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Hochschulen und Nexus - Austausch gegen Abbruch

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In Deutschland gibt es viele Studienabbrecher. Das Nexus-Projekt der Hochschulrektorenkonferenz soll Abhilfe schaffen. Ob es tatsächlich etwas bewirkt? Eine Bestandsaufnahme.

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Studenten Quelle: dpa

Ziel des Nexus-Projekts ist, die Übergänge von Schule zu Studium und zum Arbeitsmarkt so zu gestalten, dass der Studienerfolg nachhaltig verbessert und Abbrüche verringert werden. "Wir versuchen die Anforderungen, die Bologna vor 20 Jahren an die Hochschulen gestellt hat, mit Experten-Meinungen und Praxisbeispielen zu moderieren", sagt Peter Zervakis, Projektkoordinator der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Zielgruppe sind Lehrende und Verwaltung, die für die Umsetzung der Europäischen Studienreform zuständig sind.

Nexus ist ein Projekt der HRK, das seit 2010 die Hochschulen bei der Weiterentwicklung der Studienprogramme und dem Ausbau der Studienqualität unterstützt. Gerade tagt die HRK zum Thema in Berlin. Nexus ist vor allem eine Erfahrungs-Austausch-Plattform von Hochschulen für Hochschulen. Übertragungsfähige Maßnahmen werden von Nexus weiter verbreitet. "In einer Datenbank sammeln wir "good Practice"-Beispiele, die wir für nützlich halten, damit andere sich darüber Anregungen holen können", fügt Zervakis hinzu.

Ein Praxis-Beispiel

Die Hochschule Offenburg ist so ein "good practice"-Beispiel. Für viele Studenten ist das Einstiegssemester "startIng" eine Hilfestellung, damit sie sich an die Ingenieurswissenschaften herantrauen. Manuele Moll, Projektkoordinatorin der Hochschule, erklärt, dass "startIng" fachliche Orientierung biete. "Seit wir 2011 mit startIng begonnen haben, ist die Studienabbruchquote deutlich gesunken", fügt Moll hinzu. Das Einstiegssemester kam durch eine Förderung des baden-württembergischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) und dessen Programm "Studienmodelle individueller Geschwindigkeiten" 2010 zustande.

Die Offenburger Bewerber-Zahlen zeigen, dass die Verantwortlichen einen Nerv getroffen haben: Sie steigen. Der ausgebildete Optiker Dominik Maehl studiert im vierten Semester Elektrotechnik und Informationstechnik an der Hochschule Offenburg. Er entschied sich für das Einstiegssemester, weil er sein Studium ohne Abbruch wollte: "Ich hätte sonst nicht gewusst, welche Herausforderungen auf mich zukommen und ob ich sie schaffe."

Bessere Kommunikation zwischen Verwaltung und Lehre

Für Zervakis gehen Hochschulen wie Offenburg einen jeweils eigenen Weg. Das Projekt bietet dabei Orientierung an, denn "die Hochschulen sind ja gerade in der Lehre ein großes Versuchslabor geworden." Ziel ist, das Gespräch über Veränderungen in der Lehre zu strukturieren und zu Lösungen beizutragen, die aus den Hochschulen kommen.

So soll ein Kulturwandel angestoßen werden. "Bologna ist von der Politik schlecht vermittelt worden, so dass die Studienreform zunächst teilweise abgelehnt wurde; da versuchen wir von unten heraus konstruktive Antworten zu bündeln", fügt Zervakis hinzu. Aber passiv sei die Rolle von Nexus nicht: "Das Aktive ist, dass wir versuchen, mit Hilfe von Veranstaltungen, Publikationen und Fachgutachten die richtigen Impulse zu setzen". Ein Problem in Hochschulen sei oft die Kommunikation – beispielsweise zwischen Verwaltung und Lehrenden. Diese soll durch Nexus verbessert werden.

Die Hochschul-Realität

Jürgen Handke von der Universität Marburg ist deutschlandweit für seine modernen Lehrmethoden bekannt. Der Linguist beschäftigt sich seit 2000 mit der Frage, wie Lehr-Konzepte besser auf die Bedürfnisse der Studenten angepasst werden können. Herausgekommen ist die Homepage "Virtual linguistic campus", die weltweit größte Lern-Plattform für Linguistik-Studenten. Für ihn bedeutet moderne Lehre, dass viel digitales Know-How dahintersteckt. Vom Nexus-Projekt hat der selbsternannte "Lern-Begleiter" noch nie etwas gehört. "Wir stehen uns in Deutschland selbst im Weg, veranstalten Tagungen wie Nexus, reden, veröffentlichen seitenweise Ergebnisse, aber passieren tut nichts", ist seine Erfahrung.

Laut Handke wird auch bei diesem Projekt nichts Brauchbares für die Studenten herauskommen: "Dafür ist es einfach zu unbekannt in der Hochschulwelt." Was ihn frustriert ist, dass die Fachbereiche der verschiedenen Hochschulen nicht kooperieren: "Man teilt keine Lehrinhalte oder verwendet wie in England oder den USA Lehr-Videos von anderen Professoren, sondern platzt vor Neid." Seiner Ansicht nach, definiere sich ein Hochschul-Angehöriger leider nur über die Forschung und nicht, wie es sein sollte, über die Lehre. Er erwarte die Umsetzung von Ideen, sonst werde man vom Rest der Welt abgehängt.

Geduld ist gefragt

Was Nexus anbelangt dürfe man von dem Projekt jedoch keine Wunder erwarten, denn Studienreformprozesse sind eine ständige Herausforderung. "Beim Umgang mit Bologna heute im Vergleich von vor zehn Jahren sieht man: die Reformen sind in den Hochschulen angekommen, aber es wird auch noch lange dauern, bis Studienprogramme, Prüfungsordnungen und beispielsweise Anrechnungsstandards flächendeckend abgestimmt sind", gibt sich Peter Zervakis realistisch.

Veränderungen durch die Bologna-Reform

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