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Unerwünschte E-Mails - Ein Chatbot spammt zurück

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Ein Chatbot führt Mailbetrüger an der Nase herum. Er stiehlt ihnen Zeit, indem er sie per E-Mail in sinnlose Gespräche verwickelt. 230.000 Mails hat der Chatbot schon verschickt.

Dieser Screenshot zeigt eine Momentaufnahme der animierten Startseite von Re:scam.org.
Dieser Screenshot zeigt eine Momentaufnahme der animierten Startseite von Re:scam.org. Quelle: rescam.org

Chatbots sind in. Die kleinen Programme beraten Kunden in Online-Shops, bestellen Pizza per Messenger oder kümmern sich in Hotlines um Kunden, die etwas reklamieren wollen. Nun sollen sie auch gegen Spammer helfen. Netsafe, eine gemeinnützige Organisation aus Neuseeland, hat ein Chatprogramm entwickelt, das Spammer mit den eigenen Waffen schlagen soll. Es spammt automatisch zurück.

Vorschussbetrüger im Visier

Im Visier von Netsafe steht nicht der gewöhnliche Spam, der für Potenzmittel oder gefälschte Luxusuhren wirbt. Solche Spammails sollte man sofort ins digitale Nichts befördern. Der Netsafe-Bot kümmert sich vor allem um die Crème de la Crème der internationalen Spammerszene, die Vorschussbetrüger vornehmlich aus Nigeria.

Denn solche Mails kennt jeder: Ein Rechtsanwalt aus Afrika braucht Hilfe. Er möchte einen Millionenbetrag nach Europa transferieren. Dem Mailempfänger wird eine Provision in Aussicht gestellt, wenn er dabei hilft. Vorher soll er einen Vorschuss leisten und die Unkosten begleichen, ohne die der Geldtransfer nicht möglich sei, heißt es wortreich in den Mails.

12.000 Euro an Betrüger gezahlt

Die Betrugsmasche ist alles andere als neu, doch sie funktioniert auch hierzulande nach wie vor. Erst kürzlich meldete das Polizeipräsidium Unterfranken, dass eine Frau aus Lohr am Main auf die "Nigeria Connection" hereingefallen sei und den Betrügern nach und nach rund 12.000 Euro überwiesen habe. Weltweit würden jährlich 12 Milliarden US-Dollar mit E-Mailbetrügereien verdient, sagt Netsafe.

Antwortet man auf die E-Mails der Betrüger, beginnt ein reger Mailverkehr. Dabei würden die Täter so überzeugend auftreten, dass die Opfer ihnen oft selbst dann noch Glauben schenkten, wenn der Betrug eigentlich schon offensichtlich sei, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Um sich "einfühlsam" auf ihre Opfer einzulassen, brauchen die Betrüger Zeit. Das macht sich der Chatbot aus Neuseeland, der auf den Namen "Re:scam" hört, zunutze.

"Re:scam" kostet die Betrüger Zeit

Wer Post von Vorschussbetrügern erhält, kann die Mails unter me@rescam.org an den Chatbot weiterleiten, "Re:scam" geht zum Schein auf die Angebote der Betrüger ein. Dabei fallen ihm immer wieder neue Fragen ein, die zu klären seien, bevor er die geforderten Beträge überweisen könne.

Die Strategie ist klar: "Re:scam" verwickelt die Spammer in endlose Diskussionen, stiehlt ihnen Zeit, die ihnen dann für den Kontakt mit anderen Opfern fehlt, und schmälert so die Profite der Betrüger. Zudem sollen die Vorschussbetrüger verunsichert werden. Irgendwann merken sie, dass "Re:scam" kein Mensch, sondern ein Chatbot ist. Sie beenden den Kontakt und nehmen sich das nächste Opfer vor. Doch auch dieses könnte am Ende ein Chatbot sein.

Fast wie ein Mensch

"Re:scam" ist so programmiert, dass er einen menschlichen E-Mailkontakt nachahmen kann. Er lasse sich mit seinen Antworten Zeit, könne verschiedene Persönlichkeiten annehmen, würze seine E-Mails mit einer Prise Humor und könne Tausende Spammer gleichzeitig in letztlich sinnlose Gespräche verwickeln, heißt es bei Netsafe.

Die gemeinnützige Organisation, die sich in Neuseeland in Sachen Cybersicherheit engagiert, wertet "Re:scam" bereits als Erfolg, obwohl das Projekt erst knapp zwei Wochen online ist. In dieser Zeit habe der Chatbot schon rund 230.000 E-Mails verschickt und die Spammer dadurch mehr als zwei Jahre "Arbeitszeit" gekostet, schätzt man bei Netsafe.

Lenny ärgert Telefonbetrüger

"Re:scam" ist nicht der erste Versuch, Spammer automatisiert mit den eigenen Waffen zu schlagen. Ein anderer Chatbot heißt Lenny und hat es auf Telefonbetrüger abgesehen. Wer in den USA einen unerwünschten Anruf bekommt, kann ihn an Lenny weiterleiten. Das Programm spult anschließend eine Reihe vorproduzierter Audiodateien ab, die den Anrufer in eine sinnlose Diskussion verwickeln.

Das mag im Einzelfall funktionieren, wie Videos bei YouTube belegen. Es darf aber bezweifelt werden, dass Lenny oder "Re:scam" tatsächlich zu einer merklichen Reduzierung unerwünschter Telefonanrufe und betrügerischer E-Mails führen. Eines aber leistet "Re:scam" sicher. Das Projekt klärt auf seiner Webseite ausführlich über die Maschen der Betrüger auf.

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