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Umweltschutz made in New York - Austernriffe aus alten Toiletten

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Vor fünf Jahren traf Hurrikan Sandy New York City hart. Um die Stadt künftig besser vor Superstürmen zu schützen, starteten Schüler und Wissenschaftler das "Eine-Milliarde-Austern-Projekt". Künstliche Austernriffe sollen die Küste sichern und die Wasserqualität verbessern.

Wer mitten in der Nacht Heißhunger auf Austern hat, dem kann auf der französischen Insel Îl de Ré geholfen werden. Der Austernzüchter Tony Bertholt bietet seit Frühjahr einen Austernautomaten an. Austernliebhaber können sich hier jederzeit an frischen …

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Die Austern, die in der berühmten Oyster Bar im New Yorker Grand Central Terminal serviert werden, stammen nicht aus dem New Yorker Hafen, sondern aus Massachusetts, Maine und Kanada. 25 bis 30 verschiedene Sorten stehen auf der Speisekarte des Traditionsrestaurants. Sie gehören zu den Lieblingsspeisen vieler New Yorker. Eine halbe Million Austern werden jede Woche in den Restaurants am Big Apple verspeist.

Austern-Hauptstadt New York

"Vor 200 Jahren kamen die Hälfte aller Austern, die weltweit konsumiert wurden aus New York", sagt Pete Malinowski. Der studierte Meeresbiologe ist Sohn eines Austernfischers auf Long Island. "Die New Yorker Bucht war im 17. Jahrhundert von riesigen Austernriffen umgeben und einer der biologisch produktivsten Orte der Erde."

200 Jahre später waren die Austern vor New York verschwunden, buchstäblich weggegessen. Das Wasser im Hafen hatte sich durch Abwässer und Müll in eine schlammige, stinkende Brühe verwandelt. Der Clean Water Act Anfang der 1970er Jahre verbesserte die Wasserqualität zwar. Aber Austern, Muscheln und viele Fischarten siedelten sich nicht mehr an. Das muss sich ändern, meint Malinowski. "Austern sind viel mehr als eine kulinarische Spezialität. Sie verbessern beispielsweise die Wasserqualität. Eine einzige Auster filtert pro Stunde fast vier Liter - und reduziert so den Stickstoffgehalt des Wassers."

Hurrikan Sandy schutzlos ausgeliefert

Darüber hinaus sind Austernriffe ein wichtiger Küstenschutz. Ohne die vorgelagerten natürlichen Wellenbrecher sind die Küsten New Yorks Stürmen schutzlos ausgeliefert. Was das bedeutet, erlebten die 8,5 Millionen New Yorker als Hurrikan Sandy im Oktober 2012 Straßen und U-Bahntunnel überflutete, Brücken zum Einstürzen brachte und die Energieversorgung lahmlegte. 147 Menschen starben damals.

Präsident Obama setzte eine "Task Force Hurricane Sandy" ein. Sie sollte die dringende Frage beantworten "Wie können wir New York künftig sturmsicher machen?" Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt "Living Breakwaters" ein Team aus Forschern und Stadtplanern. Ihre Idee: Der Bau riesiger, künstlicher Austernriffe.

Austern: Helden im Kampf gegen Klimawandel

„Die Auster ist klein, unscheinbar, aber ein echter Held im Kampf gegen den Klimawandel“, sagt Landschaftsarchitektin Kate Orff. "Austern-Architektur", "oyster-tecture", nennt sie deshalb ihr Küstenschutzprojekt. Genau wie Meeresbiologe Malinowski hofft sie, New York wieder in das zurück zu verwandeln, was es einmal war: die Austern-Hauptstadt der Welt.

Um das zu erreichen, will Malinowski bis zum Jahr 2035 eine Milliarde lebende Austern in den Gewässern rund um New York ansiedeln. Das Ganze ist ein gigantisches Umwelt- und Wasserschutzprojekt und gleichzeitig ein Forschungsprojekt für Schüler. An der New Yorker Harbor School, züchten Fünfzehn- und Sechzehnjährige Austernlarven, überwachen Wachstum und Wasserqualität. Die Schule, eine reguläre öffentliche High School auf Governors Island, bietet Kurse in Meeresbiologie, Ozeanografie, Wasser und Küstenmanagement an.

"Es ist wichtig, möglichst viele New Yorker mit ins Boot zu holen, schließlich geht es um die natürliche Lebensgrundlage von uns allen", sagt Malinowski, der an der Harbor School unterrichtet. Weitere 50 New Yorker Schulen unterstützen das Milliarden-Austern-Programm mit Mini-Forschungsstationen am Hudson und East River. Und 70 New Yorker Restaurants sind ebenfalls mit an Bord. Sie sammeln tonnenweise Austernschalen, die jede Woche von Lastern abgeholt werden. Die recycelten Schalen sind der Grundstein für neue Austernriffe.

Schulklos als Austernriffe

Diese Riffe bestehen übrigens nicht nur aus recycelten Kalkschalen, sondern auch aus Porzellan. Genauer gesagt: Aus alten Kloschüsseln! Im Rahmen eines Sanierungsprogramms an New Yorker Schulen, wurden in den vergangenen Jahren mehr als 5.000 Toiletten ausgetauscht. Neue, umweltfreundliche Schulklos sollen Millionen Liter Wasser sparen. Statt die alten Toiletten auf die Müllhalde zu werfen, schlug die New Yorker Umweltbehörde vor, sie zu zerschlagen und die Scherben als Grundlage für die Austernriffe zu benutzen. "Natürlich werden die Klos nicht einfach zertrümmert und im Hafen versenkt", beruhigte ein Sprecher der Behörde. Nach gründlicher Reinigung lagern die Scherben monatelang auf Plastikplanen im Freien, bevor sie verbaut werden.

"Seit dem Start des Eine-Milliarde-Austern-Projekts haben wir bereits 22 Millionen Austern im New Yorker Hafen angesiedelt, sagt Malinowsi. 978 Millionen fehlen noch bis zum Ziel.

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