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Kostenfreies Adressenverzeichnis - Neues Portal für Wohnungslose: Wo+Wie

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Wohnungslosigkeit hat viele Gesichter und Geschichten - Hunderttausende sind in Deutschland betroffen. Ein neues Onlineportal will ihnen jetzt schnellere Hilfe ermöglichen.

Eine eigene Wohnung – das ist ein Grundrecht, aber immer mehr Menschen können sich dies nicht mehr leisten, werden wohnungslos. Das lässt die Zahl der Obdachlosen explodieren.

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Wohnzeitschriften und Wohnblogs boomen. Zu Hause soll es richtig schön sein - oder wie man heute ganz skandinavisch trendy sagt: hygge. So mancher hat aber ganz andere Probleme als die Frage, ob die Küche nun vorwiegend weiß sein soll oder doch mit reichlich Farbtupfern versehen sein darf: die Suche nach einem Dach über dem Kopf nämlich. Viele Menschen in Deutschland haben gar keine eigene Wohnung. Je nach Schätzung etwa 400.000 bis über 800.000.

Oft kommen Wohnungslose eine zeitlang bei Freunden unter

Längst nicht jeder, der keine eigene Wohnung hat, "macht Platte", schläft also irgendwo in Parks oder sonst wo im öffentlichen Raum. "Die Übergänge sind fließend", sagt Volker Busch-Geertsema, Projektleiter der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung (GISS) in Bremen. "Oft finden Menschen ohne Wohnung eine Unterkunft bei Freunden, können dort eine zeitlang auf dem Sofa schlafen. Aber auch solche Formen der informellen Versorgung versiegen irgendwann, und schließlich landen die Betroffenen dann doch auf der Straße oder in der Obdachlosenunterkunft", so Busch-Geertsema.

Und dann? Spätestens an diesem Punkt will das neue Wo+Wie-Internetportal der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) weiterhelfen. "Basis ist das Adressverzeichnis 'Wo+Wie', das seit Jahrzehnten kontinuierlich ausgebaut wird", sagt Werena Rosenke, Geschäftsführerin der BAG W. Bislang wurden diese Informationen vorwiegend von Professionellen aus der Sozialarbeit genutzt. Neu ist nun, dass all diese Daten auch direkt und kostenfrei im Internet verfügbar sind.

Suche im Portal offenbart Lücken

Und so funktioniert es: User können bei ihrer Suche nach Hilfe ortsbezogen nach unterschiedlichen Hilfsangeboten suchen - dazu zählen unter anderem "Beratung", "Ärztliche Versorgung", "Arbeitsangebote" und "Drohender Wohnungsverlust". Wahlweise lässt sich auch in allen Kategorien gleichzeitig suchen - was aktuell wohl die bessere Wahl ist, wie folgender Testversuch am Beispiel Dortmund zeigt.

Zwei Angebote finden sich für die 600.000-Einwohner-Stadt für Männer, vier für Frauen. Versucht man nach Einzelbereichen zu filtern, wird es schwierig: Lediglich ein konkretes Angebot für eine Notübernachtung findet sich dort - für Frauen. Beratung, ärztliche Versorgung, Tagesaufenthalt oder Hilfe bei drohendem Wohnungsverlust? Fehlanzeige.

Etwas konkreter wird es bei der Suche rund 100 Kilometer entfernt in der Millionenstadt Köln. Für Männer beispielsweise finden sich nach Kategorien sortiert je eine Adresse für Notunterkunft und Tagesaufenthalt, vier für ärztliche Versorgung und sogar zwei für drohenden Wohnungsverlust. Beratung allgemein? Auch hier Fehlanzeige.

Wohnungslosigkeit in Deutschland

Angebot beschränkt sich noch auf freie Träger

Nun liegt es möglicherweise an noch ausstehenden Zuweisungen innerhalb der Datenbank, dass die Detailsuche nach Angeboten für Wohnungslose sich direkt nach dem Start des Portals recht holprig darstellt. Oder hakt es woanders? "Man muss wissen, dass sowohl das gedruckte Verzeichnis als auch das jetzige Internetangebot sich bislang auf die freien Träger beschränkt", sagt Busch-Geertsema von der GISS. Gerade im Bereich des drohenden Wohnungsverlustes seien aber meist kommunale Einrichtungen zuständig. "Diese sind bislang nicht erfasst. Um effektive Hinweise auf Hilfe für alle Betroffenen und deren unterschiedlichen Notlagen zu geben, wäre es wünschenswert, recht zügig auch diese kommunalen Ansprechpartner aufzunehmen", so der Sozialwissenschaftler.

Hilfesuchende können dennoch Nutzen aus dem neuen Wo+Wie-Portal ziehen. In den meisten Fällen kennen auch die Mitarbeiter der freien Träger die zuständigen Ansprechpartner bei den Kommunen - zum Beispiel die Fachstellen zur Wohnraumsicherung. Ein Türöffner zu den verschiedenen Hilfsangeboten ist das frei zugängliche Portal also allemal.

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