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"Nackter Wirtschaftsterrorismus" - Der Ton zwischen den USA und China wird schärfer

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Seit heute erhebt China Strafzölle auf US-amerikanische Waren in einem Volumen von 60 Milliarden US-Dollar. Der Ton auf beiden Seiten wird schärfer; der Handelskrieg zeigt Folgen.

Archiv: Containerschiff wird entladen in Norfolk, USA, aufgenommen am 09.05.2019
Ein Containerschiff wird entladen (Symbolbild)
Quelle: AP

Während US-Präsident Donald Trump gerade mit Mexiko einen weiteren Handelskonflikt eröffnet, gelten ab heute die Strafzölle, die China auf Waren aus den USA im Volumen von 60 Milliarden US-Dollar erhebt. Sie sind eine Reaktion auf die Strafzölle der USA auf chinesische Einfuhren im Volumen von rund 200 Milliarden US-Dollar. Die hatten die USA erst vor wenigen Wochen eingeführt.

Nächste Drohungen stehen schon im Raum

Die Zölle an der chinesischen Grenze gelten für ganz unterschiedliche Produkte aus fast allen Bereichen der amerikanischen Wirtschaft: Von Nahrungsmitteln wie Fleisch und Fisch bis hin zu Autoreifen (siehe Kasten). Nach der vorläufigen Liste sind 5.140 US-Produkte von den Sanktionen Chinas betroffen.

Anfang Mai hatte die Regierung in Washington neue Strafzölle gegen China angekündigt - noch während beide Seiten verhandelten. Mittlerweile sind die Verhandlungen auf hoher Ebene auf Eis gelegt, dafür überziehen sich beide Länder nicht nur mit Zöllen, sondern bereits mit den nächsten Drohungen. So hatten die USA mit ihrem Schritt angekündigt, auch alle übrigen chinesischen Einfuhren an der US-Grenze mit Zöllen belegen zu können. In Rede stehen damit noch einmal Waren im Volumen von über 300 Milliarden US-Dollar.

Huawei auf schwarzer Liste

Zudem haben die USA den Huawei-Konzern auf eine schwarze Liste gesetzt. Damit unterliegen die Geschäfte mit dem chinesischen Telekommunikations-Riesen und seinen Partnern in den USA strengen Kontrollen. Huawei seinerseits hat nun einen Eilantrag gegen diese Maßnahme vor einem amerikanischen Gericht eingelegt. "Die US-Regierung hat keine Beweise dafür vorgelegt, dass Huawei eine Sicherheitsbedrohung ist", sagte der Chefjurist des Konzerns, Song Liuping. "Es gibt keine Waffe, keinen Rauch. Nur Spekulationen." Gemäß der bisherigen Planung des Gerichtes ist eine Anhörung erst für Mitte September geplant, was Huawei mit dem Eilantrag beschleunigen will.

Auch die Regierung in Peking verschärft nun die Tonart. Die Art der Administration in Washington, den Handelskonflikt bewusst zu schüren, sei "nackter Wirtschaftsterrorismus", sagte Chinas stellvertretender Außenminister Zhang Hanhui am Donnerstag in Richtung USA. Unterdessen hatte das US-Handelsministerium angekündigt, Strafzölle auch auf Matratzen und Bierfässer aus China einführen zu wollen.

Auch China spürt die vom US-Präsidenten verhängten Strafzölle und schlägt nun zurück. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann berichtet.

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China fährt schweres Gerät auf

Die Volksrepublik wiederum hat nun die ihrerseits gefährlichste Waffe gezogen: Die Regierung in Peking droht damit, die Ausfuhr seltener Erden zu beschränken. Diese Gruppe chemischer Elemente ist zentral für die Produktion etwa von Smartphones und anderen hochmodernen technischen Geräten.

Die Drohung wiegt umso schwerer, weil die USA rund 80 Prozent dieser Rohstoffe aus China beziehen. "Wenn die Chinesen ihren Deckel auf die seltenen Erden machen, dann heißt das, dass wir in einen Mangel kommen", sagt Aktienhändler Oliver Roth der Brokerage-Bank Oddo Seydler. "Die Preise werden gigantisch ansteigen und damit auch die waren teurer werden." Was wiederum zu weniger Verkäufen führen würde und die globale Wirtschaft bremsen könnte.

Wachstum schwächelt - weltweit und in Deutschland

In China hat der Handelskrieg bereits Spuren hinterlassen - dort deuten sich geringere Auftragseingänge in der Industrie an: Im Mai ist ein Indikator für die Stimmung von Managern, die für den Einkauf ihrer Unternehmen zuständig sind, um 0,7 auf 49,4 Punkte gesunken, teilten die Statistiker in Peking mit. Ein Wert unter 50 signalisiert einen Rückgang.

Da China die Lokomotive der Weltwirtschaft ist, bleibt das nicht ohne Folgen. So hat der Internationale Währungsfonds jüngst festgestellt, dass der Handelskonflikt bereits in einem abschwächenden Wachstum der Weltwirtschaft seine Spuren hinterlässt. Auch deutsche Unternehmen sind betroffen. So haben Daimler und BMW vor dem Hintergrund des Handelskonfliktes zwischen China und den USA im vergangenen Jahre ihre Gewinnprognosen senken müssen. Denn viele der Autos, die sie in den USA bauen, sind auch für den Export nach China bestimmt.

Nächstes Risiko: USA und Mexiko

In dieser Hinsicht wirft auch der nächste Schachzug der US-amerikanischen Administration nun losgetretene Handelskonflikt seine Schatten voraus - also die Drohung von Strafzöllen für Mexiko. Damit will Trump die illegale Einwanderung aus Mexiko in die USA stoppen. "Aus Trumps Sicht ergibt das durchaus Sinn, weil er hier wieder eines seiner Wahlversprechen versucht umzusetzen und damit seine Wählerschaft bedient", sagt der Chefvolkswirt der ING-Bank (bis Jahreswechsel: ING DiBa), Carsten Brzeski.

Für die Kfz-Branche allerdings könnte auch dieser Konflikt negative Folgen haben. Denn deutsche Autobauer haben in der Vergangenheit und im Zuge der nordamerikanischen Freihandelszone in Mexiko Produktionsstätten aufgebaut. Dort konnten sie vergleichsweise preiswert produzieren und die Autos dann in die USA und nach Kanada verkaufen.

Sollten nun Zölle an der mexikanischen Grenze fällig werden, würden auch die sie treffen. "Wir leben in einer Welt der Globalisierung, wo alle Nationen in irgendeiner Form miteinander verbunden oder sogar voneinander abhängig sind", sagt Oddo-Seydler-Aktienhändler Roth. "Das gilt aber auch für die Vereinigten Staaten von Amerika. Bei dieser Art, Politik zu machen, gibt es keine Gewinner, sondern nur Verlierer."

Doku | ZDFinfo Doku - Chinas Marsch nach Westen

"Ein Band, eine Straße" – das ist der Masterplan für ein riesiges wirtschaftliches Netzwerk entlang neuer Seidenstraßen, die China mit Europa verbinden sollen.

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43 min
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