Sie sind hier:

Verhasste "Bäume des Lebens" - Die Baumfäller von Managua

Datum:

Sie gelten als Symbol der regierenden Sandinisten und der Ehrerbietung für Venezuelas Revolutionsführer Chávez. Nun entlädt sich in Nicaragua die Wut an den "Bäumen des Lebens".

"Bäume des Lebens" und Porträt von Hugo Chávez in Managua
Die "Bäume des Lebens" im Hintergrund und das Monument von Hugo Chavez in Managua vor den Protesten. Quelle: Tobias Käufer

Die Idee hatte Rosario Murillo, die Gattin von Nicaraguas Staatspräsident Daniel Ortega. Sie ließ nach dem Tod von Venezuelas Revolutionsführer Hugo Chávez im Jahr 2013 in ganz Managua "Bäume des Lebens" aufstellen. Nachts strahlen die Metallgerüste in allen Farben, künstlerischer Höhepunkt ist ein riesiges Porträt von Chávez inmitten eines Kreisverkehrs in der nicaraguanischen Hauptstadt in Hafennähe.

Zielscheiben des Zorns

Genau diese Bäume sind nun die Zielscheibe der Wut der Regierungsgegner, die sich seit einigen Wochen entlädt. Inzwischen sollen nach Angaben lokaler Medien rund 25 dieser Bäume, die auch die nicaraguanisch-venezolanische Freundschaft symbolisieren sollen, den Protesten zum Opfer gefallen sein. Zuletzt starb ein Filmemacher aus Guatemala, der von einem umstürzenden Baum erschlagen wurde, weil er sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte. Für die Regierungsgegner, sind diese guerilla-ähnlichen Aktionen eine Warnung an Präsident Ortega, für die Regierung ein blanker Akt des Vandalismus.

Seit über einem Monat kommt Nicaragua nicht mehr zur Ruhe. Waren es anfangs ein paar Hundert Demonstranten, die gegen eine Rentenreform auf die Straße gingen, sind es inzwischen wöchentlich Zehntausende Nicaraguaner, die sich an den Protesten beteiligen. Sie fordern den Rücktritt Ortegas und Neuwahlen.

Eine Menschenrechts-Kommission der Organisation Amerikanischer Staaten warf der Regierung vor, die Proteste blutig niedergeschlagen zu haben. Die Bilanz bisher: Mindestens 78 Tote, mehr als 800 Verletzte, dazu abgeschaltete regierungskritische Sender und eingeschüchterte Journalisten. Der Zorn über die Gewalt der Sicherheitskräfte entlädt sich nun nahezu täglich in den Aktionen gegen die Bäume von Managua.

Versuch eines Dialogs gescheitert

Gescheitert ist inzwischen auch der Versuch eines Nationalen Dialoges zwischen der Ortega-Regierung und Vertretern der Zivilgesellschaft, den die katholische Kirche vermittelte. Die Bischöfe schlugen eine Agenda vor, in der über vorgezogene Neuwahlen und eine Demokratisierung des Landes gesprochen werden sollte. Die Ortega-Regierung lehnte brüsk ab: "Das ist der Versuch eines Staatsstreiches gegen eine gewählte Regierung", konterte Außenminister Denis Moncada.

Managuas Weihbischof Silvio Baez, der zu einem der wichtigsten Gesichter der Protestbewegung geworden ist, weil er sich zu Beginn der Proteste auf die Seite der Demonstranten stellte und die Kathedrale als Rückzugsraum öffnete, erklärte sein Unverständnis für diese Reaktion: "Ein verfassungsrechtlicher Weg, um die Demokratie in Nicaragua wiederherzustellen, ist kein Staatsstreich. Das Volk hat das Recht zu pazifistischem Widerstand", twitterte Baez am Donnerstagabend. Bei den jüngsten Präsidentschaftswahlen vor zwei Jahren hatte Ortega seinen schärfsten Rivalen auf dem Rechtsweg ausgeschaltet und dessen Kandidatur verhindert.

Weitere Proteste angekündigt

Nach dem gescheiterten Dialog gehen die Proteste weiter. In der Nacht zum Freitag soll es wieder Tote und viele Verletzte gegeben haben. Die Studentenbewegung, eine der tragenden Säulen der Proteste, hatte die Regierung aufgefordert, die Repressionen einzustellen. Für die nächsten Tage sind neue Demonstrationen angekündigt. Am Freitag wollten die kirchlichen Einrichtungen die Straße mobilisieren, am 30. Mai, dem nicaraguanischen Muttertag, eine Gruppe, die sich die "Mütter des April" nennt. Dabei handelt es sich um Mütter erschossener Demonstranten. "Wir haben am Muttertag nichts mehr zu feiern", ließen sie bei der Ankündigung wissen.

Unterdessen wappnet sich die Regierung für den nächsten Sturm. Während die Bäume weiter fallen, wurde zumindest um das riesige Konterfei von Hugo Chávez eine kleine Mauer gezogen, damit die Demonstranten nicht auch noch den "Comandante" niederreißen.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.