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Neuer Ditib-Chef pocht auf Anerkennung als Religionsgemeinschaft

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Kazim Türkmen im ZDF-Interview - Neuer Ditib-Chef pocht auf Anerkennung als Religionsgemeinschaft

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Der neue Ditib-Vorsitzende will den deutsch-türkischen Moscheeverband reformieren. Wichtigstes Ziel sei es, als Religionsgemeinschaft anerkannt zu werden, sagte Türkmen im ZDF.

Kazim Türkmen, der neue Vorsitzende, gibt im ZDF-Interview Auskunft über den Ditib-Neuanfang.

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Für die Anerkennung als Religionsgemeinschaft sollen nach den Worten von Kazim Türkmen die regionalen Ditib-Vertreter mit den Länderregierungen erneut in einen Dialog treten und den Austausch vertiefen, sagte der islamische Theologe in der ZDF-Sendung "Forum am Freitag". Der Status der Religionsgemeinschaft bringt mehrere Vorteile: So hätte Ditib mehr Rechte beim Religionsunterricht und er wäre Voraussetzung, um Geld aus einer möglichen Moscheesteuer zu bekommen.

"Da gab es ein Imageproblem"

Auch in Bezug auf den islamischen Religionsunterricht wolle der Verband das Gespräch weiterführen. Dazu kündigte Türkmen an, den Posten eines Geschäftsführers zu etablieren. Außerdem wolle man das Schulreferatssystem einführen, so Türkmen, "zuerst in Hessen, obwohl das von uns nicht erwartet wird". Sein Verband habe in der Vergangenheit einen unzureichenden Dialog mit den Medien geführt, fügte Türkmen hinzu, der Beamter des türkischen Staates ist. "Da gab es ein Imageproblem, und die Ditib konnte keine eigenen Akzente setzen." Hier wolle sich der Verband künftig öffnen. Der 46-jährige Botschaftsrat für religiöse Angelegenheiten an der türkischen Vertretung in Berlin war zu Jahresbeginn in diese Position gewählt worden.

Dass in naher Zukunft eine Frau Ditib-Vorsitzende werden könne, ist laut Türkmen vorstellbar, aber schwierig: Der Ditib-Vorsitzende sei gleichzeitig auch Theologe und müsse das Freitagsgebet leiten und predigen. "In unserer Tradition ist das für Frauen nicht vorgesehen, und die Gemeinschaft würde das nicht akzeptieren. In dieser Hinsicht wäre es problematisch, aber ansonsten durchaus möglich."

Es ist das erste Interview des neuen Vorsitzenden mit einem öffentlich-rechtlichen Sender und das erste Interview eines Ditib-Vorsitzenden im deutschen Fernsehen.

Moscheeverband steht weiter in der Kritik

Der deutsch-türkische Moscheeverband steht unterdessen weiterhin in der Kritik. Nach Medienberichten war Türkmen bis zuletzt noch Abteilungsleiter bei Diyanet in Ankara, dem Amt für religiöse Angelegenheiten in der Türkei. Zu dem aus sieben Mitgliedern bestehenden Ditib-Vorstand gehört auch Ahmet Dilek, der als Religionsattache in Köln die Dossiers über Oppositionelle an die Regierung in Ankara weitergeleitet haben soll. Ende 2016 war bekannt geworden, dass Ditib-Imame in deutschen Moscheen türkische Regimegegner ausspioniert hatten. Seither sorgt der Verband immer wieder für Debatten, zuletzt wegen eines zu Jahresbeginn von der Diyanet organisierten europäischen Islamkongresses, bei dem unter anderen Mitglieder der radikalen Muslimbruderschaft zugegen waren.

Die Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) ist mit rund 950 Moscheegemeinden und über 100 Kulturvereinen der größte islamische Dachverband in Deutschland. Die Imame in Moscheen des Verbandes werden aus der Türkei entsandt. Der Vorsitzende der Ditib ist Beamter der türkischen Regierung. Dem Verband wird daher oft nachgesagt, ein verlängerter Arm der türkischen Regierung zu sein.

In den letzten Jahren geriet die Ditib aufgrund dieser Nähe immer mehr unter politischen Druck. Bereits auf Länderebene ausgehandelte Staatsverträge sowie diverse Kooperationen mit Bund und Ländern wurden auf Eis gelegt. Auch die Beteiligung der Ditib beim islamischen Religionsunterricht in Hessen und Nordrhein-Westfalen wurde in jüngster Zeit infrage gestellt.

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