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Trauer um Formel-1-Ikone - Niki Lauda: Held, Kämpfer, Klartext-Sprecher

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Die Mischung aus Heldenstatus, Charisma, Wiener Schmäh und flotten Sprüchen war immer schlagzeilentauglich und machte Niki Lauda zum Superstar. Seine Stimme wird fehlen.

Die unzähligen Facetten des Niki Lauda – wo beginnen, wo aufhören? Dass er sich seine Rennfahrer-Karriere gegen den Widerstand seiner gutsituierten Industriellen-Familie auf Kreditbasis und mit gefälschtem Abiturzeugnis erkämpfte, um den strengen Großvater zu beruhigen, ist zwar ein vielsagendes und immer wieder zitiertes Detail für die Persönlichkeit Niki Lauda. Zum Helden wurde er aber vor allem durch das Jahr 1976, den Nürburgring-Feuerunfall und das sensationelle Comeback nach nur sechs Wochen.

2016, zum 40. Jahrestag des Crashs, traf er in der Mercedes-Hospitality auf einen seiner wichtigsten Lebensretter von damals. Dr. Eike Martin, damals Anästhesist in der Intensivstation der Universitätsklinik in Mannheim, hatte sich selbst darum bemüht, an die Strecke zu kommen, um Lauda noch einmal zu treffen, "jetzt, 35 Jahre, nachdem ich ihn zum letzten Mal gesehen hatte." Von sich aus eingeladen hatte ihn der Österreicher nicht, "aber das wäre auch nicht Nikis Art. Er ist zwar heute in mancher Beziehung viel offener, was Gefühle angeht – aber irgendwo eben auch immer noch ein sehr rationaler Mensch." 

Wenn ich nicht durch die ständigen Fragen danach permanent daran erinnert würde, dann hätte ich das gar nicht so registriert.
Niki Lauda überJubiläen

Die Umarmung fiel trotzdem sehr herzlich aus, wobei Lauda dann aber auch prompt vieles über medizinische Details von damals wissen wollte: "So etwas interessiert mich einfach – solche Fakten zu wissen." Typisch Lauda betonte er damals aber auch, dass ihm dieser 40. Jahrestag eigentlich nichts bedeute – mit Zahlen und Jubiläen hatte er es ja nie: "Wenn ich nicht durch die ständigen Fragen danach permanent daran erinnert würde, dann hätte ich das gar nicht so registriert."

Großes Comeback und spontaner Rücktritt

Da habe ich mir dann gesagt: So, stopp jetzt mit dem ganzen Druck. Am Samstag werde ich ganz normal fahren, als ob da gar kein Rennen wäre.
Niki Lauda

Seine eigenen Dämonen besiegte er damals sechs Wochen danach, in Monza, schwer gezeichnet noch von den Verbrennungen im Gesicht – auf seine Art. Nach einer Panikattacke bei den ersten Kilometern auf der Strecke zog er sich ins Hotel zurück, der kühle Analytiker gewann wieder die Oberhand: "Da habe ich mir dann gesagt: So, stopp jetzt mit dem ganzen Druck. Am Samstag werde ich ganz normal fahren, als ob da gar kein Rennen wäre. Kein Risiko eingehen, mich herantasten, nichts darauf geben, was die anderen Leute sagen. Vertrauen für mich selbst schaffen, dass ich das Auto kontrollieren kann. Und auf einmal ging es – und ich war Viertschnellster."

Das epische Duell mit James Hunt, später als erfolgreiches Kinodrama verfilmt, ging so bis ins letzte Rennen in Fuji, die Regenschlacht, in der Lauda nach zwei Runden ausstieg, "weil mir mein Leben wichtiger ist als eine Weltmeisterschaft" und den Titel schließlich um einen Punkt verlor.

Ein Jahr später der Weggang von Ferrari, mit deutlichen Worten der überraschende Rücktritt im September 1979, aus heiterem Himmel, während des Kanada-GP-Wochenendes, "weil es für mich jetzt wichtigere Dinge gibt als mit dem Auto im Kreis herum zu fahren."

