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Landtagswahl in Niedersachsen - Scharfes Duell in der zweiten Reihe

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Duelle im Regionalfernsehen bekommen außerhalb des Bundeslandes, in dem gerade Wahlen anstehen, gewöhnlich nicht viel Aufmerksamkeit. Aber vom Ausgang der Niedersachsen-Wahl hängt auch ab, wie es im Bund weitergeht. Und so schenkten sich die Kontrahenten nichts.

Kurz vor der Landtagswahl in Niedersachsen haben sich SPD-Ministerpräsident Stephan Weil und sein Herausforderer von der CDU, Bernd Althusmann, ihr einziges TV-Duell geliefert.

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Gottseidank! Es gibt noch echte Duelle in der Politik. Und vielleicht helfen sie gegen die Ermüdungserscheinungen im demokratischen System. Wenn zwei Mitglieder der bisherigen großen Volksparteien sich so beharken wie der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und sein Herausforderer Bernd Althusmann (CDU) im TV-Duell am Dienstagabend, dann kann das begleitende Medizin gegen das populistische Virus sein.

Ringen um Positionen

Zumindest konnte ein vom gefühlten Einerlei großer Koalitionen enttäuschter Wähler dort sehen, dass man um Positionen noch ringen kann. Er ahnte außerdem, dass die beiden, die da vor der Landtagswahl in Niedersachsen im Regionalprogramm des NDR 75 Minuten aufeinandertrafen, sich offenbar auch persönlich nicht sonderlich hold sind.

Peter Kunz
Niedersachsen-Studioleiter Peter Kunz

Solche Bürger, denen über das Fernsehen vermittelt wird, dass nicht nur Protestwähler, sondern auch Politiker noch mit Adrenalin zur Sache gehen, könnten sich dann tatsächlich zwischen echten Positionen entscheiden. Und womöglich ihr Kreuzchen nicht aus Frust zum Beispiel bei der AfD machen, die in Niedersachsen am kommenden Sonntag nach Umfragen wohl einstellig bleiben wird.

Das war übrigens das einzige, worin sich Weil und Althusmann im Fernsehduell einig waren: Die AfD schließen beide im engen Rennen um die Macht und Koalitionen in Hannover als Partner aus.

Populismus färbt ab

Wobei der Populismus als rhetorische Methode inzwischen ja offenbar überall ein bisschen abfärbt. Spitzenkandidat Althusmann beschrieb in sehr markigen Worten, warum Niedersachsen aus seiner Sicht zum "Wohlfühlland" für Islamisten und Terroristen geworden sei. Ministerpräsident Weil rief ihn dann aber staatsmännisch zur Mäßigung auf: "Machen Sie nicht den Fehler, Niedersachsen für unsicher zu erklären, weil Sie damit die AfD befördern. Es sei denn, man billigt, sie so ins Parlament zu bringen."

TV-Duelle in Regionalprogrammen bekommen außerhalb eines Bundeslandes, in dem gerade Wahlen anstehen, gewöhnlich nicht allzuviel Aufmerksamkeit. Aber in diesem Fall schauen die Granden der Bundespolitik sehr genau und gebannt hin, wie ihre Recken in Hannover sich schlugen. Nichts wird in Sachen neuer Bundesregierung entschieden, bevor die Niedersachsen am kommenden Sonntag nicht an den Wahlurnen waren.

Aggressiv von Beginn an

Bildungspolitik, Flüchtlingsintegration und Niedersachsens Möglichkeiten und Pflichten im Volkswagen-Aufsichtsrat waren komplexe Themen, über die Weil und Althusmann im Studio fleißig stritten. Und fast hielt man sich zuhause vor Schreck an der Sessellehne fest. Was bei Angela Merkel und Martin Schulz erst nach der Bundestagwahl als aggressiver Grundton durchschlug, vom SPD-Verlierer gesetzt, wurde hier von Anfang an Partitur.

"Da wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen, Herr Ministerpräsident" - einer der harmlosen Anwürfe gleich zur Einstimmung. "Sie sollten von Verleumdungen Abstand nehmen", "Sie haben sich ohne Sinn und Verstand treiben lassen", Herr Ministerpräsident "haben wohl jeden Kontakt zur Wirklichkeit verloren" - der Vorsitzende der niedersächsischen CDU und frühere Kultusminister Althusmann redete sich zeitweise in Rage.

Fazit: Leichter Vorsprung SPD

Nun ist Angriff ja auch die Disziplin, in der ein Herausforderer punkten muss. Weil konterte mit Gelassenheit und Fakten, die er sicher bei der Hand hatte. Einen Fakt allerdings nicht: Der niedersächsische Landespolizeipräsident, der am Dienstag öffentlich aus Protest sein CDU-Parteibuch zurückgegeben hat, weil er das Gebaren der Christdemokraten in einem Untersuchungsausschuss zum polizeilichen Umgang mit Islamisten im Land unerhört fand, war nicht 40 Jahre Parteimitglied, wie Weil zu wissen glaubte. Althusmann konnte an dieser Stelle nicht nur wie so oft grundsätzlich widersprechen, sondern klar auf 12 Jahre herunterkorrigieren.

Viele weitere Details, die nicht jeden außerhalb der niedersächsischen Landesgrenzen interessieren werden, flogen zwischen den Duellanten hin und her. Draußen im Rest der Republik und vor allem in Berlin zählt nur eins: Wer hat das Hannoveraner TV-Duell gewonnen? - Leichter Vorsprung SPD, könnte man sagen. Und den Widerspruch ernten, dass es genau andersherum gewesen sei. So eng eben, wie in allen Umfragen. Im Hinblick auf die übliche Fehlermarge der Demoskopen - und den freien Willen des Wählers - heißt das aber nur, es bleibt ein Kopf an-Kopf-Rennen. Und das nächste TV-Duell läuft zwischen den Wahlforschungsinstituten: am Sonntag, 15. Oktober, ab 18:00 Uhr.

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