Sie sind hier:

Neue Vorwürfe im Fall Weidel - AfD-Scharmützel im Süden

Datum:

Neue Details in der Causa Weidel: Der Ex-Landeschef ihres Landesverbands soll Interna an die Presse durchgesteckt haben - brisante Vorwürfe, kurz vor dem AfD-Landesparteitag.

Alice Weidel steht in der Kritik. Archivbild
Alice Weidel steht in der Kritik. Archivbild
Quelle: Felix Kästle/dpa

Es liest sich wie eine Szene in einem Mafiafilm. Anastasija Koren, Geschäftsführerin der AfD Baden-Württemberg, beobachtet im November 2018, wie ihr damaliger Landessprecher, Ralf Özkara Parteiinterna und Kontoauszüge an die Presse weitergibt. Sie sieht ihm dabei zu, in einem Nebenraum. Danach verspricht sie ihm, alles Gesehene nicht zu verraten. Zuvor habe sich Özkara mit Frank Kral, dem Schatzmeister der AfD Baden-Württemberg abgesprochen. Im Gedächtnisprotokoll beschreibt sie es gegenüber dem ZDF wie folgt:

"Herr Kral hatte Herrn Özkara darüber informiert, dass Zahlungseingänge von einer Schweizer Firma auf das Bankkonto des Kreisverbandes Bodensee eingegangen sind. Herr Kral bestätigte diese Eingänge. Weiter informierten mich die beiden, dass ein spezielles Konto des KV Bodensee dafür eingerichtet worden ist. Als ich nachfragte, ob die Herren diese Information nicht lieber direkt an die Landesvorstandskollegen geben sollten, bekam ich die Antwort, dass die beiden Herren planen am Wochenende die 'Bombe' platzen lassen zu wollen. Frau Weidel hätte unsachgemäß gehandelt. Sie hätte der Partei somit geschadet und sollte nun vorgeführt werden."

Fünf Tage später traf Özkara mit Pressevertretern in der Landesgeschäftsstelle ein und forderte Unterlagen des KV Bodensee an, so schreibt es Koren in einer eidesstattlichen Erklärung, die dem ZDF exklusiv vorliegt. Weiter heißt es darin: "Ich sah aus dem Flur, wie die Personen in den Auszügen blätterten und Fotos anfertigten."

Kral "Eine infame Intrige"

Der Beschuldigte Ralf Özkara, der damalige Landeschef, ist - wie vor vier Tagen publik wurde - aus der Partei ausgetreten. Deshalb fühle sich Koren auch nicht mehr an ihr Ehrenwort gebunden, erklärt sie schriftlich gegenüber dem ZDF.

Özkara war einst Meuthens Büroleiter. Und zwar im Landesverband Baden-Württemberg, dem Verband der Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und vom Parteivorsitzenden Jörg Meuthen. Die Brisanz kommt durch diese Verquickungen zustande. Und durch die vielen noch offenen Fragen: Wer hat über 100.000 Euro an Weidels Heimatverband überwiesen? Warum? Wer wusste davon? Die neusten Enthüllungen entlasten Weidel bzw. ihren Kreisverband keineswegs, sie werfen aber auf die gesamte Spendenaffäre ein neues Licht.

Der von Koren belastete damalige und jetzige Schatzmeister Kral antwortete auf ZDF-Anfrage und behauptet, die Aussagen von Koren entsprächen zum Teil der Unwahrheit. "Eine infame Intrige", schreibt Kral und spricht von einer Verleumdung. Koren und Kral sitzen nach wie vor in demselben Landesverband Baden-Württemberg.

Gögel: Der Inhalt der Erklärung hat höchste Brisanz

Der neue AfD-Landesvorsitzende Baden-Württembergs, Bernd Gögel, schrieb am Mittwochabend eine Email an alle Kreisvorstände. Darin heißt es: "Der Inhalt der Erklärung hat höchste Brisanz (...) Es erklärt, warum der Landesverband erst am 12.11.2018 von der Spendenaffäre in Kenntnis gesetzt wurde." Und weiter: Die Erklärung belaste ein ehemaliges und ein aktives Mitglied des Landesvorstandes.

Übersetzt heißt das: Es brennt die Hütte. Eine Intrige mit Hauen und Stechen im Süden der Republik.

Am kommenden Wochenende findet der Landesparteitag in Pforzheim statt. Auf der Tagesordnung steht auch die Spendenaffäre und jetzt ganz sicher die neuesten Vorwürfe. Vom Büro Weidel kam bislang übrigens kein Kommentar zu den neusten Entwicklungen. Sie selbst wird auch in Pforzheim sein. Die Erklärung beinhaltet Sprengstoff für den gesamten Landesverband. 

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.