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Digitale Unterwelt - New York Times: wenn Medien ins Darknet gehen

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Die New York Times hat sich ins Darknet gewagt. Mit der digitalen Unterwelt verbinden viele Menschen vor allem Illegales. Allerdings wird es auch schon von Medien genutzt.

Bildschirm mit der Aufschrift "Darknet"
Bildschirm mit der Aufschrift "Darknet" Quelle: picture alliance / MAXPPP

"www.nytimes3xbfgragh.onion" - so lautet die kryptisch erscheinende Adresse der New York Times im Darknet. Die US-amerikanische Traditionszeitung lässt sich natürlich weiterhin über die Haupt-Webadresse "nytimes.com" besuchen. Im Darknet hat sie sich eine Art zweite, alternative Zugangstür zugelegt, über die sie sämtliche Inhalte anbietet.

Gedacht für Freunde der Anonymität

Runa Sanvik, Chefin für Informationssicherheit bei der New York Times, nennt die Initiative in einem Statement "ein Experiment in sicherer Kommunikation". Die Darknet-Präsenz sei speziell den Leserinnen und Lesern gewidmet ist, die eh mit dem Anonymisierungsbrowser Tor im Netz unterwegs sind. Sei es, weil bei ihnen das Internet zensiert ist, weil sie sich vor drohender Überwachung schützen wollen oder weil sie schlicht die Idee von Anonymität im Internet sympathisch finden.

Die Endung ".onion" steht für das Darknet auf Basis der Anonymisierungssoftware "Tor". Das lässt sich nur mithilfe eines speziellen Browsers betreten, der dafür sorgt, dass Nutzer nicht mehr einfach so identifiziert werden können. Der Tor-Browser verlangsamt das Aufrufen einer Webseite allerdings erheblich.

Darknet-Postfächer für Whistleblower

Schon zuvor hatte die New York Times einen ersten, kleinern Schritt ins Darknet getan. Sie bietet dort ein besonders anonymes Postfach an, über das potenzielle Whistleblower Dokumente hochladen können. Das Projekt basiert auf der Software SecureDrop, die von der US-amerikanischen Freedom of the Press Foundation entwickelt und von mehr als 30 Medien genutzt wird. Darunter sind weitere bekannte Namen wie der britische Guardian, die Washington Post, die Nachrichtenagentur AP und das Magazin Vice. Auch der deusche IT-Verlag Heise hat ein solches Darknet-Postfach sowie die Tageszeitung taz, wobei diese eine eigene technische Umgesetzung gewählt hat.

Eine Darknet-Adresse auf dem eigenen Rechner

Neben diesen Postfächern gibt es noch zwei weitere Anwendungen der Darknet-Technologie für den Journalismus. Über das Programm OnionShare, das ebenfalls aus dem Umfeld der Freedom of the Press Foundation stammt, lassen sich Dokumente abhörsicher tauschen. Dabei richtet die Software auf dem Rechner des Absenders kurzzeitig eine Darknet-Adresse ein. Von der kann der Empfänger dann mithilfe des Tor-Browsers die Datei herunterladen.

Mit dem Programm Ricochet dagegen können Textnachrichten verschickt werden, wiederum über automatisch erzeugte Darknet-Adressen. Beide Programme sollen es Journalisten ermöglichen, mit ihren Quellen oder mit anderen Journalisten abhörsicher und unerkannt zu kommunizieren.

Gut und böse im Darknet

All das Illegale, wie es immer wieder im gängigen, medialen Bild des Darknet vermittelt wird, gibt es dort tatsächlich, wobei sich der Großteil von Cybercrime und illegalen Geschäften immer noch im klassischen Internet abspielt. Mit seinen höchstens 100.000 Nutzern pro Tag und nur wenigen tausenden aktiven Seiten ist das Darknet ein digitaler Winzling.

Die politische oder zumindest nicht illegale Nutzung dieses anonymen Orts durch Menschenrechts-Aktivisten, durch Oppositionelle im Ausland oder durch Journalisten, ist weniger bekannt. Und sie ist im Vergleich mit den illegalen Marktplätzen auch noch deutlich weniger entwickelt. Mit dem Gang der New York Times, einer der wichtigsten, globalen Medienmarken, ins Darknet gibt es zumindest ein weiteres legales Angebot in der digitalen Unterwelt.

Wie Darknet funktioniert

Mythos Darknet

Der Schüler David S. tötet am 22. Juli 2016 beim Amoklauf in München neun Menschen und sich selbst. Die Waffe bezog er zuvor aus dem Darknet, einem schwer zugänglichen Teil des Internets.

Beitragslänge:
42 min
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