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Nintendos größter Erfolg - Klassiker mit Kultstatus: Game Boy wird 30

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Ein 30 Jahre altes Plastikkästchen mit grünem Bildschirm, das Nostalgiegefühle auslöst? Das kann nur der Game Boy sein. Die Konsole beherrschte eine Dekade lang die Kinderzimmer.

Wer Ende der 80er Jahre jung ist und einen Computer besitzt, träumt von einem tragbaren Spielesystem. Nichts wäre aufregender, als auch im Schulbus spielen zu können. Doch leider gibt es nichts, wofür es sich lohnen würde, das sauer ersparte Taschengeld auszugeben - bis Nintendo am 21. April 1989 den Game Boy herausbringt.

Technisch hinterher, bei Spielen weit vorne

Das Gerät, etwa so groß und so schwer wie ein Taschenbuch, geht auf den Nintendo-Mitarbeiter Gunpei Yokoi zurück, der bereits mit der "Game & Watch"-Serie einen weltweiten Erfolg verbucht hatte. In Sachen Design macht er drei Dinge richtig:

  • Erstens: Er pfeift auf die neueste Technik. Technisch ist die Acht-Bit-Konsole schon vom Start an veraltet. Vor allem der LCD-Bildschirm ist ein übler Kompromiss: Bei einer Bilddiagonalen von 2,6 Zoll kann er gerade mal 160 x 144 Pixel in vier matschgrün gefärbten Graustufen darstellen. Hintergrundbeleuchtung gibt es keine, was das Spielen unter der Bettdecke unmöglich macht. Wenn die Action schneller wird, verschwimmt das Bild. Doch dank seiner technischen Bescheidenheit verbraucht der Game Boy kaum Strom. Im Gegensatz zu Atari Lynx und Game Gear hält er satte 15 Stunden durch - viermal so lang wie seine Konkurrenten.
  • Zweitens sind jedem Gerät vier Batterien beigefügt, so dass man gleich loslegen kann. Ein Linkkabel, mit dem man zwei Game Boys verbindet, ist ebenfalls in der Packung.
  • Nun folgt der dritte, der eigentliche Geniestreich: Jedem Game Boy liegt "Tetris" bei. Der PC-Klassiker, erfunden vom russischen Mathematiker Alexej Paschitnow, hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Aber Nintendo poliert das Spiel derart auf Hochglanz, dass die Game-Boy-Version noch heute als beste Fassung des süchtig machenden Klötzchen-Stapel-Spiels gilt.

Der Game Boy ist Nintendos größter Erfolg

Am Erstverkaufstag geht der Game Boy 300.000 Mal über japanische Ladentische - für damalige Verhältnisse ist das sensationell. Nach Deutschland kommt der Game Boy erst eineinhalb Jahre später. Angeschoben von der bis dato teuersten Werbekampagne für ein einzelnes Spielzeug (15 Millionen Mark), tritt er auch in Deutschland seinen Siegeszug an. 169 Mark sind zwar kein Pappenstiel, doch die Konkurrenz (Sega Game Gear und Atari Lynx) kostet 300 beziehungsweise 400 Mark.

Der Game Boy wird schnell zum Statussymbol auf Schulhöfen. Dabei trifft er nicht nur bei Teenagern den richtigen Nerv: Die "Tetris"-Sucht geht so weit, dass Ärzte auch Erwachsene mit "Spielerdaumen" behandeln müssen. Denn wer stundenlang daddelt, riskiert verkrampfte Hände und irritierte Daumennerven.

Langsam sickert der Game Boy in die Popkultur ein: Ein "Tetris"-Song schafft es die deutschen Charts, der russische Kosmonaut Aleksandr A. Serebrow nimmt die kleine Spielekiste mit zur Raumstation Mir. Weltweit verkaufen sich 450 Millionen Spielecartridges - 33 Millionen davon gehen auf das Konto von "Tetris".

Eine Dekade Goldstandard für tragbare Spielekonsolen

Von einem Erfolg zu sprechen wäre schlicht untertrieben: Der Game Boy verkauft sich während seiner Lebenszeit 118,69 Millionen Mal. Sehr zum Ärger der Konkurrenz dominiert er eine Dekade lang den Handheld-Spielemarkt. Aber je älter das System wird, desto mehr sinkt die durchschnittliche Spiele-Qualität. Doch Nintendo stellt mit Eigenentwicklungen sicher, dass der Spielekiste das Futter nicht ausgeht. Darunter befinden sich Spieleklassiker wie "Super Mario Land", "The Legend of Zelda: Link’s Awakening", "Donkey Kong Land" und nicht zuletzt das erste "Pokémon"-Spiel, das den Hype neu befeuert.

Die veraltete Technologie passt Nintendo allerdings quälend langsam an. Erst 1997 verpassen die Designer der angestaubten Spielekonsole eine Hintergrundbeleuchtung, dann 1998 endlich einen Farbbildschirm. Der echte Nachfolger, Game Boy Advance, kommt erst 2001 auf den Markt.

Heute ist ein Game Boy natürlich obsolet: Wer unterwegs spielen will, greift zur Nintendo Switch, einer Playstation Vita und vor allem zu seinem Handy. Und der alte Game Boy? Der ist bei Sammlern immer noch beliebt - zum Beispiel bei Musikern, die dem alten Soundchip mit Spezial-Cartridges wie "Nanoloop" Proto-Techno-Klänge entlocken.

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