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Verheerende Brände weltweit - Zündquelle Mensch

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Satellitenaufnahmen der NASA zeigen: Nicht nur im Amazonasgebiet wüten Feuer. Vor allem in Afrika brennt es vielerorts. Fragen und Antworten.

Satellitenbild der NASA: Waldbrände weltweit
Satellitenbild der NASA: Brände weltweit
Quelle: NASA

Warum konzentriert sich die Aufmerksamkeit so sehr auf Brasilien?

Das brasilianische Forschungsinstitut INPE zählt seit Jahresbeginn bereits mehr als 75.000 Waldbrände in Brasilien. Das sind 84 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Hinzu kommt die Artenvielfalt in den tropischen Wäldern und nicht zuletzt die Bedeutung des Amazonas-Urwaldes für die gesamte Welt. "Diese Wälder spielen eine entscheide Rolle im Wasser- und im Kohlenstoffkreislauf der Erde. Sie sind nun aber in Gefahr", erklärt Rico Fischer vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. "Dadurch werden enorme Mengen an Kohlenstoff freigesetzt und viele Tier- und Pflanzenarten bedroht."

Folgenschwer seien aber nicht nur die Waldbrände in Brasilien, sondern auch in anderen Regionen der Erde, mahnt Fischer: "Auch in Afrika und Südost-Asien brennen Regenwaldflächen. Diese sollten genauso Beachtung finden." Johann Georg Goldammer, Leiter des Zentrums für Globale Feuerüberwachung, weist etwa auf die jüngsten Brände in Sibirien hin. "Jetzt sind diese Brände aus den Schlagzeilen verschwunden. Übermorgen ist dann vielleicht eine andere Region dran", berichtet er aus dem sibirischen Krasnoyarsk.

Wie schlimm sind die Brände in Afrika?

Ein genauer Blick auf die Satellitenbilder zeigt: In Afrika sind viele kleine Feuer aktiv. Dort brennen "neben den Wäldern auch viele Savannen", erklärt Fischer. Auch für den Feuerökologen Johann Georg Goldammer ist das eine bekannte Beobachtung: Die Bilder zeigten die für August und September "typischen aktiven Feuer südlich des Kongo-Beckens".

Im weltweiten Vergleich liegt der größte Teil der von Feuer betroffenen Natur- und Kulturlandschaften in Afrika. "Diese brennen jährlich auf insgesamt zwischen 300 und 600 Millionen Hektar", sagt der Experte. Zum größten Teil handele es sich sowohl um Wildfeuer als auch gezielt gelegte Brände in Savannen und Weidegebieten zwischen der Sahara und dem Kongobecken und südlich des Kongobeckens, so Goldammer.

Satellitenbild der NASA: Brände in Zentralafrika
Satellitenbild der NASA: Brände in Zentralafrika
Quelle: NASA

Wo liegen die Hauptursachen für die Brände?

Ganz eindeutig: beim Menschen. "Eigentlich ist der Mensch weltweit - zwischen Brandenburg, Amazonien und Sibirien - die wichtigste Zündquelle", sagt Feuerökologe Goldammer. Er geht davon aus, dass weltweit 90 Prozent der Feuer, die ernsthafte bis katastrophale Ausmaße haben, durch den Menschen verursacht werden.

Grundsätzlich sollte der Mensch der Natur aber auch ihren Lauf lassen: "In den Savannengebieten versuchen Landwirte die Brände zu verhindern, um ihre eigene Landwirtschaft zu schützen", erläutert Fischer. Das beeinflusse das Pflanzenwachstum in den Savannen und könne daher die typische Graslandschaft verändern. Diese bilde für viele Tierarten die Futtergrundlage. "Der Mensch sollte diesem Ökosystem freie Hand lassen, da es sich selbst am besten regulieren kann."

Sind Brände immer schlecht?

Tatsächlich sind Feuer in den Savannenregionen zum Teil hilfreich. "Natürlich entstandene Feuer - hauptsächlich durch Blitzschlag ausgelöst - sind dafür verantwortlich, dass sich gerade in den Regionen der Gras- und Baumsavannen und der Trockenwälder in Südamerika, Afrika und Asien sehr gute Anpassungen an das Feuer gebildet haben", sagt Feuerökologe Goldammer.

Dort seien einige Pflanzenarten, die ihre überlebenswichtigen Organe vor Feuer schützen oder Tierarten, die dem Feuer mit Instinkt ausweichen können, sogar im Vorteil gegenüber feuerempfindlichen Arten. "Ohne Feuer würden die Savannen verwildern, die Tiere könnten sich weniger leicht bewegen und finden auch kein Futter mehr", so Goldammer. "Feuer recycelt die tote pflanzliche Biomasse und ist ein Stimulus für neues Wachstum."

Gilt das für alle Regionen?

Nein, die Lage in Regenwaldregionen ist eine andere. Goldammer erklärt: "Die Bäume in den Regenwaldregionen der Welt sind in der Regel sehr feuerempfindlich. Und so sind nicht nur Brandrodungsfeuer ein Todesstoß für diese Arten, sondern auch leichte Bodenfeuer, die von Brandordnung ausgehen und sich in einer Trockenzeit wie jetzt sehr rasch im Wald ausbreiten können."

Unter dem Strich bezeichnet Rico Fischer die Lage im Regenwald als "sehr ernst" - auch für das Klima. Die riesigen Brände in solchen Regionen hätten erhebliche Kohlenstoffemissionen zur Folge. "Dadurch steigt die CO2-Konzentration in der Atmosphäre noch schneller an als bisher schon - mit Folgen für das Weltklima", erklärt der Experte. "Eine Einhaltung unserer Klimaziele wird damit immer aussichtsloser."

Wie schnell kann sich die Natur erholen?

Auch hier muss unterschieden werden: "Die Graslandschaften in Afrika können in kurzer Zeit wieder regenerieren, da Gräser sehr schnell wachsen. Wir sprechen hier von einem Zeitraum von ein paar Monaten bis wenigen Jahren", sagt Fischer. Anders bei Waldflächen: "Damit ein ganzes Waldstück regeneriert, muss mit mehr als 100 Jahren gerechnet werden", so der Wissenschaftler. In Folge des Klimawandels und damit weniger Niederschlag könne sich "diese Regenerationsphase wesentlich verlängern".

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt. Feuerökologe Goldammer sagt: "Heute müssen wir uns leider die Frage stellen - was bedeutet eigentlich 'natürlich'? Zurückschauend auf das "bisherige Klima" hätten natürliche Feuer keine nachhaltigen Schäden verursacht. "Heute und in naher Zukunft werden sich diese alten Gleichgewichte zwischen Klima, Vegetation und Feuer verschieben. Und hinzu kommt, dass der Mensch mittlerweile fast alle Naturlandschaften der Welt besiedelt", so Goldammer.

Wie geht es weiter?

Ein Ende der Brände ist erstmal nicht in Sicht. Goldammer: "In West- und Osteuropa und in Zentralasien sind wir jetzt immer noch in der Feuersaison. Die lief bislang meist im September aus. Die Erfahrungen im vergangenen Jahr 2018 haben aber auch schon in Deutschland gezeigt, dass der Klimawandel uns längere Trockenzeiten bis in den Herbst beschert - oder bald bis in den Winter, wenn es so weitergeht, wie es uns die Klimamodellierer voraussagen."

Fischer rät deshalb mit Blick auf den Regenwald: "Wichtigstes Ziel sollte es aktuell sein, so viele Brände wie möglich einzudämmen und zu löschen - wenn möglich auch mit internationaler Hilfe."

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