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Niederlande - Zwei Festnahmen im Eier-Skandal

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In den Niederlanden sind zwei Verdächtige im Eier-Skandal festgenommen worden. Dabei handele es sich um zwei Manager. Ihr Unternehmen soll das Insektengift Fipronil in Agrarbetrieben angewandt haben.

Diese Frage stellen sich mittlerweile acht betroffene Länder. Vor allem belgische und holländische Behörden sehen sich mit dem Vorwurf konfrontiert, sie hätten geschlafen. Die zeigen sich nun entschlossen, melden Razzien und Festnahmen.

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Im Skandal um mit Fipronil belastete Eier haben Ermittler in den Niederlanden zwei Manager festgenommen. Nach Angaben der niederländischen Staatsanwaltschaft handelt es sich um Führungskräfte des Unternehmens ChickFriend, das im Zentrum des Falls steht. Die Männer stehen unter Verdacht, bei der Säuberung von Hühnerställen bewusst das Insektengift Fipronil eingesetzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit sowie den Besitz verbotener Substanzen vor.

Firma schweigt

ChickFriend schweigt seit Tagen zu den Vorwürfen. Die Festnahmen erfolgten nach Angaben der Ermittler im Zuge einer koordinierten Razzia in den Niederlanden und Belgien. Bei ihr wurden neben den Wohnungen der beiden Männer in der Nähe von Utrecht auch Büros von zwei anderen Unternehmen durchsucht, die als Zulieferer in den Eier-Skandal verwickelt gewesen sein sollen. Dabei wurden auch Bankunterlagen und Computer beschlagnahmt.

Alle rund 180 niederländischen Eierproduzenten, bei denen mit Fipronil belastete Eier gefunden wurden, waren den bisherigen Erkenntnissen zufolge Kunden von ChickFriend. Das in der Geflügelzucht verbotene Fipronil wurde vor allem zur Bekämpfung der für Legehennen gefährlichen Blutlaus eingesetzt.

Fipronil-Einsatz bekannt?

ChickFriend soll fipronilhaltige Reinigungsmittel von einem belgischen Hersteller erhalten haben, der seine Produkte auch an Betriebe in Belgien und Deutschland verkaufte. Unklar ist bislang, ob alle Abnehmer wussten, dass es Fipronil enthielt.

Im Zuge des Skandals wurden Millionen Eier aus den Regalen von Supermärkten genommen und vernichtet. Betroffen sind neben Deutschland, den Niederlanden und Belgien auch Länder wie die Schweiz, Schweden und Großbritannien.

Die Behörde für Lebensmittelsicherheit in London teilte an diesem Donnerstag mit, dass vermutlich rund 700.000 mit Fipronil belastete Eier ins Vereinigte Königreich gelangt seien. In ersten Schätzungen waren die Experten noch von lediglich 21.000 Eiern ausgegangen.

Auch Österreich betroffen

Mittlerweile hat das Eier-Problem auch Österreich und  Rumänien erreicht: Zwei Großhändler haben nach Angaben der Lebensmittelaufsicht Oberösterreich Hunderte Kilo gekochter und geschälter Eier aus den Niederlanden an Gastronomen im ganzen Land verkauft. Eine Rückrufaktion laufe, sagte der zuständige Landesrat. Für die Chargen der oberösterreichischen Händler hatte es demnach in Deutschland eine Warnung gegeben.

In Rumänien ist eine Tonne mit Fipronil verseuchtes Flüssig-Eigelb aus Deutschland entdeckt worden. Das Flüssigeigelb sei nicht in den Verkauf gelangt. Rumänien ist das erste Land in Osteuropa, in dem mit Fipronil belastetes Ei nachgewiesen wurde.

Wer trägt Verantwortung?

Auf politischer Ebene gibt es unterdessen weiter Streit darüber, wer die Verantwortung dafür trägt, dass die Verbraucher erst Wochen nach der Entdeckung der ersten mit Fipronil belasteten Eier gewarnt wurden. Grund dafür sind vor allem Angaben der bislang vielkritisierten belgischen Behörden. Ihnen zufolge hatten auch die Niederlande und die EU-Kommission bereits seit längerem Hinweise auf einen möglichen Skandal.

So musste die EU-Kommission am Mittwochabend einräumen, dass Belgien schon am 6. Juli Informationen über Fipronil-Funde in eine EU-Plattform eingespeist hatte, um die Niederlande zu einer Kooperation bei Nachforschungen zum Thema zu bewegen. Die niederländische Behörde für Lebensmittelsicherheit (NVWA) bestätigte, dass es bereits 2016 einen anonymen Hinweis auf den Einsatz des Insektengifts bei der Reinigung von Ställen gab.

Beide Seiten wiesen Vorwürfe der Tatenlosigkeit allerdings zurück. Die EU-Kommission erklärte, die von Belgien genutzte EU-Plattform werde von ihr lediglich technisch überwacht. Die niederländische NVWA teilte mit, sie bekomme jedes Jahr Hunderte von Tipps über vermutete Unregelmäßigkeiten und es habe damals keine Hinweise auf ein akutes Risiko für die Lebensmittelsicherheit gegeben.

EU: Keine Schuldzuweisungen

Ein Sprecher der EU-Kommission kritisierte zudem die aktuelle Diskussion über mögliche Versäumnisse in der Vergangenheit. "Es ist jetzt nicht der Moment für gegenseitige Schuldzuweisungen", sagte er. Die Bürger erwarteten entschiedenes, abgestimmtes und transparentes Handeln aller Beteiligten. Dafür seien in erster Linie die Mitgliedstaaten verantwortlich. Die Kommission werde weiterhin alles dafür tun, sie zu unterstützen und stehe auch bereit, mit den Mitgliedstaaten über mögliche Verbesserungen der aktuellen Warnsysteme zu diskutieren.

Meyer will Task-Force

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer hatte sich zuvor für eine intensivere Lebensmittelüberwachung durch die EU ausgesprochen. "Ich fordere eine EU-Task-Force mit Kontrollkompetenzen auf europäischer Ebene zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher", sagte der Grünen-Politiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag).

Ähnlich äußerte sich der Deutsche Bauernverband. Das europäische Schnellwarnsystem müsse besser funktionieren, sagte der stellvertretende Generalsekretär Udo Hemmerling den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die betroffenen Hühnerhalter werden laut Hemmerling Schadenersatzansprüche gegen die Verursacher stellen müssen, "die das Fipronil verbotenerweise unter das aus ätherischen, pflanzlichen Ölen bestehende Desinfektionsmittel gepanscht haben".

Die Vorsitzende des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure, Anja Tittes, räumte ein, dass es auch in Deutschland Verbesserungsbedarf gebe. Wegen chronischen Personalmangels würden die rund 2500 Kontrolleure "nicht einmal 50 Prozent der risikoorientierten Kontrollen, die wir durchführen müssten, bewältigen", sagte sie der "Wirtschaftswoche". Es fehlten 1.200 bis 1.500 Mitarbeiter.

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