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Air-Berlin-Tochter Niki - 40.000 Reisende warten auf einen Rückflug

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Niki bleibt am Boden - und allein in den nächsten zwei Wochen warten 40.000 Reisende auf einen Rückflug. Mehrere Airlines und die Regierung in Wien suchen Lösungen.

Nach der gescheiterten Übernahme durch die Lufthansa bangen derzeit zehntausende Passagiere der insolventen Air-Berlin-Tochter Niki um ihre Heimreise. In den kommenden zwei Wochen müssen Plätze für knapp 40.000 Passagiere organisiert werden, die derzeit im Ausland unterwegs sind. Die Air-Berlin-Tochter hatte am Mittwoch einen Insolvenzantrag gestellt und am Abend den Flugbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt. Zuvor hatte die Lufthansa ihr Angebot für das österreichische Unternehmen mit seinen 21 Flugzeugen zurückgezogen.

Regierung in Wien bietet Hilfe an

Die österreichische Regierung kündigte staatliche Hilfe an. Sollte es nicht genügend freie Plätze für die von der Niki-Insolvenz betroffenen Reisenden geben, werde die Regierung in Wien im Zweifel die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines beauftragen, Charterflüge für die Rückkolung nach Österreich einzusetzen. Das sagte der Sprecher des Wiener Verkehrsministeriums, Andreas Strobl, gegenüber heute.de. "Mehrere Fluggesellschaften" bereiteten derzeit einen Ersatz-Flugplan "auf Standby-Basis gegen ein geringes Entgelt aus dem Ausland nach Deutschland, Österreich und die Schweiz" vor, teilte Niki mit.

Laut der vom Gericht bestellten Insolvenzverwalter Lucas Flöther wurden rund 350.000 Einzel-Tickets von Niki ausgestellt, die bisher noch nicht abgeflogen sind. Dazu kommen 410.000 Tickets, die über Reiseveranstalter und Reisebüros gebucht wurden. Von den 40.000 Reisenden, die bis zum 27. Dezember ihren Heimflug mit Niki geplant haben, haben 15.500 die Tickets direkt über Niki gebucht. Die anderen haben ihre Tickets über Reiseveranstalter oder Reisebüros erworben. Diese sind laut Flöther üblicher Weise über Reisesicherungsscheine versichert. Betroffene sollten sich wegen eines Ersatzfluges an die entsprechenden Reisebüros oder Reiseveranstalter wenden. Fluggäste, die ihr Ticket selbst online erworben haben, sind im Normalfall nicht versichert.

Heimflug zu Sonderkonditionen

Auch deutsche Airlines wollen bei dem Rücktransport von gestrandeten Passagieren aus dem Ausland helfen. Die Fluggesellschaften würden Niki-Fluggästen, die keine Pauschalreise gebucht haben, noch verfügbare Sitzplätze zu Sonderkonditionen anbieten, erklärte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft in Berlin. Dabei soll es sich demnach um eine Art Aufwandsentschädigung handeln. Für Pauschalreisende seien die Reiseveranstalter verantwortlich.

Der Ferienflieger Condor will Passagiere, die direkt bei Niki gebucht haben, nach eigenen Angaben kostenfrei nach Deutschland zurückfliegen - soweit Sitzplätze verfügbar sind. Condor kündigte den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten an. Die Reisenden sollten sich direkt an die Check-in Schalter am dem jeweiligen Flughafen wenden.

1.000 Mitarbeiter betroffen

Von der Pleite sind etwa 1.000 Mitarbeiter betroffen - 210 in Deutschland und 790 in Österreich. Die Löhne und Gehälter der deutschen Arbeitnehmer sind laut Insolvenzverwalter Flöther für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert. Er kündigte an, er versuche, den Geschäftsbetrieb von Niki "durch einen Schnellverkauf doch noch zu retten". "Ich werde umgehend Gespräche mit infrage kommenden Investoren aufnehmen, um einen möglichst großen Teil der Arbeitsplätze zu erhalten."

Niki wie auch der Mutterkonzern Air Berlin kritisierten die EU-Kommission. "Auslöser für den heute erfolgten Schritt ist das Nein der Europäischen Kommission zum Verkauf der Niki an die Lufthansa-Gruppe wegen angeblicher Einschränkungen des Wettbewerbs", betonte das österreichische Unternehmen in einer Mitteilung. Der Generalbevollmächtigte von Air Berlin, Frank Kebekus, sagte: "Die Position der Europäischen Kommission ist nicht nachvollziehbar."

