Sie sind hier:

EU macht Druck bei CO2-Werten - "Nichts Neues von der Autoindustrie"

Datum:

Die EU hat das Ziel gesteckt: 30 Prozent weniger CO2-Ausstoß bis 2030. Die Autobauer packen ihre Jammerfloskeln aus. Doch nur so geht Klimaschutz - mit klarer Ordnungspolitik.

Brennendes CO2-Schild  vor Kohlekraftwerk
Quelle: dpa

Auch Jammern will gelernt sein. Spätestens seit der Debatte um die Einführung des Katalysators Mitte/Ende der 1980er Jahre wissen Deutschlands Autobauer, wie es geht: Der Kat mache die Autos um 5.000 Mark teurer, die Umsätze gingen zurück, Tausende Arbeitsplätze seien gefährdet. Und überhaupt: Der Katalysator sei technisch nicht ausgereift – sprach's, und verriet nicht, dass deutsche Autos mit Kat längst in die USA exportiert wurden.

Nächste Runde. Bleifreies Benzin ginge gar nicht, sei nicht klopffest genug, Motoren würden uns reihenweise um die Ohren fliegen. Nichts dergleichen ist passiert. Biosprit-Anteile im Kraftstoff? Das sei katastrophal, weil die Benzinleitungen von der Säure zerfressen würden. Bei einigen wenigen Modellen wurden die Schläuche schnell ausgetauscht – und voilá! Alles wunderbar.

CO2-Werte: Die Industrie jammert

Nun also runter mit dem CO2. 30 Prozent weniger bis 2030, auf dann nur 67 Gramm pro Kilometer. Die EU will es so mit Klimakommissar Miguel Arias Cañete an der Spitze der Bewegung. Viel zu ambitioniert, jammert die Industrie, deutsche Autos verbrauchten doch seit Jahren immer weniger Sprit. Ja, auf dem Prüfstand. Auf der Straße nicht.

Aber mal ehrlich: Kein Neuwagenkäufer hat jemals geglaubt, dass die Verbrauchsangaben der Realität entsprechen. So waren sie im seit 1997 geltenden NEFZ, dem neuen europäischen Fahrzyklus zur Verbrauchsmessung, auch nie gedacht. Es sollten Vergleichswerte der Fahrzeuge untereinander sein, aber eben nur unter Laborbedingungen. Die europäische Autolobby hatte das mit der EU so verhandelt - damals gab es Kommissar Cañete noch nicht. Jetzt also fällt ihnen das ewige politische Downsizen mächtig auf die Füße.

Ja, so geht Umwelt- und Klimaschutz. Mit klarer Ordnungspolitik. Ziel gesteckt, Richtlinie bzw. Gesetz erlassen, Kontrollen organisiert und das Ganze strafbewehrt. Noch nie haben freiwillige Selbstverpflichtungen welcher Industrie auch immer schnelle Fortschritte gezeigt.

Mehr Spielräume durch Technologieoffenheit

Wie die Ziele erreicht werden, das darf im Gegenzug nun voll und ganz der Autoindustrie überlassen werden. Deswegen ist es gut, dass es weder eine Quote für Elektroautos gibt noch ein europäisch getriebenes Verbot für Verbrennungsmotoren. Technologieoffenheit ist das, was die Motorentwickler zu Recht verlangen dürfen.

Denn das Diesel-Dilemma beginnt zu wirken: Am automobilen Horizont erscheinen immer deutlicher Visionen von neuen Kraftstoffen, synthetisch hergestellt unter Einsatz von Elektrizität aus erneuerbaren Energien. Die befeuern dann nahezu CO2-neutral den klassischen Verbrennungsmotor. Und auch beim Diesel gibt es noch saubere Luft nach oben. Die Motor-Optimierung und die Verbesserung der Abgasnachbehandlung haben noch erhebliches Potential.

Weniger Spielräume sehe ich bei den künftigen Ausreden der Autobauer. Da scheint das Lager an bisher gängigen Jammerfloskeln weitgehend aufgebraucht. Und das ist gut so. Es sei denn, unsere Premiummarken wollen sich in zehn Jahren die Standards von den chinesischen Herstellern diktieren lassen.

Wäre dann ja doch was Neues: Deutsche Ingenieure kupfern ab - bei den Kollegen aus Fernost.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.