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Friedensnobelpreis - Verbeugung vor zwei Mutigen

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Der Friedensnobelpreis geht dieses Jahr an eine junge Jesidin aus dem Irak und einen Arzt aus dem Kongo. Sie kämpfen gegen sexuelle Gewalt als Waffe und riskieren damit ihr Leben.

Der Arzt Denis Mukwege und die Jesidin Nadia Murad werden für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt an Frauen mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt. Sie zeigten der Welt, wie sexuelle Gewalt in Kriegs- und Konfliktgebieten als Waffe genutzt wird.

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Mehr als 300 Personen und Organisationen waren für den Friedensnobelpreis gehandelt worden, darunter angeblich auch der Papst und Angela Merkel. Die Chancen der Bundeskanzlerin auf die wohl bedeutsamste Auszeichnung der Welt standen in britischen Wettbüros bei 1:16 – und damit deutlich höher als die Möglichkeit, vom Blitz getroffen zu werden oder einen Lottogewinn mit nach Hause nehmen zu können. Noch viel höher im Kurs allerdings wurden die beiden gehandelt, die das Komitee schließlich als Preisträger bekanntgab: Die Jesidin Nadia Murad und der Mediziner Denis Mukwege aus dem Kongo. Beide kämpfen gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe und gegen die Unterdrückung von Frauen.

Entführt und vergewaltigt

Nadia Murad lebt heute, abgeschirmt von der Öffentlichkeit, an einem unbekannten Ort in Südwestdeutschland und verarbeitet dort ihre traumatischen Erfahrungen unter der IS-Herrschaft im Irak: Im August 2014 hatten Dschihadisten ihr Jesiden-Dorf am Rande des Sindschar-Gebirges überrannt. Jesiden gelten aus Sicht sunnitischer Extremisten als Ungläubige, da sie einer vorislamischen, monotheistischen Religion angehören.

Nadia Murads Mutter und sechs ihrer Brüder wurden getötet – keiner der Männer in ihrem Dorf überlebte den Angriff. Kinder wurden als IS-Soldaten zwangsrekrutiert, Frauen verschleppt und als Sexsklavinnen verkauft. Nadia Murad brachte man nach Mossul, der damaligen Hauptstadt des IS, und wurde nach Folter und wiederholten Gruppenvergewaltigungen mit einem IS-Kämpfer verheiratet.

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Sexuelle Gewalt als Kriegswaffe

Erst nach drei Monaten gelang der 25-Jährigen mit Hilfe einer muslimischen Familie die Flucht. Unterstützt durch eine Hilfsorganisation gelangte die junge Frau schließlich zu ihrer in Deutschland lebenden Schwester.

Nadia Murad wurde heute für ihren Kampf geehrt, den sie seit Wiedererlangung der Freiheit führt: Für die Anerkennung der den Jesiden zugeführten Leiden als Völkermord und gegen den Einsatz sexueller Gewalt als Kriegswaffe. Vor der heutigen Auszeichnung war sie unter anderem bereits zur UN-Sonderbotschafterin für die Opfer von Menschenhandel ernannt und mit dem Sacharow-Preis für Menschenrechte des Europäischen Parlamentes ausgezeichnet worden.

"Doktor Wunder" aus dem Kongo geehrt

Auch der Gynäkologe Denis Mukwege aus der Demokratischen Republik Kongo hat sich dem Kampf gegen die Vergewaltigung von Frauen als Instrument der Kriegsführung verschrieben. Im Krankenhaus der Unruheprovinz Süd-Kivu behandelte er in den 90er Jahren erstmals ein Opfer grausamer Vergewaltigung. Als er im selben Jahr noch dutzende ähnlich zugerichtete Patientinnen erlebte, wurde ihm klar, dass derartige Vergewaltigungen im Kriegsgebiet keine Einzelfälle waren, sondern gezielte Übergriffe als Instrument von Kriegsführung: "Die verschiedenen Milizen im Kongo nutzten die systematische Zerstörung von Frauen als Kriegsstrategie", sagte der Arzt.  Durch die Vernichtung der Geschlechtsorgane machten die Milizen die Frauen unfruchtbar und schwächten so ihren Gegner.

Mukwege und sein Team behandeln im Panzi-Krankenhaus von Bakavu jährlich mehr als 3.500 Frauen. Der 63-Jährige gilt weltweit als Spezialist für die Rekonstruierung weiblicher Geschlechtsorgane. In seiner Heimat nennen sie ihn daher "Doktor Wunder". Mukwege setzt sich aber neben der medizinischen Hilfe auch für die soziale und moralische Rehabilitation von Vergewaltigungsopfern in seiner Heimat ein, wo die Betroffenen oft gesellschaftlich geächtet sind.

2013 wurde er für seinen Einsatz bereits mit dem "Alternativen Nobelpreis" ausgezeichnet – ein Jahr nachdem er nur knapp einem Mordanschlag entkommen war, bei dem Bewaffnete in sein Haus eindrangen, zwei seiner Töchter als Geisel nahmen und seinen Leibwächter erschossen. Die Familie floh daraufhin nach Belgien, kehrte aber zurück in den Kongo, wo er von Freiwilligen geschützt wird - darunter viele Frauen.

Würdigung für #MeToo-Bewegung

Der Friedensnobelpreis für Nadia Murad und Denis Mukwege wird in Oslo auch als Würdigung für die #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Belästigung - und als Verbeugung vor dem zehnten Jahrestag der Verabschiedung der UN-Resolution für Frieden und Sicherheit von Frauen gesehen, in der sexuelle Gewalt als Kriegsverbrechen anerkannt wird.

Beide Preisträger teilen sich das Preisgeld von umgerechnet knapp 900.000 Euro. Offiziell verliehen wird die Auszeichnung traditionell am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Das sind die Friedensnobelpreisträger:

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