Lufthansa setzt auf EU-Zustimmung

Nach dem Rückzug bei Niki setzt Lufthansa darauf, dass die EU-Kommission den verbliebenen Rest der Air-Berlin-Übernahme genehmigt. Der Dax-Konzern will weiterhin die Air-Berlin-Tochter LG Walter in die Eurowings integrieren, wie ein Sprecher in Frankfurt bekräftigte. Man erwarte eine Entscheidung der EU bis zum 21. Dezember, falls die Kartellwächter in der ersten Phase zum Schluss kommen. In dem Air-Berlin-Gesamtpaket war die LGW allerdings der deutlich weniger wertvolle Teil mit einem veranschlagten Kaufpreis von 18 Millionen Euro gegenüber gut 190 Millionen Euro, die Lufthansa für die Niki zahlen wollte. Die LGW hat ursprünglich nur 20 Propellermaschinen betrieben, die eigentlich überhaupt nicht in die Flotte der Eurowings passen.

Niki-Pleite: Fragen und Antworten

Kritik an EU-Kommission

Air Berlin habe nach den ersten Bedenken der EU-Kommission gegen eine Niki-Übernahme durch die Lufthansa erneut Kontakt zu potenziellen Interessenten wie Thomas Cook und der British-Airways-Mutter IAG aufgenommen, sagte Kebekus. "IAG teilte Air Berlin schriftlich mit, dass sie kein Kaufinteresse mehr an der Niki hat." Auch von Thomas Cook sei kein passendes Angebot unterbreitet worden. "Die Kommission wusste also, dass es gar keine Alternative zum Verkauf der Niki an die Lufthansa gab", sagte Kebekus. Er warf der Kommission vor, sie erreiche mit dem "unkontrollierten Zusammenbruch" der Airline "das genaue Gegenteil dessen, was sie beabsichtigt".

Kebekus betonte, dass eine vollständige Rückzahlung des KfW-Kredits in Höhe von 150 Millionen Euro "unwahrscheinlicher geworden" sei. Ähnlich hatte sich zuvor in Berlin auch der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert geäußert. Die Lufthansa hatte als Grund für den Rückzug angegeben, dass eine schnelle Freigabe des Erwerbs durch die EU-Kommission nicht zu erwarten sei. Der im Oktober geschlossene Kaufvertrag könne nicht vollzogen werden. Air Berlin ist seit August insolvent und hat den eigenen Flugbetrieb Ende Oktober eingestellt.

"Die Flüge der Niki werden mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Weitere Flüge der Niki sind nicht mehr buchbar. Der Flugplan der Niki verliert seine Gültigkeit", teilte die Airline weiter mit.

Lufthansa hält an LG Walter-Deal fest

Die EU-Wettbewerbshüter bedauerten die neue Unsicherheit um Niki. "Zumal dies nicht das einzig mögliche Resultat seit Beginn des Verkaufsprozesses war", sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel. Es sei von Beginn an klar gewesen, dass es auf vielen Strecken zwischen Lufthansa und Air Berlin Überschneidungen gegeben habe, mit Risiken für Verbraucher in Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Aufgabe der EU-Kommission ist es, ihr präsentierte Transaktionen zu beurteilen. Wir müssen sicherstellen, dass Konsumenten durch Zusammenschlüsse nicht schlechter gestellt werden."

Am Erwerb der anderen Air-Berlin-Tochter LG Walter will die Lufthansa hingegen festhalten. Dieser Kauf steht ebenfalls noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Zustimmung der EU-Kommission. Die Prüffrist läuft bis 21. Dezember. Für Niki und LG Walter hatte die Lufthansa 210 Millionen Euro geboten. Air-Berlin-Sachwalter Flöther prüft nach Informationen von "B.Z." und "Bild"-Zeitung, den ehemaligen Großaktionär Etihad für die Pleite haftbar zu machen. Die arabische Fluglinie habe Air Berlin Ende April schriftlich versichert, sie wolle sicherstellen, dass die Airline ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen kann. Dennoch hatte Etihad Mitte August die versprochenen Zahlungen eingestellt - daraufhin stellte Air Berlin einen Insolvenzantrag.

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