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BND eröffnet Neubau in Berlin - Festakt für die Festung

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Der Bundesnachrichtendienst ist vom kleinen Pullach nach Berlin gezogen und feiert heute seine neue Zentrale mit großem Pomp. Die Botschaft: moderner, mehr Transparenz. Von wegen.

Der Monolith „Das Ding“ von Stefan Sous liegt in der Vorfahrt zum Gebäude in der neuen Zentrale in der Chausseestraße in Berlin, aufgenommen am 22.11.2018
Einweihung BND-Gebäude in Berlin
Quelle: dpa

Der neue Bau ist riesig: über 5.000 Zimmer, 14.000 Fenster, das Grundstück so groß wie vierzehn Fußballfelder, auch in den beiden großen Atrien im Hauptgebäude wäre locker Raum für Ballsportturniere oder Bogenschützenwettbewerbe, mit Zuschauerrängen bis in den siebten Stock. 80.000 Kilometer Kabel wurden hier verlegt, das reicht fast zweimal um die Welt, die der BND von hier aus im Blick behalten soll. Und diese Herausforderung ist noch gigantischer.

Aus dem wohlgeordneten Kalten Krieg, in dem sich die Schlapphüte aus Ost und West über Jahrzehnte gemütlich einrichten konnten, ist ein wildes Durcheinander einander ablösender und gegenseitig überlappender Krisen geworden. Frühere Feinde erschienen gelegentlich als Freunde. Und andersherum, man erinnere sich nur an die Sache mit der NSA. Immer wieder hat der BND da die Übersicht verloren und nicht selten wurde er dabei erwischt. Viele Sitzungen des BND-Untersuchungsausschusses waren vor allem lang. Einige aber auch legendär.

Mit dem Umzug hofft man auf Generationenwechsel

Die Bundesregierung und natürlich der Geheimdienst selbst verbinden deswegen gerne mit dem Umzug aus der ehemaligen Nazi-Siedlung im verschlafenen Pullach in die quirlige Mitte Berlins das Versprechen auf einen Kulturwandel. Und einen Generationenwechsel: Viele alte Kalte Krieger, zu Beginn die Speerspitze des Widerstands gegen den Ortswechsel, sind im Ruhestand. Jüngere drängen nach, sie alle haben den Dienstort Berlin im Vertrag und die meisten wollten auch von vornherein dorthin.

Der Dienst verjüngt und modernisiert sich, im Idealfall gilt das für Technik und Personal. An seiner der Innenstadt zugewandten Ecke betreibt der BND nicht nur eine moderne Agentenschule, sondern tatsächlich auch ein Besucherzentrum. Mehr Offenheit war nie, wer je in Pullach vor meterhohen Mauern auf Einblicke gehofft hat, reibt sich zunächst erstaunt die Augen.

Zentrale des Bundesnachrichtendienstes
Zentrale des Bundesnachrichtendienstes
Quelle: dpa

Ein gläserner Bau bedeutet noch keine Transparenz

Natürlich ist es mit der zur Schau gestellten Offenheit wie mit dem Blick in ein Aquarium: Man sieht den Fisch, doch was ihn bewegt, erschließt sich noch lange nicht. Genauso wenig wie bodentiefe Fenster und Glasfronten im Kanzleramt Auskunft geben über das, was Regierende und Beamte dahinter vorhaben. Am besten wissen das aus leidvoller Erfahrung die neun Bundestagsabgeordneten, die den Bundesnachrichtendienst kontrollieren sollen.

Vor einiger Zeit wurden zwar die Befugnisse des Parlamentarischen Kontrollgremiums erweitert und ihm ein eigener Beauftragter samt wachsendem Stab zur Seite gestellt. Verbessert aber hat das wenig. Wann immer sich das Häuflein Abgeordneter dem riesigen Apparat entgegenstellt, blieben die Kräfte ungleich verteilt, klagen vor allem Oppositionspolitiker, die als Einzelkämpfer im Gremium sitzen und vor lauter Geheimhaltung nur sehr selten Aufgaben an ihre Mitarbeiter delegieren können. Die Kontrolle kommt da zwangsläufig zu kurz.

Streng gesicherte Festung

Mit dem Geheimdienst ist es wie mit seiner neuen Zentrale: von außen besser sichtbar. Nahbar, mit Schnittstellen zum wirklichen Leben. Doch hinter dem beinahe leicht wirkenden Zaun verbergen sich hinter gefälliger Bepflanzung Mauern und Gräben, Alarmeinrichtungen und Stacheldraht, Panzerglas und Sicherungssysteme, die den Bau zur Festung machen.

Seit dem Einzug der Agenten kommt kein Außenstehender mehr in den Kernbereich rein. Selbst die Lage des Präsidentenbüros wurde geheim gehalten, bis er selbst sie dann doch ausplauderte: Er habe Blick aufs Kanzleramt, berichtete Bruno Kahl zum Entsetzen seiner Sicherheitsleute in aller Öffentlichkeit, jeder Spaziergänger in der Nachbarschaft kann sich nun leicht ausmalen von wo. So ist das mit der Transparenz beim Geheimdienst: An der Spitze wird gerne darüber geredet, drunter aber gilt sie vielen als Fehler.

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