitgeber in Rüsselsheim noch nachlegen, verlangen Gewerkschaft und Betriebsrat. Lohscheller sagte Details in naher Zukunft zu. Mit der weitreichenden Beschäftigungssicherung bis Juli 2023 haben die Partner den Verhandlungsansatz umgedreht.

Keine Details verabredet

Ursprünglich wollten die Arbeitnehmer mit Opel/PSA die Sanierungsschritte im Detail verabreden, worauf sich die Franzosen aber offenbar nicht eingelassen haben. "Wir haben jetzt keine abschließende Investitions- und Projektliste vereinbart, sondern wir haben gesagt, wenn der Abbau erfolgt ist, ist der Deckel drauf beim Personalabbau", schildert Schäfer-Klug die neue Lage, die den Opel-Stamm von noch rund 15 000 Beschäftigten in Deutschland beruhigen soll. Dennoch: das im Metall-Flächentarif für das kommende Jahr vereinbarte Zusatzgeld wird bis 2023 ausgesetzt.

Neue Tariferhöhungen von 2020 an sollen den Opel-Beschäftigten jeweils erst verzögert zufließen, die genauen Fristen sind aber noch nicht verabredet. Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer nannte den Verzicht auf Tariferhöhungen nachvollziehbar. "Das ist eine gute Lösung auch für die Mitarbeiter." Ein fertiger Masterplan zur Opel-Sanierung sei aber immer noch nicht erkennbar, hier müsse PSA noch deutlich nachlegen. Größtes Problem für Opel bleibe der schwächelnde Absatz: "Lohscheller braucht einfach mehr Vertriebspower", sagte Dudenhöffer.

Auch Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach begrüßte den Kompromiss. Es komme nun darauf an, was Opel daraus mache. Die Marke müsse von ihrem Verlierer-Image wegkommen. Hessens schwarz-grüne Landesregierung zeigte sich erleichtert. Es sei wichtig, dass die Wettbewerbsfähigkeit von Opel gesichert bleibe und die Beschäftigten und ihre Familien eine verlässliche Perspektive hätten, sagten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne).

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