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Kommentar - Diess und das vom neuen Volkswagen

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Der Gemischtwarenladen ist Geschichte. Breit und schlank zugleich, so soll der Volkswagen-Konzern der Zukunft aussehen.

Autorenbild: Peter Kunz - Herbert Diess (VW)
Peter Kunz kommentiert den Neuen an der VW-Spitze: Herbert Diess Quelle: ZDF/dpa

Breit aufgestellt, was die Herausforderungen in einer sich wandelnden Autowelt angeht. Schlanker in der Führungsstruktur, mit verdichteter Verantwortung bei einzelnen Fahrzeuggruppen. Damit ist der Gemischtwarenladen Geschichte, der VW vor allem unter dem langjährigen Firmenpatriarchen Ferdinand Piech geworden war. Piech wollte Größe,  Einfluss, einen Wolfsburger Giganten. Ihm war wichtig, die LKW-Sparte mit dem Zukauf von MAN und Scania auszubauen.

Jetzt sollen die schweren Nutzfahrzeuge mittelfristig an die Börse gehen, sich vom Machtzentrum in Wolfsburg lösen. Das ist tatsächlich einmal ein Kulturwandel bei Volkswagen. Denn damit würden auch die Eignerfamilien Porsche und Piech sowie das Land Niedersachsen als entscheidender Anteilseigner einen Teil ihres Einflusses abgeben.

Alles dem Kostendruck und der Strategie untergeordnet

Bisher galt bei der VW-Macht das Prinzip Bündelung. So wie auch der neue Konzernchef Herbert Diess jetzt wiederholt, was der in der Dieselkrise ausgeschiedene Ex-Vorstandsvorsitzende Winterkorn als sein Unternehmensziel verwirklicht hatte: oberster Lenker des Konzerns zu sein und gleichzeitig Chef der Kernmarke VW. Diess kann durchregieren und betreibt darüber hinaus auch noch Mikromanagement in den ihm selbst unterstellten Bereichen Forschung und Entwicklung sowie Fahrzeug-IT.

Er ist ein durchaus charmanter Österreicher, wenn er in Talkshows auftritt. Aber er kann offensichtlich auch ein aufbrausender, unnachsichtiger Boss alter Schule sein, der Kollegen gern mitten im Satz abbricht und alles dem Kostendruck und der Strategie unterordnet. Er riskiert auch schon mal die bei Volkswagen so gern beschworene harmonische Balance im Betrieb, wie sich bei seinen ersten Auseinandersetzungen mit dem Konzernbetriebsrat gezeigt hat.

Aufräumen im Manager-Mittelbau wird folgen

Inzwischen sind sich Diess und der in der Neustrukturierung ebenfalls noch mächtiger gewordene Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh offenbar näher gekommen und haben für den Moment einen Modus miteinander gefunden. Aber sie werden sich auch wieder reiben. Jetzt schon ist die rasante Veränderung in der Welt der Mobilität die größte Herausforderung für den größten Autobauer der Welt und Deutschlands Arbeitgeber Nummer eins.

Die 620.000 Jobs bei VW weltweit sind immer nur bis zur nächsten Wegbiegung sicher. Dem Ausfegen in der Chefetage wird das Aufräumen im Manager-Mittelbau folgen. "Wir werden das Tempo nochmal erhöhen", kündigte Herbert Diess bei der Erläuterung seiner Umbaupläne an. Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten also nicht mehr für den frisch überholten Volkswagen.

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