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Terror-Anschlag auf Moscheen - Wieviel Schuld hat das Netz 2.0?

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Der Attentäter von Christchurch hat seine Bluttat in die Welt übertragen und sogar in den Sozialen Medien angekündigt. Terrorexperten kritisieren nun die mangelnde Netzkontrolle.

Peter Neumann, Terrorismusexperte am Londoner King‘s College, meint: Ziel des Attentäters sei es, "Nachahmer zu finden". Sein Gedankengut habe er aus dem Netz, wo er in "virtuellen Subkulturen unterwegs ist".

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Der Attentäter von Christchurch hat nicht nur Dutzende Menschen erschossen - er hat seine Tat per Livestream in die ganze Welt übertragen und in den Sozialen Medien im Vorfeld angekündigt. In den vergangenen Tagen kursierten rechtsextreme Äußerungen des mutmaßlichen Täters auf Online-Accounts bei Twitter, Facebook oder Youtube, auf Bildern waren die Waffen zu sehen, die am Freitag zum Einsatz kamen.

Im Internet radikalisiert

Auf der Seite 8chan, die kaum Regeln für ihre Nutzer vorgibt und auch extreme Inhalte veröffentlicht, publizierte der Täter ein 84-seitiges Manifest, in dem er seine Motivation für den Anschlag offenlegte. Darin schreibt er auch, dass er sich im Internet radikalisiert hat. Die großen Plattformen versuchten nach der Tat, die Bilder und Videos wieder zu löschen - zunächst mit gemischten Erfolg.

Zwar sind die Twitter- und Facebook-Konten inzwischen stillgelegt, die der mutmaßliche Täter genutzt hat und auf denen die Bilder und Videos ursprünglich veröffentlicht wurden. Doch erfolgreich ist das nicht, Ausschnitte und Screenshots wurden weiterhin hochgeladen und waren am Freitag für jedermann zu sehen - obwohl Polizei und Politik dazu aufriefen, derartige Informationen zu löschen.

"Umfangreich und zugänglich"

"Die Menge an Information und Propaganda, die mit Rechtsextremen, Linksextremen oder Dschihadisten verbunden ist, ist umfangreich und zugänglich", sagt Nolwenn Bervas, Terrorexperte bei der Risk Advisory Group. Es gebe eine Menge Orte im Internet, an denen sich Menschen wie der Angreifer radikalisieren könnten. Der Attentäter habe in seinem Manifest geschrieben, man könne die Wahrheit nirgendwo sonst finden.

Nachrichten | ZDF spezial - Reaktionen aus dem Netz

Von einer der dunkelsten Stunden für Neuseeland, spricht die Premierministerin. Die ganze Welt zeigt sich geschockt - und reagiert im Netz.

von Axel Storm
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Auch Anwita Basu, Expertin bei der Forschungsabteilung der Zeitschrift Economist, sagt, die sozialen Netzwerke hätten Einfluss auf die weltweiten Sicherheitsrisiken. "Mehr als alles andere bieten sie eine Plattform, auf der extremistische Ansichten geteilt werden."

Die Firmen selbst äußerten sich betroffen. Facebook twitterte, die Polizei habe das Unternehmen auf den Live-Stream aufmerksam gemacht. "Wir haben das Facebook- und Instagram-Konto des Angreifers sowie das Video schnell entfernt." Das Unternehmen werde auch, sobald es davon erfahre, jegliches Lob oder jegliche Unterstützung der Tat und des Täters löschen.

"Unsere Herzen sind gebrochen"

Youtube, das zur Google-Mutter Alphabet gehört, twitterte: "Unsere Herzen sind gebrochen nach der schrecklichen Tragödie in Neuseeland." Twitter erklärte, das Unternehmen arbeite mit den Ermittlern zusammen und verfüge über ein Team, das in derartigen Fällen aktiv werde. Der Politik reicht das aber nicht aus.

Nachrichten | ZDF spezial - Die Spur führt nach Europa

Über die Hintergründe der Tat ist noch vieles unklar. Der Haupttäter soll gebürtiger Australier sein. Kurz zuvor hatte er im Internet eine Hassschrift gepostet. Darin führen die Spuren seiner rechtsextremen Motivation auch nach Europa.

von Gert Anhalt
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Die EU arbeitet an schärferen Gesetzen, in Deutschland gelten bereits die Vorschriften des Netzwerkdurchsetzungsgesetz (Netz-DG), wonach extremistische Inhalte binnen einer Stunde gelöscht werden müssen. Der britische Innenminister Sajid Javid sagte nach der Tat, die sozialen Netzwerke müssten eine Mitverantwortung übernehmen. "Ihr müsst mehr tun, um die Werbung für gewaltsamen Extremismus auf euren Plattformen zu stoppen", schrieb er auf Twitter an Youtube, Google, Facebook und Twitter gerichtet. "Genug ist genug."

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