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Neues Pflegeberufegesetz - Ein umstrittener Kompromiss

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Mehr als zwei Jahre haben CDU, SPD, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände verbissen um die Reform der Pflegeausbildung, um das neue "Pflegeberufegesetz" gestritten. Heute hat es der Bundestag verabschiedet. Kritiker halten das neue Gesetz für einen fragilen Kompromiss.

Nach mehr als zwei Jahre verabschiedet der Bundestag am Mittwoch das neue "Pflegeberufegesetz". Ein zentrales Ziel der Reform ist es, die Pflegeberufe attraktiver zu machen und den teilweise schon bestehenden Pflegenotstand zu beenden.

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Das "Pflegeberufegesetz" macht seinem sperrigen Namen alle Ehre: Vorgesehen war eigentlich einmal, die Kranken-, Kinderkranken- sowie Altenpflege einfach zu einer gemeinsamen Ausbildung zusammenzulegen. Der Kompromiss, der gefunden wurde, sieht anders aus: Zwar lernen die Schüler in den ersten zwei Jahren ihrer Ausbildung gemeinsam, im dritten Jahr aber wird es eine Differenzierung geben. Dann entscheiden die Schüler, ob sie sich in ihrem dritten Ausbildungsjahr entweder auf die Kinderkrankenpflege oder auf die Altenpflege spezialisieren oder ob sie einen generalistischen Abschluss anstreben. Allerdings soll auch im Rahmen dieses Abschlusses eine Vertiefung in der Alten- oder Kinderkrankenpflege möglich sein.

Erfreulich für die Auszubildene: Das Schulgeld, das noch in vier Bundesländern erhoben wird, soll überall abgeschafft werden.

Viele Altenpflegekräfte befürworten das Gesetz

Gerade die schlecht bezahlten Altenpflegekräfte erhoffen sich von dem neuen Gesetz ein höheres Ansehen ihres Berufs. "Wenn man in die Gesellschaft hineinhorcht, dann kriegt man zwar eine gewisse Art Anerkennung, aber im Großen und Ganzen ist die Meinung der Gesellschaft über die Altenpflege doch noch eher ziemlich weit unter der Krankenpflege zum Beispiel", sagt Sven Rottke, Altenpfleger in einer Demenz-Wohngemeinschaft im schleswig-holsteinischen Rendsburg.

Außerdem könne dem Fachkräftemangel in der Altenpflege mit einer besseren Vergütung der neuen Pflegeausbildung entgegengewirkt werden.

Kinderkrankenpflegekräfte und Gesundheitsverbände kritisieren das Gesetz

Kritik am neuen Gesetz kommt zum Beispiel von Monika Trent, Kinderkrankenpflegerin in Rendsburg. Für sie funktioniert das alte System der getrennten Ausbildung in den Pflegeberufen gut. Nur so sei garantiert, dass Kinderkrankenpflegeschüler auch die für ihren späteren Beruf notwendigen Spezialkenntnisse erlangten. Ein Jahr - freiwillige - Spezialisierung, wie sie das neue Gesetz vorsieht, reiche nicht aus.

"Ganz viel an Erfahrung beziehungsweise an Wissen kann gar nicht vermittelt werden im Bereich der Kinderkrankenpflege, und da wird das Lernen hinterher im Beruf stattfinden und nicht in der Ausbildung. Und dann wird einfach sehr viel Erfahrung verlorengehen“, meint die Kinderkrankenpflegerin.

Der Bundesverband Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe, BLGS, glaubt, dass die große Koalition mit diesem Kompromiss europäische Mindeststandards unterläuft und die angemessene pflegerische Versorgung der Bevölkerung immer stärker gefährdet. Von Pflegestudiengängen, wie es sie in vielen Ländern Europas gäbe, sei im neuen Gesetz gar nicht mehr die Rede.

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