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Spannung vor US-Nordkorea-Gipfel - "Nicht jeder will eine friedliche Lösung"

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Diktator Kim droht, den Gipfel mit den USA platzen zu lassen - wegen des US-Manövers mit Südkorea. Dass es stattfindet, "verrät viel über die Haltung Trumps", sagt Experte Frank.

Soldaten der Armeen Südkoreas und der Vereinigten Staaten
Soldaten der Armeen Südkoreas und der Vereinigten Staaten
Quelle: picture alliance

heute.de: Zuerst Freude über das Tauwetter zwischen Nordkorea und den USA - jetzt die Nachricht, dass Kim Jong-Un droht, das geplante Treffen mit US-Präsident Trump zu streichen - aus Ärger über die alljährliche Militärübung der USA mit Südkorea in der Region. Ist so ein Manöver angesichts des bevorstehenden Jahrhundert-Gipfels überhaupt nötig?

Zur Person

Rüdiger Frank: Das kommt darauf an, welche Nachricht der Westen an Nordkorea senden möchte. Wenn man signalisieren will, dass man Nordkorea als gleichberechtigten Verhandlungspartner ansieht, dann muss man auf symbolische Friedensgesten mit ebensolchen Maßnahmen reagieren. Militärmanöver passen da überhaupt nicht. Wenn man sich allerdings Verhandlungen mehr als Kapitulationsgespräche vorstellt, dann lässt man sich zu keinerlei Zugeständnis hinreißen. Die Manöver verraten uns sehr viel über die Haltung der USA; sie fühlen sich Nordkorea wirtschaftlich, militärisch und moralisch überlegen und zeigen das sehr deutlich. Diplomatisch geschickt ist das nicht, aber es will ja auch nicht jeder in Washington wirklich eine friedliche Lösung.

heute.de: Wie wichtig ist dieses Manöver für die Sicherheit Südkoreas? Ziehen das südkoreanische und das US-Militär aus diesem Manöver wirklich neue Erkenntnisse, oder ist es ein militärisches "Das machen wir halt jedes Jahr so"?

Frank: Das Argument der militärischen Notwendigkeit hört man derzeit eher selten. Es handelt sich offensichtlich hauptsächlich um eine politische Frage, ein Statement. Dessen Adressat ist allerdings nicht nur Nordkorea; die Botschaft der Stärke geht auch an die zwei Nachbarländer China und Russland.


heute.de: Abseits des Militärischen: Wer verliert sein Gesicht, wenn das Manöver abgesagt würde, wer wenn es stattfindet? Und: Was könnte eine politische Kompensation für denjenigen sein, der mehr nachgeben muss (mehr Gesicht verliert)?

Frank: Um Gesichtsverlust geht es hier nicht. Ein Manöver muss man ja nicht mit großem Getöse absagen, es genügt, dass man es einfach nicht stattfinden lässt. Oder wer hat außerhalb von Militärkreisen in den Vorjahren schon von "Max Thunder" gehört? Wenn man andererseits bedenkt, dass Kim Jong Un in den letzten Wochen drei Amerikaner freigelassen und die Zerstörung eines Atomtestgeländes angekündigt hat, dann könnte man die aktuellen Manöver als bewussten Schlag in sein Gesicht interpretieren. Das stärkt seine Verhandlungsposition am 12. Juni, weil er auf diese Beleidigung hinweisen und eine Kompensation verlangen kann. Ob das Argument allerdings bei Herrn Trump und den Washingtoner Neocons (Neokonservative) ziehen wird, muss man abwarten.

Die Fragen stellten Elisabeth Jändl und Axel Zimmermann

Die Akteure im Nordkorea-Konflikt

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