Sie sind hier:

Neues Entlassmanagement - Aus der Klinik raus - und weiter versorgt

Datum:

Eine Operation überstanden, aus dem Krankenhaus entlassen - und dann? Viele Patienten stehen bislang vor einem Berg an Problemen. Das soll sich ab Sonntag nun ändern. Dann sind Kliniken verpflichtet, ein sogenanntes Entlassmanagement zu organisieren.

Seit Jahren müssen die Versicherten mehr Geld für ihre Gesundheit bezahlen. Die Kassen schieben das auf gestiegene Kosten im Gesundheitswesen. Doch ist das allein der Grund?

Beitragslänge:
28 min
Datum:

So schnell wie möglich nach Hause! Die meisten Patienten möchten nach einer Krankenhausbehandlung möglichst bald wieder in den eigenen vier Wänden leben. Doch viele fühlen sich auch überfordert: Wie läuft die Behandlung weiter, wer sorgt - gerade bei Entlassungen zum Wochenende - für die Krankschreibung? Und wer besorgt notwendige Medikamente? An der Schnittstelle zwischen Krankenhaus und ambulanter Behandlung gab es bislang viele Lücken in der Versorgung.

Versorgungskette soll nicht abreißen

Das soll sich von Sonntag an ändern. Denn ab dann sind die Krankenhäuser in Deutschland laut Sozialgesetzbuch verpflichtet, den Patienten für den Übergang eine weitere medizinische Versorgung zu organisieren. Ziel des neuen "strukturierten Entlassmanagements", auf das sich Krankenkassen, Kassenärzte und Krankenhausgesellschaft nach langen Verhandlungen geeinigt haben, ist es, die Entlassung aus dem Krankenhaus rechtzeitig und ausführlich vorzubereiten und die Versorgungskette nicht abreißen zu lassen.

Künftig muss also der behandelnde Klinikarzt ermitteln, ob der Patient über den Aufenthalt hinaus weitere medizinische oder pflegerische Behandlung benötigt. Er muss beispielsweise Hausarzt oder Apotheker über den Gesundheitszustand und die weitere Therapie informieren, Leistungsanträge an die Krankenkasse stellen, um die Kostenübernahme zu gewährleisten und weitere Termine koordinieren.

Dazu müssen ein Entlassplan, ein Entlassbrief und ein Medikationsplan erstellt werden. Der Entlassbrief wird dem Patienten bei der Entlassung aus dem Krankenhaus ausgehändigt. Sofern Bedarf besteht, kann der Klinikarzt dem Patienten außerdem Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel, häusliche Krankenpflege oder Therapie für bis zu sieben Tage nach der Entlassung verordnen.

Mehr Aufwand für Kliniken

Wichtig ist, dass die Patienten von Anfang an einbezogen werden. Auch die Weitergabe von Informationen durch die Klinik an andere Leistungserbringer wie Fachärzte oder Pflegedienste und Reha-Einrichtungen erfordert engen Austausch: Bevor Daten übergeben werden dürfen, müssen Ärzte schriftlich das Einverständnis des Patienten einholen.

Das neue Entlassmanagement bedeutet für Krankenhäuser und deren Mitarbeiter einen zusätzlichen Verwaltungsaufwand. Denn Dokumentation und Koordination der Anschlussbehandlung erfordern mehr Übergaben von Dokumenten an niedergelassene Kollegen oder andere Institutionen.

Kliniken werden nicht mehr nach Verweildauer bezahlt

Eine Verbesserung des Entlassmanagements und damit die Schließung der Versorgungslücken hatte der Bundestag im sogenannten Versorgungsstärkungsgesetz von 2015 festgeschrieben. Hintergrund ist auch das seit 2003 eingeführte neue Vergütungssystem in Krankenhäusern: Seitdem werden die Kliniken nicht mehr nach der Verweildauer der Patienten bezahlt, sondern nach festgelegten Fallpauschalen je Krankheit.

Deshalb liegt es im Interesse der Kliniken, Patienten möglichst schnell wieder nach Hause zu schicken - was nach Einschätzung mancher Kritiker zu viel zu schnellen Entlassungen führt. In der Tat hat sich die durchschnittliche Verweildauer der Patienten in Deutschland seit 1992 fast halbiert: von 13,3 Tagen auf 7,3 Tage im Jahr 2016.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.