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Deutsche Polarstation - Neumayer III: Zahlen und Fakten

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Wetter, Tiere, Luft, Ozonloch: Die Wissenschaftler auf der Antarktis-Station Neumayer III beobachten fast alles um sie herum. Zahlen und Fakten zur deutschen Forschung am Südpol:

Richtfest an der Neumayer-Station III im Jahr 2009
Richtfest an der Neumayer-Station III im Jahr 2009.
Quelle: Alfred-Wegener-Institut

Auf der deutschen Forschungsstation Neumayer III wird breit geforscht: Die Wissenschaftler beobachten praktisch alles um sie herum: Das Wetter, die Chemie der Umwelt, die Luftqualität, das Ozonloch, das Erdmagnetfeld oder seismische Signale weit entfernter Erdbeben. Auch Langzeit-Messreihen werden fortgeführt, die schon Anfang der 1980er Jahre begonnen wurden. Wie sich die deutsche Forschung am Südpol entwickelt hat - ein Überblick:

Geschichte der deutschen Antarktis-Stationen

Die DDR betrieb mit der Georg-Forster-Station bereits seit 1976 eine ganzjährig besetzte Station in der Antarktis. Die 1981 im Ekström-Schelfeis errichtete Georg-von-Neumayer-Station war die erste antarktische Überwinterungsstation der Bundesrepublik Deutschland. Benannt wurde sie nach dem Geophysiker und Polarforscher Georg von Neumayer (1826-1909). Schon diese erste Station diente als wissenschaftliches Observatorium für Geophysik, Meteorologie und Luftchemie. Da die Röhrenkonstruktion durch den jährlichen Zuwachs an Schnee und die eigene Wärmeentwicklung immer tiefer in das Eis eingesunken war, wurde 1992 etwa zehn Kilometer entfernt die Station Neumayer II gebaut. Nach weiteren 17 Jahren war auch diese ähnlich konstruierte Station 15 Meter unter der Oberfläche versunken und durch die sich bewegenden Eismassen stark verformt. Die 2009 eingeweihte Neumayer-Station III wurde so gebaut, dass ihre Lebensdauer mindestens 25 Jahre betragen soll. Die Kosten für das gesamte Projekt belaufen sich auf 39 Millionen Euro.

 Technische Daten von Neumayer III

Neumayer III wird vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) betrieben. Um nicht dasselbe Schicksal wie die beiden Vorgängerstationen zu erleiden, wurde sie auf 16 hydraulischen Stelzen errichtet, die bei Bedarf die gesamte Plattform anheben können. Die 68 mal 24 Meter große und 2.300 Tonnen schwere Station bietet auf vier Etagen knapp 5.000 Quadratmeter geschützte Nutzfläche. Dies entspricht etwa der Größe eines Fußballplatzes. Davon sind 2.118 Quadratmeter klimatisiert bzw. beheizt. Den Bewohnern stehen 15 Räume mit 48 Betten sowie zwölf Büros und Labore zur Verfügung. Drei Dieselgeneratoren mit je 160 Kilowatt Leistung und ein Windkraftwerk (30 Kilowatt) versorgen die Station mit Energie. Dafür verbraucht das Blockheizkraftwerk monatlich im Schnitt 20.000 Liter Dieselkraftstoff. Um diesen Verbrauch zu reduzieren und die antarktischen Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometer pro Stunde effektiver zu nutzen, soll der Anteil der erzeugten Windenergie gesteigert werden.

Umweltverträglichkeit

Dass die Station Neumayer III durch ihre hydraulischen Stelzen mitwachsen kann, verlängert nicht nur ihre Lebensdauer. Bei der speziellen Konstruktion ging es auch um Umweltschutz, denn anders als ihre Vorgänger wird diese Station nicht im ewigen Eis versinken und dort als Relikt zurückbleiben. Neumayer III wurde vielmehr so konzipiert, dass die aus 128.000 Einzelteilen bestehende Stahlkonstruktion bis auf die letzte der insgesamt 16.000 verwendeten Schrauben zurückgebaut werden kann. Auch im laufenden Betrieb wurde auf ökologische Aspekte geachtet: Abwasser wird biologisch geklärt und für die Toilettenspülung wiederverwendet. Der Schlamm der vollbiologischen Kläranlage wird getrocknet und zusammen mit dem anderen Müll per Eisbrecher wieder nach Hause transportiert.

Forschungsfelder

Das Spektrum der wissenschaftlichen Forschungsfelder der Neumayer-III-Station ist breit gefächert. Das Meteorologie-Observatorium der Station startet regelmäßig Wetterballone mit Sonden, um Temperatur, Luftfeuchte, Luftdruck, Wind und die Verteilung von Ozon in der Atmosphäre zu messen. Außerdem gibt es Studien zur Luftchemie, zum Magnetfeld der Erde und zum Meereis. Auch die Tierwelt wird erforscht, wie zum Beispiel eine Kolonie von Kaiserpinguinen in der Nähe von Neumayer III. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe betreibt hier außerdem eine Infraschall-Station, die einen Beitrag zur Kontrolle des Kernwaffenteststopp-Vertrags leistet. Auch der Deutsche Wetterdienst ist auf Neumayer III vertreten. Die Wetterexperten sind hier nicht nur für die deutsche Station tätig, sondern beraten auch Partnerländer wie Russland, Norwegen und Südafrika mit Flugwettervorhersagen.

Gewächshaus EDEN-ISS

Seit 2017 ist auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit dem Gewächshaus EDEN-ISS Teil des Neumayer III-Komplexes. Das EDEN-ISS-Projekt soll die Frage beantworten, ob und wie Nutzpflanzen auch im Weltall oder in klimatisch ungünstigen Regionen angebaut werden können. In dem Gewächshaus gedeihen die Pflanzen ganz ohne Erde, Tageslicht oder Pestizide. Stattdessen werden die Wurzeln computergesteuert mit einer Nährstofflösung versorgt. Das Projekt erwies sich bislang als voller Erfolg: Nach der Aussaat im Februar 2018 konnten schon im Juni 39 Kilogramm Salat, 35 Kilo Gurken, 17 Kilo Tomaten, 7 Kilo Kohlrabi und 4 Kilo Radieschen geerntet werden.

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