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Tödliche Badeunfälle - Mehr Schwimmbäder braucht das Land

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Sommer, Sonne, Ferien: Perfekte Zeit für den Freibadbesuch. Doch in immer mehr Städten und Kommunen werden Schwimmbäder zur Rarität und gefährliche Situationen im Wasser häufiger.

Kinder im Freibad (Archivbild)
Kinder im Freibad (Archivbild)
Quelle: uwe anspach dpa/lsw

Deutschland der "Nichtschwimmer-Staat" – eine provokante Aussage der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Und doch näher dran an der bitteren Wahrheit als man vermutet. Denn die Tragweite der Schwimmbadschließungen geht längst über den Wegfall einer einfachen Freizeitbeschäftigung hinaus.

Fehlende Kapazitäten

Noch vor einigen Jahren waren Schwimmkurse gang und gäbe. An Grund- und weiterführenden Schulen wurde Schwimmen gar fest in den Sportunterricht integriert. Nun ist es häufig schwer überhaupt geeignete Anlaufstellen zu finden. "Es fehlt vielerorts an Kapazitäten und somit auch an Möglichkeiten, die Kinder schon in frühen Jahren wasserfest zu machen", kritisiert ein langjähriger Sportlehrer der Grundschule Leeheim.

Nicht zuletzt hörte man immer wieder von schweren Schwimmunfällen, bei denen Kinder ums Leben kamen. "Es ist nicht so, dass die Kinder nicht schwimmen könnten. Die meisten haben Grundlagen, aber es fehlt an Routine. So kommt es immer häufiger zu brenzligen Zwischenfällen", betont der Bademeister eines kleinen Freibades der Gemeinde Hünfelden. Schwimmkurse werden dennoch reichlich angeboten, aber weniger wahrgenommen. Auch Familienausflüge werden seltener. Die Eltern haben zu große Angst, ihre unerfahrenen Schwimmer im Wasser aus den Augen zu verlieren.

An der Küste von Mecklenburg-Vorpommern gibt es in dieser Saison schon jetzt so viele Tote durch Badeunfälle wie im gesamten letzten Jahr. An den Ostseestränden klären deshalb die Rettungsschwimmer der DLRG immer wieder über Baderegeln auf.

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Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten

Eine echte Hemmschwelle sind da auch Fahrtzeiten zu nächstgelegenen Bädern von weit mehr als dreißig Minuten, wie Familien aus Hessen, Rheinland-Pfalz oder auch Bayern berichten. Zudem erwarten die Schwimmbadgäste letztlich dort überfüllte Becken, fettige Pommes, wenige Schattenplätze und schmutzige Toiletten. Kein Wunder, dass bei solchen Umständen immer mehr Schwimmbadbetreiber in Geldnot geraten. Nicht nur der Bau einer attraktiven Badelandschaft geht ins Geld sondern vor allem deren Erhalt.

In vielen Gemeinden klaffen ohnehin große Lücken im Haushalt. Während beispielsweise die Bezuschussung von Kindergärten eine verpflichtende Leistung der Kommunen darstellt und gesetzlich festgelegt wird, ist die von Schwimmbädern eine freiwillige Leistung. Die Unkosten mit Eintrittsgeldern zu decken, stellt sich ebenfalls als schwierig dar. So müssten kleinere Bäder mit einem 25-Meter-Becken, einem Nichtschwimmerbereich und Sprungtürmen Preise von mindestens zwölf bis 15 Euro pro Person bei 2.500 Gästen im Monat nehmen. Der durchschnittliche Eintritt beläuft sich aber auf sieben Euro pro Person. Es braucht Alternativen - und mancherorts sind das Initiativen.

Neue Modelle

Beispielsweise sorgt der Schwimmbadverein im südhessischen Ober-Beerbach seit Jahren für sommerlichen Badespaß am Wäldchen. "Eine Gruppe von Wahnsinnigen", so nennt der Vorsitzende des Vereins, Rainer Daub, die Vorreiter des Projekts, die sich vor 22 Jahren dazu entschieden, das Schwimmbad aus der kommunalen Finanzierung auszulösen. Die jährlichen Betriebskosten von 15.000 Euro werden seither von den 700 Vereinsmitgliedern getragen.

In Bayern dagegen forderte der SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher nun Sonderfonds von bis zu 50 Millionen Euro. "Im Freistaat wurden in den vergangenen fünfzehn Jahren knapp 80 öffentliche Schwimmbäder dichtgemacht", sagt er. Und noch ist kein Ende in Sicht. Eine Privatisierung sei für ihn aber trotzdem nicht die allumfassende Lösung.

Schwimmausbildung gewährleisten

Vorerst werden 25-Meter-Bahnen, Sprungtürme und ein geräumiges Nichtschwimmerbecken wohl ein Privileg jener Kommunen bleiben, die es sich leisten können, die Prioritäten ihrer freiwilligen Leistungen auf die Bezuschussung der Freibäder zu legen. Klar ist, dass sich was tun muss: Hier geht es nicht nur um den Erhalt von Vergnügungsmöglichkeiten, sondern in erster Linie um die Gewährleistung einer adäquaten Schwimmausbildung vieler Kinder.

Immer weniger Kinder können richtig schwimmen - eine besorgniserregende Entwicklung.

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