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Neuer Trend - Fahrschulen werden elektromobil

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Generationen von Fahrschülern haben ein erprobtes Programm abgespult - und jetzt wird alles anders? Vielleicht nicht alles - aber so einiges. Schließlich sind die Autos der Zukunft ja auch etwas anders. Fest steht: Langsam aber sicher kommt das Thema E-Mobilität in Fahrschulen an.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) verwies bei "maybrit illner" darauf, dass sich eine in der Folge des so genannten Dieselgipfels eingesetzte Arbeitsgruppe sehr wohl mit der Möglichkeit von Hardware-Nachrüstungen befasse. Die …

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Tesla gegen Ferrari, Tesla gegen Lamborghini, Tesla gegen Muscle Cars: Auf den Videokanälen im Netz gibt es reichlich von solchen Duellen in Beschleunigungsrennen zu sehen. Völlig zurecht, denn 2,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h beim Model S lassen die meisten PS-Boliden einfach schwach aussehen. Nun ist natürlich nicht jedes Elektroauto so auf Leistung getrimmt wie ein Tesla, aber das Beispiel zeigt: E-Mobile beschleunigen anders als unsere herkömmlichen Pkw mit Verbrennermotoren. Grund genug eigentlich, gerade Fahrschülern gleich von Anfang an ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie man in einigen Jahren unterwegs sein wird.

Wo ist die nächste Ladestation?

Auch wenn man derzeit kaum Elektromobile als Fahrschulfahrzeuge auf den Straßen sieht, beschäftigt das Thema die Fahrschulen schon länger. Dabei tauchten in der Vergangenheit so manche Stolpersteine auf. "Ein Problem war, dass wir eigentlich erst mit dem e-Golf ein Fahrzeug zur Verfügung hatten, das auch prüfungstauglich war", sagt Gerhard von Bressensdorf, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände.

Ein Elektrofahrzeug anzuschaffen sei aber erst der eine Schritt, wie von Bressensdorf in seiner eigenen Fahrschule in Sonthofen erfahren musste: "Das eigentliche Drama begann in dem Moment, wo ich auch eine Ladestation in der Nähe unserer Fahrschule haben wollte." Nun sind in den vergangenen Jahren zwar immer mehr solcher Stationen in Deutschland entstanden - aber die Lücken sind weiterhin groß. Laut eafo, dem Marktbeobachter der Europäischen Kommission zum Thema alternative Kraftstoffe ist die Zahl der Ladestationen in Deutschland von 1.500 (plus 18 Schnellader) im Jahr 2012 auf mittlerweile immerhin 18.334 (plus 1.961 Schnellader) gestiegen.

Kampf mit Vorbehalten von Eltern

Aber nicht nur mit Ladestationen haben Fahrschulen zu kämpfen, wenn sie Unterricht auf Elektromobilen anbieten möchten, sondern auch mit Vorbehalten - und das häufig seitens der Fahrschüler-Eltern. "Elektroautos sind nun einmal Automatikfahrzeuge. Und wenn man nur auf Automatikgetriebe lernt, darf man später auch nur solche Autos fahren", so Gerhard von Bressensdorf. Weshalb Fahrschulen, die auch auf Elektrofahrzeugen unterrichten, dazu übergegangen sind, einen Mix aus Elektro- und Verbrennerfahrzeugen anzubieten.

"Diese duale Ausbildung hat eine Menge Vorteile", sagt Matthias Wimpff, Vorstand der Academy Holding, einem Zusammenschluss von rund 250 Fahrschulen in Deutschland. In einem gemeinsamen Projekt mit Mercedes-Benz haben einige Academy-Schulen im Jahr 2015 Unterricht auf Elektrofahrzeugen angeboten. "Ein Ergebnis war, dass E-Mobile durch die Automatik gerade in den ersten Fahrstunden große Lernfortschritte ermöglichen, weil die Fahrschüler sich ganz auf den Verkehr konzentrieren können und nicht noch das Schalten lernen müssen", so Wimpff. Später, wenn es an die letzten Fahrstunden ging, hätten die Schüler dann auch zügig das Schalten im konventionellen Auto erlernt.

Kombination verkürzt die Ausbildungszeit

Eine Erfahrung, die auch Christian Huck gemacht hat. Der ehemalige Geschäftsführer und Projektleiter hat in den Jahren 2013 bis Anfang 2016 am Weiterbildungszentrum Ulm ein Stück Pionierarbeit in Sachen Fahrlehrerausbildung begleitet. "Eigentlich wissen wir schon seit den 80er Jahren, dass Unterricht mit Automatikgetriebe die Ausbildungszeit verkürzt und Fahrschüler schneller sicherer unterwegs sind. Aber da sind eben auch die hartnäckigen Vorurteile, dass nur diejenigen auf Automatik fahren, die zum Schalten zu ungeschickt sind." Gerade am Anfang des Projektes hätte es auch bei manchem beteiligten Fahrlehrer eine große Portion Skepsis gegeben, ob der Unterricht auf Elektroautos sinnvoll wäre.

Dass die Fahrschüler dies häufig ganz anders sehen, könne man feststellen, wenn sie nach den ersten Stunden auf einem Elektroauto dann in einen Verbrenner umsteigen. "Da hat mancher schon gefragt, ob das Auto defekt sei. Ein Elektroauto fährt eben schneller an, ruckelt weniger und bremst direkter", sagt Christian Huck.

Automatik? Keinesfalls uncool!

Dass Elektrofahrzeuge in den Augen der Fahrschüler keinesfalls uncool sind, hat auch Gerhard von Bressensdorf festgestellt: "Wir haben nach Umfragen in Fahrschulen ganz klar das Signal bekommen, dass unsere Schüler sich durchaus vorstellen können, später nur noch mit Automatik zu fahren. Und wenn man sich die Entwicklung der herkömmlichen Autos anschaut, dann besteht dieser Trend ja ohnehin schon länger."

Auf maximal 3 Prozent schätzt von Bressensdorf aktuell den Bestand an Elektroautos in deutschen Fahrschulen. "Der Anteil der Hybridfahrzeuge wächst stärker, auch wegen der Unsicherheiten beim Diesel", sagt der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. E-Mobilität steckt in Deutschland eben noch in den Kinderschuhen. "Es wird aber eindeutig mehr, vor allem in den Ballungsräumen werden wir einen massiven Zuwachs an Elektrofahrzeugen sehen", bestätigt Matthias Wimpff. "Und damit wird auch der Fahrlehrer immer mehr zum Mobilitätsberater."

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