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Neues vom Arbeitsmarkt - Azubis - Objekte der Begierde

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Wer die Schule hinter sich hat und erst einmal keine akademischen Träume hegt, der ist in diesen Wochen Objekt der Begierde auf dem Arbeitsmarkt. Azubis sind Mangelware. Aus dem Vortanzen der Bewerber von einst ist ein Schaulaufen der Arbeitgeber geworden.

Das Handwerk blickt auf ein Rekordjahr 2016 zurück. Die Auftragsbücher sind voll, doch Kunden müssen oft lange warten. Denn es fehlen Fachkräfte und Auszubildende. #ZDFzoom hat schon im vergangenen Sommer über die Misere berichtet. Manche …

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Unternehmen müssen sich anstrengen, gute Bewerber und Bewerberinnen zu finden. Das schlichte Stellenangebot auf der Website oder die Kleinanzeige in der Lokalzeitung reichen längst nicht mehr aus. Ein Drittel der Betriebe konnte 2016 nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen, 40.000 Stellen blieben offen.

Kampf um die Besten Bewerber

Dennis Schuster hält sein nagelneues Tablet in der Hand, ein teures Markengerät, das ihm sein künftiger Arbeitgeber, die Deutsche Bahn, zum Vertragsabschluss überreicht. Als künftiger Kaufmann für Verkehrsservice wird er das Tablet zum Lernen und während der Arbeit nutzen, aber es steht ihm auch zum privaten Gebrauch zur Verfügung. Der 22-Jährige aus Taunusstein hat genau hingeschaut, bevor er sich beworben hat: "Wichtig ist auch, dass die Deutsche Bahn das Private etwas leichter macht, beispielsweise kriegt man hier ein Tablet, man kriegt Mietzuschüsse, man kriegt die Fahrkarten zur Berufsschule."

Die Bahn hat sich einiges einfallen lassen: "Wir müssen mit anderen Unternehmen konkurrieren und mithalten können, uns als Arbeitgeber positionieren, um die besten Auszubildenden zu gewinnen", sagt Judith Alflen, die als Recruiterin bei der Deutschen Bahn Azubis einstellt. Wichtig sei neben der Aussicht auf gute Ausbildung und einen sicheren Arbeitsplatz den Wünschen der jungen Leute entgegenzukommen: "Vielen wollen unabhängig werden vom Elternhaus, und da spielen Leistungen wie ein Mietzuschuss eine wichtige Rolle." Hier zahlt die Bahn bis zu 350 Euro im Monat zusätzlich zur Ausbildungsvergütung.

Ausbildung ist Chefsache geworden

In vielen Unternehmen ist Ausbildung zur Chefsache geworden. Wer heute nicht ausbildet, dem fehlen morgen die Fachkräfte, und die zunehmende Spezialisierung in vielen Arbeitsbereichen erfordert nicht nur geschickte Hände, sondern auch einen wachen und flexiblen Intellekt.

Gerd Sagawe, promovierter Ingenieur, ist als Mitglied der Geschäftsleitung beim Roßdorfer Anlagenbauer "EnviroChemie" auch für die Ausbildung zuständig. Im Werk bei Darmstadt entsteht hochmoderne Wasseraufbereitungstechnik. Ausgebildet werden hier unter anderem Chemielaboranten und Anlagenmonteure. "Wir stellen uns auf verschiedenen sozialen Plattformen vor, gehen auf Ausbildungsmessen und suchen vor allem auch den Kontakt zu den Schulen in der Region." Sagawe legt Wert auf Eigenverantwortlichkeit und Selbstständigkeit des Berufsnachwuchses.

Gemeinsame Ausflüge als Anreiz

Gute, passende Bewerberinnen und Bewerber werden bei EnviroChemie vor allem durch die besondere Art der innerbetrieblichen Ausbildung überzeugt: Projekt- und Teamarbeit statt eintöniger Lehrwerkstatt, dazu der Austausch über verschiedene Standorte in Deutschland und der Schweiz hinweg. "Beispielsweise konstruieren die Auszubildenden zusammen eine Pilotanlage, mit allem was dazu gehört, da hat jeder seinen eigenen Aufgabenbereich."

Und außerdem holen die Roßdorfer alle zwei Jahre ihre Azubis zu einem zweitägigen Teambildungsprogramm zusammen, mit gemeinsamen Ausflügen. Demnächst steht etwa eine Höhlenwanderung auf dem Programm. "Wir setzen also nicht auf Gadgets und Geschenke, sondern auf die individuelle Qualität der Ausbildung. Und wir sichern zu, dass wir unsere Leute langfristig beschäftigen und sie gezielt weiter entwickeln." Damit habe EnviroChemie bisher guten Erfolg bei Nachwuchs-Rekrutierung, freut sich Gerd Sagawe.

Auch sehr begehrt: Studienabbrecher

Beispiele wie das der Deutschen Bahn und das der EnviroChemie folgend einem Trend, den die jüngste Ausbildungsumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) belegt. Jeder zweite Betrieb hat demnach sein Ausbildungsmarketing verbessert. Elf Prozent setzen auf materielle Anreize: Hier werden vor allem zusätzliche Urlaubstage oder die Förderung von Mobilität genannt, aber auch die Übernahme von Fitnessstudiokosten.

Der Azubi von heute prüft genau, bevor er sich bindet, das wissen die meisten Unternehmen. Und sie wissen auch um eine vielversprechende, stetig wachsende Zielgruppe: die der Studienabbrecher. 42 Prozent der Betriebe haben deshalb laut DIHK verstärkte Anstrengungen zur "Erschließung neuer Bewerbergruppen" aufgelegt.

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