Airline-Chef mit großem Einsatz

Das "Wichtige" war jetzt das Luftfahrt-Business, in das der begeisterte Pilot verstärkt einsteigen wollte. Doch nachdem er dort auf mehr Schwierigkeiten stieß als erwartet und wohl auch einiges an Geld verlor, gab es 1982 ein Comeback in der Formel 1 und sogar noch einmal einen WM-Titel: 1984 im Teamduell bei McLaren-Porsche gegen den aufstrebenden Alain Prost, mit am Ende gerade mal 0,5 Punkten Vorsprung.

Nach dem endgültigen Rücktritt 1985 stürzte er sich noch einmal komplett ins Airline-Geschäft, macht seine "Lauda Air" zeitweise zu einer der bei den Kunden beliebtesten Airlines, mit perfektem Service und dem Blick aufs Detail, aber nicht immer zur Freude derer, die Wert auf Arbeitnehmerrechte legen. Die Lauda Air brachte ihm aber auch den dunkelsten Moment seines Lebens. Der Absturz einer seiner Boeings 767 im thailändischen Dschungel im Mai 1991 mit 223 Toten war ein Schock, der ihn tief traf, ihn stärker prägte als sein eigener Unfall, wie er oft betonte.

Aus der direkten Konfrontation mit dem Schrecken zog er aber auch die Kraft, nicht locker zu lassen bei der Frage nach der Verantwortung. Seiner Hartnäckigkeit, seinem ständigen Nachhaken war es zu verdanken, dass die Absturzursache aufgeklärt wurde: eine Schwachstelle in der Schubumkehr – die Triebwerke aller derartigen Maschinen mussten daraufhin umgerüstet werden.

Starke Sprüche und auch mal Kabarett

Die Formel 1 ließ ihn trotzdem nie los. In verschiedenen Rollen tauchte er immer wieder in den Fahrerlagern weltweit auf: Als Ferrari-Berater, als langjähriger RTL-Experte, ab 2013 dann zusammen mit seinem österreichischen Landsmann Toto Wolff als Anteilseigner und Aufsichtsratschef des Mercedes-Formel1-Teams. Immer wissend, wie man sich verkauft, mit Klartext, starken Sprüchen und auch schon mal ein paar Tricks: Im Sommer 1992 wurde Lauda innerhalb weniger Wochen von drei großen Zeitungen in Italien, Frankreich und Deutschland nach einer Rangliste seiner derzeitigen Top Ten in der Formel 1 gefragt. In Italien stand für ihn damals Ayrton Senna an der Spitze, in Frankreich Alain Prost, in Deutschland schon Michael Schumacher. Damit auch wirklich alle zufrieden waren!

Und wer sich darüber ärgerte, dass es heute in der Formel 1 viel zu ernst zugehe, der musste nur mal Sonntagfrüh bei einem Grand Prix in der Energy Station von Red Bull vorbei kommen, und im ersten Stock die Herrschaften Lauda, Dr. Helmut Marko und oft auch Christian Horner beim Frühstück belauschen. Das war zwar manchmal tiefschürfend, oft aber auch kabarettreif: Etwa, wenn die beiden Österreicher ihren dritten mächtigen Landsmann in der Formel 1, Mercedes-Teamchef Toto Wolff, durch den Kakao zogen.

Sparfuchs ohne Geld in der Brieftasche

Wer die Ehre hatte, von dem Superstar mal zum Dinner "eingeladen" zu werden, musste wissen: Immer ausreichend Geld oder Kreditkarten mitnehmen. Denn Multi-Millionär Lauda verließ sich bei solchen Anlässen immer darauf, dass die anderen zahlten – er selbst hatte angeblich nie Geld in der Brieftasche.

Beim Hockenheim-GP 2018 fehlte er zum ersten Mal krankheitsbedingt im Fahrerlager – es folgte eine dramatische Lungentransplantation. Dass es keine Rückkehr mehr geben würde, trotz allem Optimismus, den er selbst zwischenzeitlich selbst verbreitete, vor allem in einer Videobotschaft anlässlich des Saisonfinales 2018 in Abu Dhabi, schien bei dem großen Kämpfer Niki Lauda eigentlich unvorstellbar.

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