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Erklärung aus Pjöngjang - Nordkorea: Rakete kann gesamte USA erreichen

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So hoch ist noch keine nordkoreanische Rakete geflogen - Pjöngjang erklärt, sie könne das gesamte Festland der USA erreichen. US-Präsident Trump reagiert verhalten auf den Test.

Südkoreaner sehen TV-Bericht über Raketentest
Südkoreaner verfolgen Bericht über den Raketentest Quelle: epa

Nach dem neuerlichen Raketentest sieht sich Nordkorea zu Angriffen auf das gesamte Territorium der USA in der Lage: Es seien nun "die gesamten Kontinental-USA" in Reichweite nordkoreanischer Raketen, hieß es in einer am Mittwoch in staatlichen Medien verbreiteten Erklärung. Nordkorea habe damit sein "historisches Ziel" erreicht, eine Atommacht zu werden.

Der Test der Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-15, die mit einem großen Sprengkopf bestückt werden könne, sei erfolgreich verlaufen. Es handle sich um die "stärkste Interkontinentalrakete", die Nordkorea jemals entwickelt habe. Ausländische Beobachter hatten allerdings bereits Zweifel am Erfolg des Raketentests geäußert. Nach Erkenntnissen des US-Verteidigungsministeriums stürzte die Rakete nach nur etwa eintausend Kilometern ins Meer und habe keine Gefahr für Nordamerika oder verbündete Nationen dargestellt.

Verhaltene Reaktion von US-Präsident Trump

Der neue Raketentest stieß international auf scharfe Kritik. Der UN-Sicherheitsrat will am Mittwoch zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. Kanzlerin Angela Merkel verurteilte "Nordkoreas neueste Provokation" scharf. "Es ist wichtiger denn je, gegen die Bedrohung der internationalen Sicherheit durch Pjöngjang zusammenzustehen", teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

US-Präsident Donald Trump reagierte verhalten. "Das ist eine Situation, mit der wir umgehen werden." Der Raketenstart ändere nichts an der Nordkorea-Politik der USA, sagte Trump. Nach Angaben von US-Verteidigungsminister James Mattis flog die nordkoreanische Rakete so hoch wie keine vor ihr. Wegen der großen Reichweite sei dies grundsätzlich eine Gefahr für jedes Land. Offensichtlich setze Nordkorea seine Bemühungen zum Bau einer Interkontinentalrakete fort, die sowohl die USA wie die Welt bedrohe, sagte Mattis.

Südkoreas Militär berichtete, die Rakete sei 4.500 Kilometer hoch geflogen - zehnmal höher als die Umlaufbahn der internationalen Raumstation (ISS). Am Ende sei die Rakete 960 Kilometer weiter vor der Westküste Japans ins Meer gestürzt. Damit könnte sie nach Expertenansicht möglicherweise das US-Kernland erreichen, wenn sie von einem Standard-Abschusswinkel abgefeuert eine normale Flugbahn erreicht hätte. Allerdings ist weiter fraglich, ob die Sprengköpfe auf Nordkoreas Raketen auch den Wiedereinstieg in die Erdatmosphäre heil überstehen, was als besonders kritisch gilt.

Südkorea warnt vor Eskalation

Als Reaktion telefonierte Trump sowohl mit Südkoreas Präsident Moon Jae In als auch mit Japans Ministerpräsident Shinzo Abe. Südkorea reagierte nur fünf Minuten nach dem Start der Rakete mit Manövern und schoss drei Raketen für Zielübungen ins Meer. Moon warnte vor einer drastischen Verschärfung der Sicherheitslage. Falls Nordkorea weiter Raketen entwickle, die andere Kontinente erreichen könnten, "könnte es zu einer Situation kommen, die nicht mehr gut zu machen ist", sagte Moon bei der Sitzung seines Sicherheitsrats in Seoul.

"Wir müssen verhindern, dass Nordkorea die Lage falsch einschätzt und uns mit Atomwaffen bedroht, oder dass die USA einen Präventivschlag erwägen könnten." Moon verurteilte den Raketentest als "rücksichtslose Provokation", die seine Regierung nicht hinnehmen werde. Nordkorea verschärfe damit nicht nur die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel, sondern bedrohe auch den Weltfrieden. Südkorea werde seine Verteidigung ausbauen. Sein Land habe keine andere Wahl, als Nordkorea "mit bloßer Macht" zu erdrücken. 

Washington: "Keine Gefahr für Nordamerika"

Japans Premier Shinzo Abe verurteilte in dem Telefonat mit Trump den Raketenstart, der "die Sicherheit sowohl Japans als auch der USA bedrohe", wie die Nachrichtenagentur Jiji Press zitierte. Beide stimmten überein, den Druck auf Nordkorea zu erhöhen. Die Regierung in Tokio gab nach Angaben von Verteidigungsminister Itsunori Onodera keinen Befehl zum Abschuss der Rakete, da man zu der Einschätzung gelangt war, dass sie weder auf japanischem Territorium noch in japanischen Hoheitsgewässern landen würde.

Die Regierung habe den Flug der Rakete vollständig verfolgen können, erklärte Abe. Sie landete nach 50 Minuten rund 250 Kilometer westlich der nordjapanischen Provinz Aomori im Meer. In den vergangenen Monaten hatte Nordkorea zwei Raketen über den Norden Japans hinweg getestet, die im Pazifik niedergegangen waren. Auch in diesen Fällen hatte Japan nicht versucht, die Raketen abzuschießen. Die Bevölkerung wurde jedoch damals mit Hilfe des Alarmsystems J-Alert gewarnt.

Der Flugkörper sei am Dienstag MEZ um 17.17 Uhr abgefeuert worden, berichtete das US-Verteidigungsministerium. Der Raketentest habe "keine Gefahr für Nordamerika, unsere Gebiete oder unsere Verbündeten dargestellt". Die große Flughöhe und die demonstrierte potenzielle Reichweite deuten aber auf neue Fortschritte Nordkoreas bei der Entwicklung seiner Raketentechnologie hin.

Nordkorea auf US-Terrorliste

Ballistische Raketen können mit konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengköpfen bestückt werden. Die im antriebslosen Flug zurückgelegte Strecke - auch Freiflugphase genannt - kann bis zu zehn Mal so lang sein wie der Weg, den die Rakete mit Antrieb während der Schubphase zurücklegt. Der letzte nordkoreanische Raketentest erfolgte am 15. September.

In den vergangenen Monaten hatten sich die Spannungen in der Region deutlich verschärft, nachdem Kim Jong Un mehrfach Raketen sowie Anfang September eine weitere Atombombe getestet und damit gegen UN-Resolutionen verstoßen hatte. Die USA hatten Nordkorea vor einer Woche auf die Liste der staatlichen Unterstützer von Terrorismus gesetzt, was Pjöngjang als schwere Provokation kritisiert hatte.

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