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Bundesbank warnt - Niedrigzinsen: Kaum noch Spielraum für Banken

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Banken mit "Armutsrisiko": Das Zinsumfeld macht den deutschen Kreditinstituten zu schaffen. Die kleinen und mittleren Häuser hat die Bundesbank jetzt unter die Lupe genommen - und stellte größeren Stress bei den Banken fest, die mit ihren Geschäftsmodellen hadern.

Ein niedriger Zinssatz entwertet quasi Sparguthaben. Das setzt besonders den kleinen und mittleren Banken zu, denn sie hängen oftmals stark vom Kreditgeschäft ab. Deshalb werden nun immer mehr Kredite mit langen Laufzeiten vergeben.

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Die Bundesbank wollte die Risiken bei den deutschen Geldhäusern ermitteln - eine Art Vorsorge-Untersuchung: Wie gehen die Banken mit ihrem schwierigen Geschäft um? Was fällt ihnen zu ihren Ertragsmöglichkeiten ein? Und wenn ihnen nichts einfällt, wie sind ihre Überlebenschancen?

Schon 2013 und 2015 gab es eine derartige Umfrage, die immerhin 88 Prozent aller deutschen Geldhäuser erfasste. Schon 2015 war die Rentabilität unter Druck. Auch heute fürchten die meisten Banken, dass ihre Erträge um bis zu 60 Prozent zurückgehen würden, sollte es weitere Zinssenkungen und damit Strafzinsen auf vorhandenes Kapital geben.

Reinhard Schlieker
ZDF-Börsenexperte Reinhard Schlieker

Kaum noch Spielräume

Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Der Konkurrenzdruck nimmt zu. Einfach schon deshalb, weil die Banken kaum Spielräume bei den Zinsangeboten für ihre Kunden haben und sich neue Modelle ausdenken müssen, um im Wettbewerb zu bestehen. Wer da kein dickes Geldpolster mitbringt, verliert.

Demzufolge rechnen die Kreditinstitute bis 2021 mit einem Rückgang ihrer Erträge um durchschnittlich 16 Prozent. Dabei spielen die Zinserträge die größte Rolle: Insgesamt schrumpfen diese Gewinne damit um drei Milliarden Euro. Auch mutmaßliche Kreditausfälle belasten die Banken, hier könnten fünf Milliarden Euro Verlust drohen bei Darlehen, die nicht mehr zurückgezahlt werden.

Auf der Habenseite verbuchen die Institute höhere Provisionen. So werden immer mehr Beratungsleistungen und Vermittlungen von Verträgen gegen Gebühren erbracht. Ganz im Sinne der europäischen und auch deutschen Regulierung: Es geht um Transparenz bei der Kostenstruktur. Der Kunde soll vor jedem Geschäft erkennen können, was ihn die Leistung seiner Bank kosten wird.

Geldhäuser suchen Rettungsringe

Umgekehrt suchen die Geldhäuser natürlich nach Rettungsringen in Anbetracht der Nullzinsen. Hier bietet sich höhere Risikobereitschaft an - und das zeigt sich denn auch bei durchaus vielen der befragten Banken. Immobilienkredite zum Beispiel werden vielfach unter lockeren Bedingungen vergeben. Zwar droht keine unmittelbare Gefahr, sagt die Bundesbank, aber man werde wachsam bleiben, ob sich da nicht manche kleine Bank übernimmt.

Bei einem Verfall der Immobilienpreise etwa könnten einige Kredite durchaus ausfallgefährdet sein und ein Institut ins Verderben reißen. Dies um so mehr, als viele Banken ihre Kapitalreserven nicht im früher gewohnten Maß aufstocken. Das Geld wird halt fürs Alltagsgeschäft benötigt, und die Eigentümer der Banken und Sparkassen wollen ihre gewohnte Ausschüttung sehen. Da gibt es, gelinde gesagt, zahlreiche Zielkonflikte.

In der Not sprechen sogar harte Konkurrenten miteinander: Viele Banken erwarten Zusammenschlüsse einiger kleinerer Häuser zu größeren Einheiten, was natürlich die Kosten senkt und die Widerstandskraft erhöhen kann. Kunden allerdings sollten mit weiterem Abbau der Filialen rechnen.

Auch Digitalisierung setzt Banken zu

Aber nicht nur von der Zinsfront droht Ungemach: Auch das digitale Zeitalter setzt den Traditionsbanken zu. Die unter der Bezeichnung "Fintech" bekannten kleineren Angreifer, die via Internet Geldleistungen anbieten und Kunden abwerben, bedrohen das herkömmliche Filialgeschäft. Zahlreiche Traditionsbanken arbeiten mit solchen Startup-Unternehmen bereits zusammen, die Zahl dürfte wachsen.

Je mehr die Sparkassen und Banken ihre Aktivitäten online anbieten und bündeln, desto mehr wird die Filiale unter Druck geraten - alles ist möglich im Geschäft mit Geld und Kredit. Dabei hatten sich doch viele traditionelle Häuser darauf eingerichtet, dass manches zum Glück unmöglich sei - da kommen nun immer schneller die Überraschungen.

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