ZDFheute

Nigeria: Hunderte Jungen aus "Horror-Haus" befreit

Sie sind hier:

Angekettet und gefoltert - Nigeria: Hunderte Jungen aus "Horror-Haus" befreit

Datum:

In Ketten gelegt, gefoltert, missbraucht: Im Norden Nigerias haben Sicherheitskräfte mehr als 300 Jungen aus einer Koranschule befreit. Die Hinweise kamen von Anwohnern.

Ein Blick am Stacheldraht vorbei in die Koranschule, in der Hunderte Jungen festgehalten und misshandelt worden sein sollen, am 27.09.2019 in Kaduna, Nigeria.
Hof der Koranschule, in der offenbar Hunderte Jungen und junge Männer unter entsetzlichen Bedingungen gelebt haben.
Quelle: Reuters

Sicherheitskräfte haben mehr als 300 Jungen und junge Männer aus entsetzlichen Verhältnissen befreit. Nach Hinweisen von Anwohnern durchsuchten Sicherheitskräfte am Donnerstagabend eine Koranschule in der nordnigerianischen Stadt Kaduna und entdeckten darin die teils noch minderjährigen Opfer. Örtliche Medien veröffentlichten schockierende Bilder aus der mittlerweile als "Horror-Haus" bezeichneten religiösen Einrichtung.

Die Jungen wurden dort laut Polizeisprecher Yakubu Sabo unter dem Vorwand festgehalten, sie sollten im Koran unterrichtet und "gebessert" werden. Unter ihnen waren demnach viele Kleinkriminelle und Drogenabhängige. Tatsächlich seien sie von ihren Lehrern unter "entwürdigendsten und unmenschlichsten Bedingungen" festgehalten worden. Etwa hundert Schüler, darunter Kinder im Alter von neun Jahren, seien in einem kleinen Raum angekettet gewesen.

Koranschule besteht seit zehn Jahren

Die Koranschule bestand den Angaben zufolge seit rund zehn Jahren. Anwohner hätten die Behörden auf wiederholte Unregelmäßigkeiten in der Einrichtung aufmerksam gemacht. Der Betreiber und sechs Mitarbeiter wurden laut Polizei festgenommen.

Nigerianische Polizisten nach der Festnahme von Lehrern in einer islamischen Schule am 27.09.2019 in Kaduna, Nigeria.
Nach Hinweisen von Anwohnern durchsuchten Sicherheitskräfte die Koranschule.
Quelle: Reuters

"Die Opfer wurden misshandelt. Einige von ihnen gaben an, von ihren Lehrern vergewaltigt worden zu sein", sagte Sabo. Örtliche Medien verbreiteten Bilder aus der Koranschule, auf denen ein Kind mit offenen Wunden auf dem Rücken zu sehen ist. Die Wunden stammten offensichtlich von Peitschenhieben. Die Beine eines anderen Kindes waren an Eisengitter gefesselt. Zahlreiche weitere Kinder waren in einem dreckigen Hof eingepfercht.

Polizei entdeckt "Folterzimmer"

Menschen mit Fußfesseln am 27.09.2019 in Kaduna, Nigeria.
Kinder wurden wie Sklaven gehalten
Quelle: Polizeifotos via Reuters

Die Sicherheitskräfte stießen nach eigenen Angaben zudem auf ein "Folterzimmer". Dort waren Kinder demnach in Ketten gelegt. Bei angeblichem Fehlverhalten seien sie geschlagen worden.

Eltern zeigten sich laut Sabo schockiert, als sie über die Zustände in der Koranschule unterrichtet wurden. Sie hätten von den Leiden ihrer Kinder nichts geahnt.

Die Schüler stammten demnach aus Nigeria und anderen Staaten, darunter Burkina Faso. Bello Hamza, eines der Kinder aus Burkina Faso, sollte nach eigenen Angaben eigentlich zum Mathematikstudium nach Südafrika gehen. Seine Familie habe ihn stattdessen vor drei Monaten in die Koranschule gebracht.

Augenzeuge: "Man band sie fest und hängte sie an die Decke"

Bello Hamza berichtete in nigerianischen Medien von den Zuständen in der Einrichtung. "Sie behaupten, dass sie uns den Koran und den Islam lehren, aber sie machen viele Dinge hier. Sie zwingen die Jüngsten zu homosexuellem (Verkehr)." Fluchtversuche seien hart bestraft worden. "Man band sie fest und hängte sie an die Decke." Einmal sei ein Schüler wegen der Misshandlungen gestorben. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln sei unzureichend gewesen.

Im überwiegend muslimischen Norden Nigerias gibt es viele private Koranschulen. Sie ersetzen die oft mangelhaften staatlichen Einrichtungen.

Der Nordwesten Nigerias leidet derzeit unter häufigen Angriffen bewaffneter Banden. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) flohen deshalb in den vergangenen zehn Monaten mehr als 40.000 Menschen über die Grenze in den Nachbarstaat Niger. Sie hätten sich vor der wachsenden Zahl von Entführungen, Morden und Vergewaltigungen in Sicherheit gebracht.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.